Basketball SC Rasta träumt von der Bundesliga

Vechta. Vor drei Jahren spielten die Basketballer des SC Rasta Vechta noch in der Regionalliga. Heute sind sie Tabellenführer in der zweiten Liga, träumen vom Aufstieg und Alba Berlin, Bayern München und Bamberg als künftige Gegner.
13.02.2013, 05:00
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SC Rasta träumt von der Bundesliga
Von Marc Hagedorn

Vechta. Pat Elzie hat in seinem Leben eine Menge mitgemacht. Er ist in Missouri mit 13 Geschwistern aufgewachsen und ging in Massachusetts zum College. Bevor er sich entschied, Basketballprofi zu werden, arbeitete er für ein paar Wochen als Börsenmakler an der Wall Street.

Mit 24 ging er nach Europa. Zehn Jahre lang stand er als Spieler in der Bundesliga unter Vertrag. Danach hat er die Erstligisten in Karlsruhe, Hamburg und Tübingen trainiert, war Nationaltrainer von Syrien und hat auf Zypern gearbeitet. Doch das, was seit einiger Zeit in Vechta passiert, ist auch für ihn unglaublich. "Das ist wunderbar, Wahnsinn", sagt der 52-Jährige, "das ist eine schöne Reise." Die Reise hat seinen Klub, den SC Rasta Vechta, in weniger als drei Jahren von der viertklassigen Regionalliga bis an die Tabellenspitze der zweiten Liga geführt.

Wenn das so weitergeht, dann spielt Rasta Vechta ab dem Sommer in der BBL, der Basketball-Bundesliga, mit Klubs wie Alba Berlin, dem FC Bayern München, Bamberg, Oldenburg und Bremerhaven. Nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre hält Mäzen und Präsident Stefan Niemeyer dieses Szenario nicht für ausgeschlossen. "Vor drei Jahren habe ich gesagt: eine neue Halle und die zweite Liga – das geht nicht. Heute weiß ich es besser." Und so träumt man tief im südoldenburgischen Land den großen Traum vom Bundesliga-Basketball.

Es gibt schlechtere Orte als Vechta, um Träume zu verwirklichen. Der Landkreis und die Stadt Vechta zählen zu den reichsten Kommunen in Deutschland. Anderswo mag über die Schließung von Theatern, Museen, Sporthallen und Schulen diskutiert werden. Die etwas über 32.000 Einwohner Vechtas haben die Wahl zwischen vier Gymnasien, einem Theater, Kino, Museum, Hallenwellen- und Freibad. Niedrige Steuersätze und preiswerte Industrie- und Gewerbeflächen haben dafür gesorgt, dass das "Handelsblatt" und die Prognos AG in einer Untersuchung dem Standort Vechta vor einiger Zeit eine "beispielhafte Entwicklung" attestiert haben.

Was das mit Basketball zu tun hat? Eine ganze Menge. Weil man es sich leisten kann. Und weil mit dem Unternehmer Stefan Niemeyer eine geschätzte Persönlichkeit an der Spitze des örtlichen Aushängeschildes SC Rasta steht, entstand der Rasta Dome in Windeseile. Bei den Bundesligisten in Ulm oder Bonn dauerte die Umsetzung ähnlicher Bauprojekte Jahre.

VIP-Plätze und Rasta-Lounge

2000 Menschen finden in der hochmodernen Arena heute Platz. Trainer Elzie hat im zweiten Stock sein Büro ebenso wie der Manager. Unter dem Konferenzraum gibt es die VIP-Plätze und die Rasta-Lounge, ganz unten eine endlos lange Theke, an der die Fans vor und nach dem Spiel ihre Biere trinken. "Wir haben die beste Halle der Liga", sagt Elzie. Als Rasta neulich den Erstliga-Absteiger und ersten Verfolger Göttingen im Rasta Dome hoch mit 100:68 schlug, feierten die Fans bis in den frühen Morgen. "Irgendwann musste der Wirt die Leute rausschmeißen", sagt Elzie. Eintrittskarten für Heimspiele gibt es bis zum Sommer nicht mehr, alle Spiele sind ausverkauft. Nur wenn der Gegner nicht genügend Fans mobilisiert, kommen 100 oder 200 Tickets kurzfristig in den freien Verkauf.

