Schach-Talent Nikolas Wachinger Nur noch ein kleiner Schritt bis zum Internationalen Meister

Nikolas Wachinger hätte gedacht, dass es schneller geht. Er sagt, dass er wohl ein bisschen überheblich gewesen sei. Jetzt endlich steht der 18-jährige Werderaner trotzdem vor seinem nächsten Karriereschritt.
31.01.2022, 14:00
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Nur noch ein kleiner Schritt bis zum Internationalen Meister
Von Jörg Niemeyer

Bei allem Talent für das Schachspiel: Mit seinen 18 Jahren kann Nikolas Wachinger in seiner Sportart noch nicht zu den Routiniers gezählt werden. Doch eine Lektion hat der Bundesliga-Spieler des SV Werder offensichtlich schon in frühen Jahren gelernt: Gut Ding will Weile haben. "Ich war ein bisschen zu überheblich", sagt er auf die Frage, warum er den Titel des FIDE-Meisters nicht trägt, obwohl er inzwischen kurz vor dem Erreichen des nächsthöheren Titels Internationaler Meister (IM) steht.

Der FIDE-Meister – FIDE steht für Fédération Internationale des Échecs und ist damit die Abkürzung für den Weltschachverband – ist der niedrigste internationale Titel, dann kommt der IM und schließlich der höchste, der GM für den Großmeister. GM, daraus macht der letztjährige Abiturient am Bremer Kippenberg-Gymnasium keinen Hehl, ist das große Ziel seiner Karriere. Dafür trainiert er, auch dafür hat er nach dem Schulabschluss im vergangenen Sommer erst einmal ein Schachjahr eingelegt, um sich voll auf seine Leidenschaft zu fokussieren und noch keine Ausbildung zu beginnen. Er habe Ideen für seine berufliche Zukunft, bislang jedoch nur eine Entscheidung getroffen: "Schach-Profi will ich nicht werden", betont er. Dafür müsse man sehr stark sein, ein sicheres Einkommen sei aus seiner derzeitigen Sicht nicht möglich. Und die Tätigkeit eines Trainers schließt er zumindest momentan für sich aus.

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Vor dem GM steht für Nikolas Wachinger zunächst einmal der IM. Für diesen Titel hat er Mitte Januar seine dritte Norm erfüllen können – also die dritte notwendige Voraussetzung. Nun fehlt ihm nur noch eine Elozahl von mindestens 2400. Diese Wertungszahl, benannt nach dem US-amerikanischen Physiker und Statistiker Arpad Elo, gibt die Stärke eines Spielers wieder – grob vergleichbar mit den Zahlen in der Weltrangliste im Tennis oder Tischtennis. Nach einem bestimmten, recht komplizierten Wertungssystem bekommt Nikolas Wachinger für Siege in offiziellen Partien Plus- und für Niederlagen Minuspunkte für seine Elozahl.

Mit dem dritten Platz beim stark besetzten Turnier im tschechischen Marienbad, bei dem sieben der neun Gegner des Bremers zum Teil eine wesentlich höhere Elozahl aufwiesen als er, verbesserte sich Nikolas Wachinger von zuvor 2360 auf 2396 Elopunkte. Es fehlen ihm also noch vier. Die wären bereits mit einem Sieg über einen Oberliga-Spieler einzufahren, erklärt Werder-Trainer Jonathan Carlstedt die neue Ausgangslage seines Schützlings. Mitte Februar plant der 18-Jährige seinen nächsten Einsatz beim Nordwest-Cup in Bad Zwischenahn – dann hofft er, die 2400er-Grenze zu knacken.

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Sollte Wachinger allerdings seine erste Turnierpartie oder gar weitere gleich danach verlieren, würde er zunächst Punkte einbüßen. Dann würde der Weg bis zur 2400 zwar wieder weiter werden, aber sicher nicht die lange Zeit beanspruchen, die zwischen dem Erreichen der 2300er-Marke für den FIDE-Titel im Jahr 2018 und dem jetzigen Turnier in Marienbad lag.

"Ich bin damals in meiner Entwicklung ein bisschen stehen geblieben", sagt der junge Werderaner, der aus diesem Stillstand jedoch offensichtlich seine Lehren gezogen hat. Den FIDE-Titel hätte Nikolas Wachinger 2018 einfach nur beantragen müssen. Den IM-Titel dagegen musste und muss er sich jetzt hart erarbeiten. Carlstedt und Wachinger sind davon überzeugt, dass er das bald schaffen wird. In Marienbad überzeugte der junge Mann mit 5,0 Punkten aus neun Partien nicht nur seinen Trainer. "Das war ein starkes Turnier von mir, ich bin sehr zufrieden", sagt Wachinger. Hätte er dort nur eine Partie mehr gewonnen, wäre der IM-Titel bereits perfekt gewesen.

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