Gespräch mit Eric Mohs und Marcel Barth Schneller, weil es die Polizei erlaubt

Bremen. Eric Mohs und Marcel Barth machen neben ihrer Radsportkarriere eine Ausbildung bei der Polizei. Nur weil diese das Fahrerduo fördert, können sie beim Sechs-Tage-Rennen gemeinsam antreten.
17.01.2011, 17:23
Lesedauer: 3 Min
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Schneller, weil es die Polizei erlaubt
Von Olaf Dorow

Bremen. Eric Mohs und Marcel Barth machen neben ihrer Radsportkarriere eine Ausbildung bei der Polizei. Nur weil diese das Fahrerduo fördert, können sie beim Sechs-Tage-Rennen gemeinsam antreten.

Über die Bedeutung der Polizei für den Sechstagesport ist bislang zu wenig nachgedacht worden. Dabei gibt es zum Beispiel in Sachsen und auch in Thüringen Polizeischulen, die sehr sehr wichtig sind bei der Frage, ob dieser anspruchsvolle Sport in Deutschland eine Zukunft besitzt. Die Zukunft dieses Sports heißt – nicht allein, aber in beträchtlichem Umfang: Erik Mohs und Marcel Barth. Das hat Ex-Olympiasieger Robert Bartko neulich so gesagt. „Das ist eine Ehre für uns“, sagt Barth, „aber irgendwo haben wir uns das ja auch verdient.“

Barth ist an der Polizeischule Gera, Mohs in Leipzig. Kein Ordnungshüter kann schneller radeln, womöglich auf der ganzen Welt nicht. Sie sind jung, 24. Sind eine deutsche Hoffnung für Olympia 2012 und eine Hoffnung, dass dem Sechstagesport in Deutschland nicht die Talente ausgehen. Die Polizeischulen schaffen die Grundlage, dass sie daran arbeiten – und nebenbei etwas Ordentliches lernen können.

Fördermodell verpflichtet

Marcel Barth ist dankbar. Nicht „jeder Fridolin“ könne ja nun so einfach daherkommen und solch ein schönes Fördermodell in Anspruch nehmen. Das verpflichtet, und wo auch immer er auf dem Planeten herumradelt, schießt Marcel Barth Fotos für seine Lehrer an der Polizeischule. Fotos mit Polizisten. Neulich sind Fotos mit Polizisten aus Tasmanien dazugekommen. Barth startete dort an der Seite von Leif Lampater bei den „Christmas Carnivals“, der australischen Sixdays-Variante. Er knipst die Polizisten nicht nur, er redet auch mit ihnen. Er sorgt sozusagen dafür, dass die deutsche Polizei, die ja möglichst alles wissen sollte, selbst darüber Bescheid weiß. wie die tasmanische Polizei vorgeht, wenn ein Tasmanier mal die Gesetzte nicht beachtet.

Man muss dazu wissen, dass Marcel Barth gerne und viel redet, was ihn doch sehr von seinem Radpartner Erik Mohs unterscheidet. Mohs sei ein Ruhiger, Barth ein positiv Durchgeknallter, sagt Bartko. Man braucht im Interview mit den beiden eine halbe Minute, um es wie Bartko zu sehen.

Sie sind noch sehr jung – und kennen sich schon lange. Sie fahren seit der Grundschule zusammen Rad. Sie sind so sehr verschieden, wie sie dicke Freunde sind. „Er hatte damals so schöne blaue Augen“, sagt der Durchgeknallte. „Man muss sich aufeinander verlassen können“, sagt der Ruhige. Der Ruhige sei in Wirklichkeit gar nicht immer nur ruhig, sagt der Durchgeknallte, der sich selbst Baller-Barth nennt. „Über seine Art, da könnte ich mich weghauen“, sagt Mohs. Das Duo aus Sachsen/Thüringen ist im Fahrerlager das, was man auch im Trainerstab von Werder Bremen verwundert beobachten kann.

Dort verbindet Cheftrainer Thomas Schaaf und Co-Trainer Matthias Hönerbach eine lange Freundschaft. Eine Freundschaft zwischen einem trockenen Norddeutschen und einer Kölschen Frohnatur. Man könnte glatt behaupten, dass sich Gegensätze anziehen. Mohs und Barth können sich sogar sehr gut vorstellen, später mal gemeinsam auf Streife zu gehen.

Drei Runden hinter Bartko und Bengsch

Vorher haben sie aber noch eine Menge vor. Sie wollen auch ihren Lehrern keinen Anlass geben, die besondere Sportförderung an den Polizeischulen für übertrieben oder gar unnütz zu halten. „Wenn wir hier auf Platz zwölf ’rumkrauchen würden wie die Orgelpfeifen, dann müssten wir uns schon Gedanken machen“, sagt Barth. Krauchen sie aber nicht herum. Nach vier Tagen liegen sie auf Rang fünf. Sie haben bislang drei Runden verloren auf die Favoriten Robert Bartko und Robert Bengsch.

Ihr Markenzeichen sind die schnellen Runden. Mohs hält den Rundenrekord in Bremen. Er bringt es auf der engen und steilen Bahn auf mehr als 70 km/h. „Talent“, sagt er, „das ist mir einfach in die Wiege gelegt worden“. Dabei ist es nicht so, dass er jedes neue Rundenrekordfahren herbeisehnt, weil er ja weiß, welches Tempo er erreichen kann. „Das ist so ’ne Art Hassliebe“, sagt er. Der Ehrgeiz, wieder mehr als 70 Sachen schaffen zu wollen, lässt ihn die Disziplin, die er am besten kann, hassen. Und dann muss auch sein Freund perfekt anfahren für ihn. „Vorgestern war Scheiße“, sagt Barth. Er war zu langsam angefahren. Man darf auch nicht zu schnell anfahren, aber wenn es zu langsam wird, „dann kann man nichts machen“.

Aber meistens klappt es. Sie können sich auch immer besser aufeinander einstellen, je häufiger man sie zusammen fahren lässt. Sie müssten häufiger Sechstagerennen fahren, um noch weiter nach vorn zu kommen, sagt Patrick Sercu. Sie lernen voneinander. Manchmal macht einer auch Sachen nach, die der andere macht. Wichtige Sachen. Vor zwei Jahren hatte Mohs beim Dortmunder Sechstagerennen ein Mädchen kennengelernt, eine angehende Polizistin übrigens. Jetzt sind sie verheiratet. Barth hat letztes Jahr in Bremen ein Mädchen gesehen und sich auf den ersten Blick in die Sängerin der Gruppe Skydogs verliebt. Inzwischen haben sie sich verlobt. Heirat: nicht ausgeschlossen.

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