Beliebtes Kneipen-Quiz

Ratespiele als Renner in Bremer Lokalen

In Großbritannien ist das „Pub-Quiz“ schon fast Kulturgut, aber auch in Deutschland und speziell in Bremen erfreut sich diese Art der Unterhaltung wachsender Beliebtheit. Ein Besuch in zwei Kneipen.
13.12.2017, 18:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Heinz Fricke
Ratespiele als Renner in Bremer Lokalen

"Ich hab da mal 'ne Frage": Tim Kotthoff führt in der "Kono-Bar" durch das Kneipen-Quiz.

Christina Kuhaupt

Bremen. „In Großbritannien“, sagt Wendy, „finden Quiz-Abende fast in allen Pubs statt.“ Wendy Vesshoff muss es wissen, denn sie ist Engländerin und hat daher einschlägige Erfahrung mit dem, was auf der Insel „Pub Quiz“ heißt. Hierzulande nennt man es logischerweise „Kneipen-Quiz“, und dass diese unterhaltsame Mischung aus Geselligkeit, Unterhaltung und Wettbewerb auch in Bremen in den letzten Jahren immer populärer geworden ist, daran hat Wendy großen Anteil. Denn der Zufall fügte es, dass sie kurz nach der Jahrtausendwende Andreas Vesshoff kennenlernte, der vor genau 20 Jahren am Ostertorsteinweg im Viertel das „Hegarty's“ eröffnete – eine Kneipe mit dem Markenzeichen „Irish Pub“, in dem man auf 30 verschiedene Whisky-Sorten im Angebot stolz ist. Andreas und Wendy heirateten, bekamen zwei Kinder, und als das geschafft war, beschloss Wendy: „Wir machen hier auch Pub-Quiz.“

Das geschah vor inzwischen 14 Jahren. Im „Hegarty's“ kam das gemeinsame Raten bei der Kundschaft recht zügig in Gang, was kein Wunder war. Denn das Lokal hatte sich inzwischen zum Treffpunkt vieler in Bremen lebenden Angelsachsen entwickelt, für die Pub-Quiz nichts Neues war. Auch heute noch wird im „Hegarty's“ viel englisch gesprochen. 20 Prozent der Gäste – so schätzt Wendy – haben die Weltsprache Nummer eins als Muttersprache. Und so ist der Irish Pub am Ostertorsteinweg 70 nicht nur das Zentrum der Bremer Kneipen-Quiz-Szene – es ist auch das einzige Lokal, in der die Quiz-Fragen und -Antworten in englischer Sprache über die Bühne gehen. Aber das stört die deutsche Kundschaft nicht, im Gegenteil: „Hier kommen auch viele, die ihr Englisch verbessern wollen, darunter sogar Englisch-Lehrer“, informiert Wendy.

Wer bei „Google“ unter „Kneipenquiz in Bremen“ nachschaut, bekommt vier Adressen angeboten. Tatsächlich jedoch gibt es inzwischen über ein Dutzend Lokale in der Hansestadt, deren Inhaber versuchen, mit einen Quiz-Abend mehr Gäste zu begeistern. Oft aber bleibt es bei dem Versuch, mangels stabiler Resonanz beim Publikum.

Mal 30, mal 50 Teilnehmer

So haben wir an der Weser nur zwei Lokale besucht, in denen Kneipen-Quiz seit Jahren Tradition hat – zwei sehr unterschiedliche Lokalitäten. Neben dem unbestrittenen Platzhirsch „Hegarty's“ waren wir auch in der kleinen „Kono-Bar“ am Schwarzen Meer, in dem Lokalchef Matti vor knapp drei Jahren auf die Idee kam, seinen Gästen neben Karaoke und Sky-Fußball auch Quiz-Wettbewerbe zu bieten. Matti? „So nennen mich hier alle, das reicht“, sagt der 29-Jährige, erst auf Nachfrage komplettiert er: „Eigentlich heiße ich Matiya, meine Wurzeln liegen in Kroatien.“

Bei Matti läuft alles ganz locker und in unkonventionellen Bahnen. „Mal kommen 30, mal 50“, sagt er. Die finden sich dann vor Ort zu spontanen und maximal sechsköpfigen Rate-Gruppen zusammen, mehr Leute wissen bekanntlich auch mehr. Die Siegergruppe bekommt hinterher ein Kaltgetränk ihrer Wahl, der Spaß am Ratespiel steht im Vordergrund.

