Bremer Landesturnverband

Rosenkötter kandidiert für den Vorsitz

Die SPD-Abgeordnete und ehemalige Vorsitzende des Landessportbunds, Ingelore Rosenkötter, wird im Fall ihrer Wahl, die Nachfolge des verstorbenen Christian Weber antreten.
04.04.2019, 20:00
Lesedauer: 4 Min
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Rosenkötter kandidiert für den Vorsitz
Von Ruth Gerbracht
Rosenkötter kandidiert für den Vorsitz

Sollte Ingelore Rosenkötter am 29. Juni beim Bremer Turntag gewählt werden, wovon fast auszugehen ist, wird sie die Nachfolge des verstorbenen Christian Weber antreten.

Frank Thomas Koch

Ihr Herz schlägt bekanntlich für den Sport. Ingelore Rosenkötter, die im Sommer als Bürgerschaftsabgeordnete ausscheidet, ist bekannt dafür, ihre Stimme für den Sport zu erheben. Das hat sie als Präsident des Bremer Landessportverbands (LSB) zwischen 1998 bis 2006 vehement getan, das tut sie auch als amtierende Vorsitzende der Bremer Sportdeputation. Als ehemalige Vorsitzende der Special Olympics hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Inklusion im Sport mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung erfährt. Warum sollte die 65-Jährige also jetzt mit ihrem Engagement für den Sport Schluss machen?

Davon ist sie weit entfernt. Ingelore Rosenkötter kandidiert für den Vorsitz beim Bremer Landesturnverband. Sollte sie am 29. Juni beim Bremer Turntag gewählt werden, wovon fast auszugehen ist, wird sie die Nachfolge des verstorbenen Christian Weber antreten. Der ehemalige Bürgerschaftspräsident hatte im vergangenen Sommer dem Präsidium des Turnverbandes mitgeteilt, dass er angesichts seiner schweren Erkrankung zurücktreten wolle. Damit war die Kandidatensuche eröffnet, schnell fiel der Name Rosenkötter. Das verwundert nicht, schließlich ist die SPD-Politikerin Sportlerin durch und durch, außerdem blickt sie auf 45 Jahre Ehrenamt im Sport zurück. Sie kennt auch dort die Problematiken. Zudem ist Rosenkötter in Bremen, aber auch auf nationaler Ebene, bestens vernetzt. Und sie würde nach ihrem Ausscheiden aus der Politik im Mai mehr Zeit haben, ein nicht unwichtiger Aspekt. Was also könnte dem Turnverband in Bremen Besseres passieren?

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„Als ich im Spätsommer angesprochen wurde, bat ich zunächst um Bedenkzeit“, erklärt Ingelore Rosenkötter. Sie wollte in Ruhe überlegen, nichts überstürzen, sondern nachdenken wie denn ihre Zeit nach ihrem Abschied aus dem politischen Alltag aussehen sollte. Doch ganz zur Ruhe setzen, ist ja auch nichts für mich, sagt die ehemalige LSB-Präsidentin. Also hat sie sich nach einem Gespräch mit Weber im vergangenen Herbst entschlossen, zu kandidieren, wobei sie betont, dass ihre Wahl kein Selbstgänger sei. „Die Vereine müssen schließlich erst einmal entscheiden, ob sie mich wollen.“

Immerhin, Ingelore Rosenkötter würde sich freuen, sich für den Verband zu engagieren, in dem der Ursprung aller Sportarten sich verbindet: Turnen und Gymnastik. Die meisten würden schließlich übers Mutter-Kind-Turnen an den Sport herangeführt, auch wenn sie dann vielfach die Sportart wechseln, sagt sie. Für die Vereine dasein, die Mitglieder und Vereinsfunktionäre in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen – das sieht Ingelore Rosenkötter als Hauptaufgabe an. Die Vereine bilden schließlich das Rückgrat des Verbandes, sagt sie weiter.

