Reisen

Woran ich gemerkt habe, dass ich wieder in Deutschland bin? Gute Frage. Auf jeden Fall nicht an den Taxifahrern. Viele Taxifahrer auf dieser Welt sind wie meine Tante Elke. Tante Elke redet gern.
01.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marc Hagedorn

Woran ich gemerkt habe, dass ich wieder in Deutschland bin? Gute Frage. Auf jeden Fall nicht an den Taxifahrern. Viele Taxifahrer auf dieser Welt sind wie meine Tante Elke. Tante Elke redet gern.

Jerzey, der mich in Warschau zum Flughafen fährt, sagt: "Deutschland gut." Ich: "Warschau schön." Er: "Klose gut." Ich: "Wetter schön." Er: "Podolski gut." Ich: "Essen gut." Er: "Deutschland gut." Ich: "Warschau schön." Er: "Klose gut." Ich… 30 Minuten später sind wir am Flughafen.

Peter bringt mich in Lübeck vom Flughafen zum Hauptbahnhof. Peter: "Hier, lies mal." Er reicht mir die "Bild". Peter: "Ein Typ hat Paris Hilton geschubst." Ich: "?" Peter: "Der wollte nur in die Zeitung kommen. Blättere mal weiter." Ich blättere weiter. Britney Spears im roten Kleid. Peter: "Ist sie nicht hübsch?" Ich: "Doch." Peter: "Ich liebe Britney. Mir ist egal, was die Leute sagen." Ich: "?" Peter: "Sie war ein bisschen verrückt, das ja, dabei wollte sie nur Spaß haben und hatte Pech: Hat gleich Kinder gekriegt. Das war dumm." Ich: "Aber Kinder…" Peter: " Die Leute sagen auch, dass Verona dumm ist. Glaubst Du auch, dass Verona dumm ist?" Ich: "?" Peter… Dann reden (ich schreibe jetzt mal trotzdem) "wir" noch über Lindsay, Heidi und Penelope.

Eine Stunde später weiß ich sicher, dass ich wieder in Deutschland bin. Umsteigen in Hamburg. Durchsage: "Der Metronom nach Bremen fährt heute ab Hamburg-Harburg. Reisende, die nach Bremen möchten, fahren bitte mit der S-Bahn nach Hamburg-Harburg." Also mit der S-Bahn (und zwei Koffern) nach Hamburg-Harburg. Durchsage in Hamburg-Harburg: "Der Anschlusszug nach Bremen konnte leider nicht warten." Ich denke: Ist doch nicht schlimm, ist ja noch nicht mal 19 Uhr und den Bahnhof in Hamburg-Harburg kenne ich noch nicht, hier warte ich gern eine Stunde, ich bin ja auch erst um 4.30 Uhr heute Morgen in Warschau aufgestanden. Außerdem, sagen die Indianer, dass zu schnelles Reisen nicht gut für die Seele sei. Die Seele, glauben die Indianer, komme sonst nicht hinterher.

Liebe Leser, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich hörte, dass der nächste Zug an allen Unterwegsbahnhöfen (schönes Wort übrigens) hält. Hittfeld, Klecken, Buchholz, Sprötze, Tostedt, Lauenbrück – es ist ein erhabenes Gefühl, seinen Liebsten zu Hause unaufhaltsam näherzukommen.

marc.hagedorn@weser-kurier.de

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