Die Sportfans in Vechta befinden sich im Ausnahmezustand. Sehr viel Leistungssport gibt es hier nicht. Die Volleyballerinnen des VfL Oythe spielen in der zweiten Liga, die Fußballerinnen in der Regionalliga, die Fußballer in der Landesliga. Wer Profisport sehen will, der muss schon zu Werder, nach Osnabrück oder zu den Artland Dragons nach Quakenbrück fahren. Es wirkt wie ein Lausbubenstreich, dass nun ausgerechnet eine Basketballmannschaft aus der niedersächsischen Provinz nach oben stürmt. Die Marketingstrategen der BBL bemühen sich gerade intensiv darum, der erstligafreien Metropole Hamburg einen Basketballklub einzupflanzen. Berlin, München, Frankfurt, Hamburg – so planen die Ligamanager.

"Das ist eine sehr gute Mischung"

Stattdessen Vechta. Mitten im Nichts, umgeben von Moor, Wäldern und Feldern, ist eine bunt gemischte Truppe dabei, Erstliga-Basketball auf rein sportlichem Wege zu erreichen. Rasta erzielt im Schnitt über 90 Punkte pro Spiel, das ist Bestwert. Nach drei Niederlagen zum Saisonstart gewann die Mannschaft seitdem 16 von 18 Spielen. Sechs Profis, darunter vier Amerikaner und ein Kanadier, sowie sechs Teilzeit-Basketballer hat Elzie in seinem Kader. "Das ist eine sehr gute Mischung", sagt Elzie.

Die US-Profis bilden das Gerüst, allen voran Spielmacher Richard Williams, die Scharfschützen Hassan Corey und Andrew Rudowitz sowie Robert Ferguson und Center Jacob Doerksen. Unter den deutschen Spielern ragt Dirk Mädrich heraus. Der Ex-Center der deutschen Nationalmannschaft hat in Gießen, Bamberg, Frankreich und Griechenland sein Geld verdient. Seine Teamkollegen Daniel Krause und Flavio Stückemann kennt er aus Quakenbrücker Zeiten. Zwei Bremer gehören ebenfalls zum Team: Flügelspieler Benjamin Fumey hat das Basketballspielen in Lesum und der Neustadt gelernt, er war Profi bei den Bremen Roosters. Shooting Guard Paul Heitzhausen spielte beim Vegesacker TV sowie bei der ehemaligen SG Oslebshausen.

Spieler nach Vechta zu locken, fällt Elzie und Niemeyer nicht allzu schwer. Der Klub zahlt pünktlich, und der Präsident bietet Freundinnen und Familienangehörigen der Spieler in seinem Unternehmen "Miavit" Arbeitsplätze an. Aufbauspieler Stückemann absolviert einen Teil seiner dualen Ausbildung bei Niemeyer. Und wer, wie manch ein Jungprofi, gern mal rausgeht und Partys feiert, wird ebenfalls gut bedient. Knapp 4000 Studenten sorgen in der Kleinstadt für ein verhältnismäßig buntes Nachtleben. Die erste Liga wäre die Krönung. Elzie sagt: "Wir sind Sportler. Und Sportler wollen immer die höchsten Ziele erreichen."

Warum Rasta Rasta heißt

Ende der 70er-Jahre gründete der damalige Sportlehrer und heutige Universitätsdozent Waldemar Rudzinski am Vechtaer Gymnasium Antonianum eine Basketball-AG. Die Schüler feierten früh Erfolge, unter anderem bei "Jugend trainiert für Olympia".

Parallel dazu entwickelte sich am Gulfhaus, einem Jugendzentrum, eine engagierte Szene. Zum Publikum gehörten auch die basketballbegeisterten Schüler des Antonianums, die in "Arnie‘s Schänke", einem Kellerraum, einen zweiten Treffpunkt hatten. Weil dort zu jener Zeit vor allem Bob Marleys Hit "Rastaman Vibration" ein viel gespielter Song war, entschieden sich die Gründer für den Vereinsnamen SC Rasta Vechta, der am 26. Juni 1979 in das Vereinsregister des Vechtaer Amtsgerichts eingetragen wurde.

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