Bremer Galopprennbahn

Rennbahnplanung ohne Rennverein

Wenn der Runde Tisch demnächst die Arbeit aufnimmt und über die Zukunft der Galopprennbahn spricht, ist der Bremer Rennverein nicht dabei. Der Traditionsklub möchte aber wieder Renntage veranstalten.
24.02.2020, 21:06
Lesedauer: 4 Min
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Rennbahnplanung ohne Rennverein
Von Frank Büter
Rennbahnplanung ohne Rennverein

Der Vorstand ist sauer: Wenn der Runde Tisch demnächst die Arbeit aufnimmt und über die Zukunft der Galopprennbahn spricht, ist der Bremer Rennverein nicht dabei.

Frank Thomas Koch

Es soll losgehen, „bestmöglich noch im März“, sagt Bremens Bürgermeisterin und Bausenatorin Maike Schaefer. Losgehen mit der inhaltlichen Arbeit, nachdem man sich auf die Teilnehmer und auf die Arbeitsweise des Rundes Tisches zum Thema Rennbahngelände verständigt hat. Nachdem sich die Wählerinnen und Wähler Ende Mai vergangenen Jahres bei einem Bürgerentscheid gegen eine Bebauung des Rennbahngeländes ausgesprochen hatten, soll das etwa 36 Hektar große Areal nun „als grüne Ausgleichsfläche weiterentwickelt und für Erholung, Freizeit, Sport und Kultur nutzbar gemacht werden“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Senats.

Der Vorstand ist sauer

Aufgeführt sind in dieser Pressemitteilung auch die Teilnehmer dieses Runden Tisches, der etwa alle vier bis sechs Wochen halbtägig tagen soll. Demnach setzt sich der Runde Tisch aus einem inneren und einem äußeren Kreis zusammen (siehe auch nebenstehenden Text). Neben Vertretern aus Politik und Verwaltung finden sich hier unter anderem auch Mitglieder der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen, die mit ihrem Engagement erst den Bürgerentscheid möglich gemacht hatten. Nicht dabei ist indes der Bremer Rennverein, der über Jahrzehnte auf dem Gelände heimisch war.

„Es hat uns schon überrascht, dass wir nicht berücksichtigt wurden“, sagt Frank Lenk, Vorstandsmitglied und Sprecher des Bremer Rennvereins. Die Vereinsmitglieder seien deshalb irritiert, die Vorstandsmitglieder wiederum seien „etwas säuerlich“ angesichts der Nichtberücksichtigung. Immerhin sei dem Bremer Traditionsklub zwischenzeitlich in Aussicht gestellt worden, „dass wir am Runden Tisch dabei sind“, sagt Lenk. Der Rennverein verstehe sich als Teil des Gesamtkonzeptes und sei nach wie vor gewillt, Galopprennen auszurichten, „das ist die Kernbotschaft“. Die ganze Galoppsportszene, sagt der Sprecher, schaue nach Bremen. Und die ganze Szene verstünde das nicht.

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„Das federführende Ressort, die beteiligten Beiräte und die Bürgerinitiative haben sich in einem sehr konstruktiven Prozess auf eine Besetzung des Runden Tisches geeinigt. Diese Besetzung ist nicht dauerhaft geschlossen, weitere Teilnehmer können je nach Themenlage dazustoßen“, erläutert Jens Tittmann, der Sprecher des Bauressorts. „Das kann dann selbstverständlich auch der Rennverein sein.“

Zuständig für das ehemalige Rennbahngelände ist die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Ihr Vertreter Dirk Kühling hat in den vergangenen Wochen und Monaten die Vorschläge für eine Zwischennutzung des Areals gesammelt und zwischenzeitlich in Teilen auch schon im Regionalausschuss Galopprennbahn vorgestellt. Nach Informationen des WESER-KURIER ist die Zahl der Interessenten bereits auf 18 gestiegen. Es gibt also 18 Ideen und Konzepte, wie das Rennbahngelände übergangsweise genutzt werden könnte. Konzerte, Golf, Reitturniere, Volksläufe, Ballonfahrten, Zirkusaufführungen, die Liste ist ebenso bunt wie lang. Und eben dort wird sich auch der Rennverein mit seinem Vorhaben einreihen müssen, wenn er kurzfristig wieder als Veranstalter auftreten will.