Und dass das funktioniert, dafür sorgt Tim Kotthoff. Das ist der von Matti engagierte Quizmaster, der im Hauptberuf eine Halbtagsstelle als Altenpfleger besitzt, jedoch auch sagt: „Als Quizmaster verdiene ich mehr.“ Das macht er auch noch in zwei weiteren Lokalen, im „Gondi“ und im „Gastfeld“. Und besonders stolz ist er auf die Abende, in denen ein Musik-Quiz auf dem Programm steht. Denn Tim ist auch Musiker und bringt dann sein Keyboard mit, auf dem er Melodien anspielt, die die Gäste erkennen müssen. „Meines Wissens bin ich der Einzige in Bremen, der zum Kneipen-Quiz auch Livemusik bietet“, sagt er stolz.

Rund zwei Stunden dauern die sechs Quiz-Runden in der „Kono-Bar“, ungefähr das Doppelte an Zeit braucht Tim für den Job. Denn er stellt auch die Fragen zusammen aus den verschiedenen Wissensgebieten, das Internet ist ihm dabei die wichtigste Hilfe. Hinterher sammelt er die Lösungszettel ein und wertet sie aus. „Über 50 Prozent der Lösungen sollten richtig sein. Andernfalls mache ich beim nächsten Mal die Fragen leichter“, sagt Tim.

Quizmaster im „Hegarty's“ ist Steven, ein gebürtiger Nordengländer, den es auf verschlungenen Wegen zum Bremer Ostertorsteinweg verschlagen hat. Bis 1995 war er als Soldat der britischen Armee in Verden stationiert, eine kurzfristige Beziehung mit einer Deutschen hielt ihn im Land und lehrte ihn die Sprache.

Angeblich landet jeder Engländer in Bremen irgendwann im „Hegarty's“, so erging es auch Steven. Weil er inzwischen auch fast ebenso gut Deutsch wie Englisch sprach und auch ansonsten einen ganz aufgeweckten Eindruck machte, wagte Hausherrin Wendy mit ihm einen Versuch als Quizmaster. Der gelang, seit etlichen Jahren ist der hauptberuflich als Tontechniker arbeitende Steven Dreh- und Angelpunkt des Pub-Quiz im „Hegarty's“, anzutreffen jeden Montag ab 20 Uhr.

Dort geht es dann schon deutlich professioneller zu als etwa in der „Kono-Bar“, das muss aber auch so sein. Denn Pub-Quiz im „Hegarty's“ kommt einer Großveranstaltung schon sehr nahe. Viele kommen vor 20 Uhr, um sich einen Platz zu sichern. Die Räumlichkeiten im stilvollen Irish Pub begrenzen die Teilnehmerzahl auf rund 150. Und die Teams finden sich nicht zufällig zusammen, sie kommen sozusagen als geschlossene Einheit. Insgesamt 160 mehr oder weniger regelmäßig teilnehmende Teams sind auf der Homepage des „Hegarty's“ registriert, meist unter englischen Namen. Doch es gibt auch die „Bruchpiloten“, die „Judaeische Volksfront“ oder „Pommes Schranke“.

Mädchenname von Victoria Beckham?

An jedem Tisch liegen Vordrucke für die Antworten, die Fragen stellt Steven. Er bezieht sie vor allem aus dem englischen Internet, „Paul's Pub-Quiz“ ist dort die angesagteste Adresse. Da liegt es nahe, dass vielen Briten die Fragen doch leichter fallen als Deutschen. Zum Beispiel diese: „Wie ist der Mädchenname von Victoria Beckham?“ Das einstige Spice-Girl wurde als Victoria Adams geboren – aber wer weiß das hierzulande schon? Doch alle haben grundsätzlich eine Chance bei den insgesamt 60 Fragen aus sechs Wissensgebieten der unterschiedlichsten Art. Zwei Beispiele sollen es belegen. Zum einen: „Was braucht man außer Eiern und Brandy für einen guten Eierlikör?“ Antwort: Vanille. Oder: „Wer spielte die Hauptrolle im Kino-Klassiker Psycho?“ Die Antwort, Anthony Perkins, wussten fast alle.

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