Serie über die Regionalliga-Gegner der Bremer

SV Atlas auf dem vorläufigen Höhepunkt einer rasanten Entwicklung

Das muss den Delmenhorstern erst mal ein Klub nachmachen: 2012 spielten sie in der 1. Fußball-Kreisklasse, 2020/21 werden sie der Regionalliga Nord angehören. Und der Aufsteiger hat sich ordentlich verstärkt.
29.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
SV Atlas auf dem vorläufigen Höhepunkt einer rasanten Entwicklung
Von Justus Seebade
SV Atlas auf dem vorläufigen Höhepunkt einer rasanten Entwicklung

Beim SV Atlas Delmenhorst ist in normalen Zeiten im Stadion immer für ordentlich Stimmung gesorgt.

INGO MÖLLERS

Es ist ein knappes Jahr her, dass sich im Bremer Weserstadion etwas Außergewöhnliches ereignete. Das Bundesliga-Team des SV Werder trat in der ersten Runde des DFB-Pokals an – allerdings nicht als Heimmannschaft, sondern als Gast. Ein Auswärtsspiel in der eigenen Arena. Klingt komisch, war aber so. Die Rolle des Gastgebers nahm nämlich der SV Atlas Delmenhorst ein, der damals in der Fußball-Oberliga Niedersachsen aktiv war und sich als Sieger des Niedersachsenpokals der Amateure für den DFB-Pokal qualifiziert hatte. Das allein wäre schon ein absolutes Highlight in der Vereinsgeschichte gewesen, doch dass die Blau-Gelben dann ausgerechnet auf den großen Nachbarn aus der Hansestadt trafen, setzte natürlich noch mal einen drauf. Nicht umsonst betitelte der SVA die Partie als „Jahrhundertspiel“ – und zog sich beim 1:6 sogar achtbar aus der Affäre.

17 Spiele in Folge ungeschlagen

Auch wenn die Mannschaft von Trainer Key Riebau vorher bereits zwei Pflichtspiele absolviert hatte, bildete im Grunde die Partie gegen Werder den Startpunkt einer Saison, die überaus erfolgreich verlief. Atlas blieb in der Oberliga zunächst 17 Partien in Folge ungeschlagen und beendete die Spielzeit letztlich auf dem zweiten Platz. Dieser hätte normalerweise zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga Nord berechtigt, doch auf den außerordentlichen Verbandstagen des Niedersächsischen und des Norddeutschen Fußballverbandes wurde ja bekanntlich beschlossen, dass die Saison abgebrochen und nach einer Quotientenregelung mit Auf-, aber ohne Abstieg gewertet wird.

Auch die Teams auf den Relegationsplätzen dürfen in der kommenden Saison eine Liga höher antreten. Und genau davon profitiert nun Atlas. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung. Seit der Neugründung des Vereins im Jahr 2012 sind die Blau-Gelben von der 1. Kreisklasse bis in die Regionalliga aufgestiegen.

Vermutlich dürften die Delmenhorster und speziell ihre Fans auch dort immer noch etwas Besonderes sein. Die Zuschauerzahlen im Düsternortstadion liegen oftmals im vierstelligen Bereich, die Anhänger feuern ihr Team stets lautstark an. „Ich glaube schon, dass das für viele andere Mannschaften attraktiv ist und der Verein eine gewisse Strahlkraft haben kann. Wir sind jetzt dafür verantwortlich, dass wir sportlich so aufgestellt sind, dass wir das für die Umgebung, Fans und Zuschauer möglichst interessant gestalten und die bei Laune halten“, sagt Key Riebau, der mit 30 Jahren bereits zum zweiten Mal einen Regionalligisten trainiert. Vor seinem Engagement bei Atlas stand er beim SSV Jeddeloh an der Seitenlinie.