Vereinsmitglieder sind unzufrieden

"Galoppveranstaltungen sind für einen Rennverein natürlich das Salz in der Suppe", sagt Andreas Sponbiel, der Sprecher der Bürgerinitiative. Er weiß aus vielen Gesprächen um die Unzufriedenheit der Vereinsmitglieder. "Die brennen darauf, wieder was zu machen", sagt Sponbiel. Und er sagt auch: "Aus meiner Sicht wurde der Rennverein nicht gut behandelt." Sponbiel geht indes davon aus, dass der Rennverein bald Gelegenheit erhalten wird, sein Anliegen am Runden Tisch vortragen zu können. "Das würde ich mir wünschen.

Der Rennverein war so lange auf dem Gelände, er hat es verdient, eine besondere Stellung zu haben", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, der sich nach Informationen des WESER-KURIER allerdings nicht für eine dauerhafte Beteiligung des Rennvereins am Runden Tisch eingesetzt hat. Die Besetzung wurde in Anwesenheit von Andreas Sponbiel einvernehmlich beschlossen, bestätigt Ressortsprecher Jens Tittmann und ergänzt: "Man sollte jetzt den Runden Tisch in seiner übergeordneten Bedeutung erst mal die Arbeit aufnehmen lassen."

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Eine Arbeit, die viele Interessen berücksichtigen muss. Sponbiel könnte sich dabei gut vorstellen, das Renngeläuf und damit „die DNA des Geländes“ zu erhalten, „das ist eine Frage der Planung“, sagt er. „Diese Rennbahn ist die Puppenstube des deutschen Galoppsports. Bremen kann auf so eine Tradition nicht verzichten.“ Und schließlich wolle man „die Fläche für die öffnen, die dafür gekämpft haben“.

Vorbild Hamburg-Horn

Eine Fläche, die eine Sport- und Parkfläche werden soll, die gemeinschaftlich genutzt wird. Das ist der Wunsch von Andreas Sponbiel und seinen Mitstreitern in der Bürgerinitiative. Vorbild ist für Sponbiel das Rennbahnareal in Hamburg-Horn. Das 48 Hektar große Gelände ist in städtischer Hand und bietet nicht nur dem Galopprennsport eine Heimat. „Minigolf, Basketball- und Fußballfelder, Hundeauslauffläche, Zirkus, Flohmärkte – da ist so einiges im Angebot“, sagt Sponbiel. „Man sollte sich das mal vor Ort anschauen.“ Er regt ein Miteinander der Interessen an und wirbt für den Erhalt der Rennbahn. „Der Bedarf ist da“, sagt Andreas Sponbiel. „Ich bin davon überzeugt, dass das Gelände bei einem Renntag aus allen Nähten platzen würde.“

Frank Lenk würde sich freuen, wenn der Galoppsport in Bremen wieder eine Heimat fände – kurz- und langfristig. Am 18. März steht die Jahreshauptversammlung des Rennvereins an, dann wird sich der Vorstand zum aktuellen Stand äußern müssen. „Wir stehen unter Druck“, sagt Lenk.

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Zur Sache

So setzt sich der Runde Tisch zusammen

Der Runde Tisch teilt sich auf in einen „inneren“ und einen „äußeren“ Kreis. Zur Kerngruppe gehören Vertreter vom Bauressort ebenso wie von Wirtschaft und Soziales, die Bürgerinitiative Rennbahn (BI), der Regionalausschuss der Beiräte Hemelingen und Vahr und die Hemelinger Ortsamtsleitung.

Ebenfalls mit dabei sind Mitglieder der „Initiative grünes Bremen“, der Naturschutzbund und Mitglieder der Bürgerschaftsfraktionen – das Parlament muss am Ende über eine Nutzung im Sinne des Volksbegehrens beschließen. Zum „äußeren“ Teilnehmerkreis, der regelmäßig bei den Treffen vertreten sein wird, gehören mit den Senatorinnen für Bildung und Kultur zwei weitere Fachressorts und die Gewoba wegen ihrer Expertise auf dem Gebiet der Stadtentwicklung.

Das Atlantic Hotel und die Firma Siedentopf als Anrainer des Geländes sitzen ebenfalls mit am Tisch genau wie der Landessportbund, Abgesandte der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und weitere Vertreter der BI. Wenn es sich thematisch anbietet, können weitere Teilnehmer eingeladen werden.

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