Handball

Schlechtester Saisonstart

Werders junges Handball-Team kassiert die nächste Niederlage und steckt im Zweitliga-Keller fest.
27.10.2019, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik
Schlechtester Saisonstart

Werders U 17-Nationalspielerin Naomi Conze (Mitte) versucht einmal mehr, die Abwehr der Gäste aus Herrenberg zu überwinden. Es ist nicht so, dass Werders Handballerinnen nicht kämpfen. Im Gegenteil, sie geben alles, doch fehlt dem jungen Team noch ein bisschen die Erfahrung, um in Ruhe und auch souverän Spiele in der zweiten Bundesliga erfolgreich zu Ende zu bringen.

Oliver Baumgart/hansepixx

Bremen. „Glänzende Ergebnisse“ verspricht die Werbetafel einer Reinigungsfirma in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle – direkt neben dem Vereinsemblem des SV Werder Bremen platziert. Das Problem: Die Werbebotschaft und der Saisonstart der grün-weißen Handball-Frauen in die neue Zweitliga-Saison passen zurzeit partout nicht zusammen. Glänzende Ergebnisse bei den Werder-Damen? Fehlanzeige. Vielmehr sind nach der jüngsten 29:31 (16:14)-Heimniederlage gegen die SG H2Ku Herrenberg die Bremerinnen mit 2:12 Punkten auf dem vorletzten Platz glatt in den Startlöchern stecken geblieben. Es ist der schlechteste Saisonstart der Grün-Weißen in ihrer mittlerweile fünfjährigen Zweitliga-­Zugehörigkeit.

In Werders Führungsetage behält Handball-Chef Martin Lange trotzdem der momentanen Situation die Ruhe. „Natürlich verläuft unser Saisonauftakt anders als wir es uns gewünscht hatten“, gibt er zu, „aber es kann ja nicht immer alles sofort funktionieren.“ Lange verweist auf den großen Umbruch, den sein Vorzeigeteam in dieser Saison bewältigen musste. Schließlich wurden die neun Abgänge, darunter gestandene Spielerinnen wie Merle Heidergott, Alina Otto, Jennifer Mehrtens (ehemals Börsen) und Lena Janssens (Karriereschluss), fast durchweg durch junge Zugänge ersetzt. Dadurch gehört das Team mit einem aktuellen Durchschnittsalter von knapp über 22 Jahren ganz klar in die Rubrik „Jugend forscht“. Für Martin Lange stellt das kein Problem dar, schließlich sei das ja genau Werders Philosophie. „Wir gehen bewusst den Weg über junge Talente, deshalb setzen wir doch auch auf unsere starke Jugendarbeit“, erklärt er.

Dadurch erhalten die U 17-Nationalspielerinnen wie Naomi Conze oder auch Nina Engel, von denen Letztere sogar noch in der B-Jugend spielen könnte, in dieser Saison reichlich Vertrauensvorschuss. Mit Jordis Mehrtens und Sarah Seidel zählen zwei weitere Spielerinnen noch zum A-Jugendalter. Auch für Werders Trainer Dominic Buttig sind nur fünf Feldspielerinnen im Kader mit Zweitligaerfahrung (Heinrich/Thomas/Neßlage/Mehrtens/Sposato) kein Problem. Wenn sich dann aber noch Routiniers wie aktuell Rabea Neßlage verletzen und Maren Gajewski gegen Herrenberg die Rote Karte sieht, sodass neben Sarah Seidel auf Linksaußen auch noch Nina Engel die finale Viertelstunde auf der rechten Flanke durchspielen muss, „dann ist das natürlich ein heißer Ritt“, gibt der Trainer zu. Apropos Buttig: Für den Chefcoach der Werderanerinnen bedeutet die zweite Liga ja ebenfalls Neuland, nachdem er im Laufe der vergangenen Saison vom Co-Trainer zum Chef an der Seitenlinie befördert wurde.

Hätte sich der Tabellendreizehnte der vergangenen Serie also vor der Saison nicht vielleicht doch mehr routinierte Feldspielerinnen ins Boot holen sollen? „Darüber mache ich mir jetzt gar keine Gedanken“, sagt Martin Lange und verweist erneut auf den eingeschlagenen Talentweg der Grün-Weißen. „Man muss den Teufel jetzt ohnehin nicht an die Wand malen“, springt ihm Werders Spielmacherin Rabea Neßlage zur Seite, die sich direkt vor dem Saisonstart im Pokal das Knie verdreht hat. „Die Mannschaften stehen unten ja dicht beisammen.“

Rabea Neßlage würde dem Werder-Spiel gut tun. Mit ihrer Routine könnte sie auch einmal für die nötige Ruhe auf dem Feld sorgen. Zurzeit verhindert aber eine hartnäckige Kapselverletzung im Knie ihr Comeback. „Ich brenne darauf, zu helfen, muss aber erst einmal schmerzfrei sein“, sagt sie. Bei Linksaußen Laura Sposato soll nach einer Verletzung bald ein Kniebelastungstest anstehen. „Die beiden würden mir mit ihrer Erfahrung mehr Optionen geben und dem Kader eine größere Breite verleihen“, sagt Dominic Buttig.

Ein Risiko will Werders Handballtrainer aber nicht eingehen, auch wenn er in den nächsten beiden Spielen auf die direkten Tabellennachbarn aus Kirchhof und Solingen-­Gräfrath trifft. „Dazu ist mir die Saison einfach zu lang. In meiner Mannschaft steckt ein Riesenpotenzial, das wir ausschöpfen müssen“, so Buttig.

SV Werder Bremen: Andresen, Anschütz; Conze (5/2), Engel, Thomas (1), Mehrtens (2), Heinrich (6), Seidel (4), Engelke (5), Gajewski (1), Güter (2), Döpke (1), Defayay (2).

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