Lockerungen für den Sport Zurück zum Training: Zwischen Hoffen und Bangen

Bremer Verbands- und Vereinsvertreter freuen sich auf die Rückkehr ins Training, sehen aber auch die Gefahr steigender Inzidenzwerte. „Ein Kompromiss ist immer schmerzhaft“, sagt LSB-Präsident Andreas Vroom.
04.03.2021, 21:32
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Von Jörg Niemeyer und Mathias Sonnenberg

Andreas Vroom ist ein vielseitiger Sportler. Als Hochspringer ist Bremens ranghöchster Vertreter des organisierten Sports bislang nicht aufgefallen – auch nicht am Tag nach der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit der Bundeskanzlerin. Vrooms Reaktion auf die Beschlüsse vom Mittwoch ließ sich mit verhaltener Freude beschreiben, sie war gewiss aber nicht begleitet von Jubelsprüngen. „Ein Kompromiss ist immer schmerzhaft“, sagte der Präsident des Landessportbunds Bremen (LSB).

Der LSB-Chef freute sich über den Stufenplan, hätte sich die Aufteilung der einzelnen Schritte aber in einem Punkt anders gewünscht. Die Wiederaufnahme des Übungsbetriebs am 8. März in Gruppen unter freiem Himmel hätte er lieber unabhängig von einer Inzidenzzahl gesehen. Blumengeschäfte, Buchhandlungen und Gartenmärkte dürfen ab kommenden Montag Kunden in Abhängigkeit von der Größe des Geschäfts empfangen – so ein Modell hätte Vroom für die Sportvereine auch gefallen. Ein Sportplatz hat viel Fläche, und dass die Klubs Hygiene- und Abstandsregeln beherrschen, haben sie im Vorjahr zur Genüge bewiesen. „Ich habe auch immer die Langfristfolgen im Blick, die entstehen, wenn unsere Mitglieder keinen Sport machen dürfen“, sagte der 53-Jährige in Sorge um die Gesundheit der Menschen, „die Bevölkerung braucht dringend Bewegung.“

Kinder haben beim Sport Vorrang

Sofern die Inzidenzzahlen in den nächsten Tagen nicht in die Höhe schießen, wird ab kommender Woche wieder mehr Bewegung möglich sein. Dem Vernehmen nach wird der Bremer Senat an diesem Freitag die erste Stufe der Sportöffnung beschließen. Demnach können ab Montag Gruppen von bis zu 20 Kindern im Alter von maximal 14 Jahren mit bis zu zwei Trainern wieder aktiv werden. Das erfreut auch Christof Frankowski. „Wichtig ist, dass wir die Plätze wieder für die Kinder öffnen, das hat absolute Priorität", sagte der Fußball-Abteilungsleiter beim TuS Schwachhausen. Wie das laufen kann mit Umkleidekabinen und den Ein- und Ausgängen an den Plätzen, wisse man ja schon aus dem vergangenen Jahr. "Nun gibt es wieder eine Perspektive", schrieb Bremens Fußball-Verbandschef Björn Fecker zufrieden auf Facebook, "es ist absolut richtig, mit den Kids anzufangen, denn hier bestehen die größten Sorgen und Nöte."

Christof Frankowski äußerte auch eine klare Meinung zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs, der bei der MPK gar nicht auf der Tagesordnung stand, aber natürlich viele Vereine beschäftigt. "Ein Spielbetrieb führt zu nichts, damit würden wir uns keinen Gefallen tun", sagte er, weil er dann erneut Saisonunterbrechungen, Quarantäne und steigende Inzidenzwerte befürchtet. "Bitte nicht falsch verstehen: Ich will auch wieder Fußball spielen, aber dafür brauchen wir keinen Ligabetrieb.“ Wenn Klubs wie der Brinkumer SV oder der Bremer SV mit ihren Herrenteams in die Regionalliga aufsteigen wollen, sollten, so Frankowski, andere Lösungen gefunden werden als die Fortsetzung der Bremen-Liga-Saison.

Der Inzidenzwert könne Problem und Chance zugleich sein, sagte Andreas Vroom. Die Chance sieht der LSB-Präsident darin, dass die Eigenverantwortung der Sportler steigt. Denn sie können mit Corona-gerechtem Verhalten dazu beitragen, den Wert in Grenzen zu halten. Das Problem: Steigt der Wert, kann der Trainingsbetrieb rasch wieder verboten werden. Björn Fecker forderte daher in der Sprache der Fußballer: „Regeln einhalten! Reißen wir die 100, müssen alle wieder zurück auf die Ersatzbank.“

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Aus dem Bremer Gesundheitsressort war am Donnerstag zu hören, dass der Stufenplan des Sportressorts für die Lockerungen mit dem Beschluss der MPK harmonisiert werde. Es sei davon auszugehen, dass er den Beschlüssen des Bundes sehr ähneln wird, dass also die verkündeten Inzidenzwerte für Lockerungen auch für Bremen gelten. Noch nicht klar ist, ob die Werte getrennt für Bremen und Bremerhaven gelten oder generell für das Land. Das soll ebenfalls an diesem Freitag beschlossen werden. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sei, so hieß es, fest entschlossen, dem Sport weiter Rückenwind zu verleihen, gerade für die Kinder.

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Forderung nach kostenlosen Schnelltests und schneller Information

Auf Bremens Sportler kommt in den nächsten Wochen einiges zu. Im Übungsbetrieb werden sie sich wieder an die Hygiene- und Abstandsregeln gewöhnen müssen. Sie müssen sich aber auch darauf einstellen, den Inzidenzwert genau im Blick zu haben. Schnellt der in die Höhe, droht die sofortige Rückkehr in den Lockdown. „Es muss im Internet eine Stelle geben, wo der aktuelle Wert zu sehen ist“, sagt LSB-Präsident Andreas Vroom. Vereine und Aktive werden sich ständig informieren müssen, ob sie noch trainieren dürfen oder nicht.

Als weitere logistische Herausforderung könnte sich der Corona-Schnelltest erweisen. Denn der Stufenplan der Wiederaufnahme des Sportbetriebs sieht auch den Fall vor, dass Sportler einen tagesgültigen Schnelltest vorweisen müssen, wenn sie trainieren möchten. „Das setzt voraus, dass überhaupt genügend Tests zur Verfügung stehen“, sagt Andreas Vroom. Und fordert: „Sie müssen kostenlos sein.“ Am Donnerstag sprachen Berliner Politiker davon, dass ein Schnelltest pro Woche kostenlos sein solle. Das aber würde bedeuten: Wer einen Test benötigt, um ins Theater zu gelangen, müsste sich einen zweiten Test kaufen, wenn er in der gleichen Woche noch zum Training in seinem Sportverein gehen möchte.

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