Der Coach weiß also, was auf sein Team zukommt. Allzu viel Bedeutung will Riebau diesem Umstand jedoch nicht beimessen. „Es kommt wirklich darauf an, wie wir als Team zusammenwachsen, wenn wir unsere Neuzugänge beisammenhaben. Ich glaube, es ist wichtig, dass man erst mal auf sich guckt. Natürlich kann es helfen, dass man die eine oder andere Mannschaft schon ein bisschen kennt, aber viel entscheidender finde ich, dass die Entwicklung, die wir als Team genommen haben, weiter voranschreitet, dass man da erst mal positive Ergebnisse erzielen kann und dann guckt, in welche Richtung es gehen kann“, meint der Atlas-Trainer. Dass die Regionalliga eine große Herausforderung wird, ist vollkommen klar. „Es ist für mich eigentlich der größte Sprung zwischen zwei Ligen. Man sieht einfach, vor allem in der Regionalliga Nord, dass die meisten Aufsteiger akut abstiegsgefährdet sind und immer wieder vor richtig große Probleme gestellt werden. Deswegen ist der Schritt gerade zwischen diesen beiden Ligen extrem“, urteilt Riebau.

Kader verstärkt

Um der Aufgabe gewachsen zu sein, haben die Delmestädter ihren Kader bereits mit einigen erfahrenen Spielern verstärkt. Für den Angriff wurde ein Mann verpflichtet, der in der Stadt alles andere als unbekannt ist. Dimitrios Ferfelis kommt vom FC Gießen aus der Regionalliga Südwest. Der 27-jährige Deutsch-Grieche kehrt damit in seine Heimatstadt zurück. Bis zu seinem 14. Lebensjahr spielte er in Delmenhorst für den TuS Hasbergen, Delmenhorster TB und TuS Heidkrug. Bis zur U 19 lief Ferfelis dann für Werder Bremen auf. Im Herrenbereich kamen verschiedene Stationen hinzu, bei denen der 1,94 Meter große Angreifer jede Menge Erfahrung sammelte, teilweise auch im Ausland. Er war für die TuS Koblenz, den PEC Zwolle (Niederlande), PAS Giannina, PAS Lamia (beide Griechenland), FSV Zwickau, Wormatia Worms und zuletzt Gießen aktiv.

In der Defensive haben die Blau-Gelben bereits jetzt ordentlich nachgerüstet. Mit Philipp Eggersglüß wurde ein routinierter Außenverteidiger mit Drittliga-Erfahrung von Rot-Weiß Oberhausen an die Delme gelotst. Der 25-Jährige, der nicht nur links und rechts verteidigen, sondern auch mehrere Positionen im Mittelfeld bekleiden kann, kommt ablösefrei vom Traditionsklub aus der Regionalliga West. Eggersglüß war bis zum coronabedingten Abbruch Stammspieler beim Tabellenvierten und verpasste den Drittliga-Aufstieg nur knapp. Der gebürtige Soltauer lief in den Spielzeiten 2015/16 bis 2017/18 zudem 61-mal in der 3. Liga für die Werder-Reserve auf.

Auf internationale Erfahrung kann der 31-jährige Innenverteidiger Kostadin Velkov verweisen, der von Drittliga-Absteiger Chemnitzer FC zu Atlas gewechselt ist. Der Bulgare hat eine interessante Vita, unter anderem war er in der Saison 2018/19 unumstrittener Stammspieler in Chemnitz und sorgte maßgeblich mit für den Aufstieg des CFC in die 3. Liga. Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte er am 9. Mai 2018: Er stand für Slavia Sofia im bulgarischen Pokalfinale gegen Levski Sofia 120 Minuten auf dem Feld – sein Team sicherte sich vor 32 000 Zuschauern den Cup nach Elfmeterschießen.

Darüber hinaus hat sich Atlas die Dienste zweier Talente gesichert. Der 20-jährige Olivér Schindler lief zuvor in der Regionalliga West für den SV Lippstadt 08 auf und verstärkt das Mittelfeld. Er absolvierte bereits vier Länderspiele für die U 19-Nationalmannschaft Ungarns. Mit Luca Liske schließt sich zudem ein 18-jähriger Offensivspieler dem SVA an. Das Talent kommt aus der U 19 des JFV Nordwest.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+