Als Bürgerschaftsabgeordnete kennt sie auch die politische Gegenseite, die sich immer wieder schwertut, den Sport in Bremen so zu fördern, wie er es womöglich verdient. Dabei geht es meist um mehr Geld, das aber bekanntlich knapp ist, und die Vereine sich hauptsächlich in einem Abwehrkampf gegen mögliche Kürzungen befinden. Das jährliche Budget zu halten, kann schon als Sieg betrachtet werden. Aber es gehe nicht allein um finanzielle Ausstattung des Sports, sagt Rosenkötter. Anerkennung vor allem im Ehrenamt sei eine wichtige Voraussetzung, um Zufriedenheit zu schaffen. Dabei gehe es auch um das öffentliche Wahrnehmen und Ernstnehmen der Ehrenamtlichen, ohne die der Sport überhaupt nicht auskommt. Nur so könne man auch junge Leute davon überzeugen, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Es wird deshalb eine sehr wichtige Aufgabe im Turnverband sein, junge Leute in die tägliche Vereinsarbeit einzubinden“, erklärt Ingelore Rosenkötter.

Sollte die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete tatsächlich Ende Juni die Nachfolge von Christian Weber antreten, wird sie sich auch mit Webers Herzens-Thema, dem Bundesstützpunkt der Rhythmischen Sportgymnastik, auseinandersetzen müssen. Auch hier geht es meist jedes Jahr darum, wie es um die Finanzierung bestellt ist. Weber hatte in der Vergangenheit seine eigenen Parteigenossen immer wieder eindringlich beschwören müssen, dieses Bremer Aushängeschild nicht abzuhängen. Auch Ingelore Rosenkötter, die den Leistungssport als eine von vielen Facetten des Sports betrachtet, weiß um die Bedeutung der Gymnastinnen, die am Bundesstützpunkt für nationale wie internationale Wettkämpfe ausgebildet werden. „Wir müssen auch weiterhin um den Stützpunkt kämpfen. Er ist unser einziges Leistungszentrum und eine tolle Werbung für Bremen“, erklärt Rosenkötter.

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Doch es geht dabei nicht allein darum, immer wieder Nachwuchsgymnastinnen hervorzubringen, sondern auch um den Zustand der Sporthallen. Wer beispielsweise die Außentreppe benutzt, um die Gymnastikhalle des Stützpunktes im Sportturm der Universität zu betreten, lebt gefährlich. Immer wieder bröckelt dort der Putz ab. Die Treppenstufen werden nur ab und an geflickt. Schon als Präsidentin des Landessportbundes hatte Rosenkötter unermüdlich auf die maroden Turn-und Sporthallen aufmerksam gemacht. Dieses Thema beschäftigt sie zurzeit als Vorsitzende der Sportdeputation, und weiterhin dann als Vorsitzende des Bremer Turnverbandes. Dabei gehe es nicht nur um die ganz großen Investitionen, sondern auch um kleinere Maßnahmen, erklärt sie. Ihre Lösung, die sie erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem Weser-Kurier erklärte: Finanz-, Sport- und Bildungsressort sollen sich an einen Tisch setzen, um kleine Teams zu bilden, „die sich schnell und unkompliziert um Schönheitsreparaturen kümmern können“.

Die Sport-Themen, die sie bislang ein Leben lang begleitet haben, würden für Ingelore Rosenkötter auch als Vorsitzende des Bremer Turnverbandes weitergehen. Die Herausforderungen nehmen nicht ab, aber solange es möglich ist, werde sie ihren Teil dazu beitragen. Es sei denn „eine 30-Jährige würde jetzt spontan kommen und erklären, dass sie den Vorsitz und die Verantwortung gerne übernehmen würde“. Mit einem solchen Generationswechsel könnte Ingelore Rosenkötter bestens leben. Aber womöglich muss sie erst einmal den Weg für die Jungen bereiten.

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