Bremerhaven braucht schnelle Lösungen Sebastian Machowski: Der neue Eisbären-Trainer

Seit Montag ist Sebastian Machowski neuer Trainer der Eisbären Bremerhaven - und ist im Abstiegskampf sofort gefordert. Am Freitag geht es gegen Braunschweig. Zeigen die Eisbären dann ein anderes Gesicht?
04.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Nico Schnurr

Seit Montag ist Sebastian Machowski neuer Trainer der Eisbären Bremerhaven - und ist im Abstiegskampf sofort gefordert. Am Freitag geht es gegen Braunschweig. Zeigen die Eisbären dann ein anderes Gesicht?

Eigentlich, sagt Sebastian Machowski, sollte er jetzt in Miami sein. Vielleicht säße er in der heißen Mittagssonne am berühmten South Beach. Vielleicht aber auch auf der Tribüne der Miami Heats. Eigentlich wollte Machowski einige Tage beim NBA-Klub hospitieren und das mit einem Kurzurlaub in Floridas Metropole verbinden. Eigentlich.

Seit Montag gibt es dieses „eigentlich“ in Machowskis Plänen. Seit sich Jan Rathjen, Geschäftsführer der Eisbären Bremerhaven, bei ihm meldete. „Der Anruf kam komplett unverhofft und hat mich überrascht – natürlich in einem sehr positivem Sinne“, sagt Machowski. Er zog Bremerhaven Miami vor und tauschte kurzerhand Sunshine-State am Atlantik gegen trübe, wolkenverhangene Nordseeküste, NBA-Team gegen abstiegsbedrohten Basketball-Bundesligisten, Hospitanten-Status gegen Cheftrainer-Posten. „Ich bin bereit dazu“, sagt der 44-Jährige, „ich habe genug hospitiert, genug Spiele gesehen – ich bin froh, endlich wieder eine Mannschaft trainieren zu können.“

Ziemlich genau ein Jahr liegt seine Entlassung bei den Baskets Oldenburg, seiner bisher letzten Station als Trainer, inzwischen zurück. „Ich hatte damals gar nicht das Gefühl, unbedingt eine Pause zu brauchen“, sagt Machowski. Weil aber das richtige Angebot ausblieb, beobachtete er die Liga, wartete ab. „Mittlerweile hatte ich schon längst mit der Jobsuche für diese Saison abgeschlossen“, sagt er. „Ich dachte, auf den Trainerposten der Liga würde sich nichts mehr verändern.“ Rathjens Anruf zeigte ihm, wie falsch er damit lag.

Machowski ist die "allerletzte Chance" für die Eisbären

Nach drei desolaten Auftritten in Folge sah sich der Eisbären-Geschäftsführer gezwungen, einen letzten Impuls im Abstiegskampf zu setzen. In Sebastian Machowski sah er seine „allerletzte Chance, um in der Mannschaft noch etwas zu bewirken“. Schon im November, nach der Entlassung von Muli Katzurin, standen Rathjen und Machowski in Gesprächen. Bei der knappen Niederlage gegen Bayern München war Machowski damals in der Bremerhavener Stadthalle. „Ich habe da eine Mannschaft gesehen, die viel Potenzial hat, das aber nicht voll abrufen kann“, sagt er. „Von außen betrachtet, fehlte mir bei den Eisbären in dieser Saison oft die Struktur im Zusammenspiel.“

Das soll Machowski als Nachfolger von Chris Harris, der Co-Trainer bleibt, nun ändern. „Das ist etwas völlig Neues für mich“, sagt er. Bislang galt der ehemalige Nationalspieler als junger, ambitionierter Konzepttrainer. Als einer, der bei seinen Stationen in Oldenburg und Braunschweig immer die langfristigen Ziele im Blick hatte. In Interviews sprach er von „Projekten“, wenn er über seine Klubs referierte. Seinen Wechsel zu den Baskets begründete er 2012 mit den „Visionen des Vereins“.

Abstiegskampf als neue Erfahrung

In Braunschweig hatte er zuvor den inzwischen zum NBA-Star gereiften Dennis Schröder geformt und aus einem durchschnittlichen Team einen ernst zu nehmenden Play-off-Kandidaten gemacht. In Oldenburg führte er die Baskets zurück in die Spitzengruppe, und sich in die erste Reihe der deutschen Basketball-Trainer. Abstiegskampf fand in seiner makellosen Trainer-Vita keinen Platz.

Genau dafür, und erst einmal nur dafür, wurde Machowski nun aber von den Eisbären bis zum Saisonende verpflichtet: Für den „knallharten Abstiegskampf“, wie er es selbst formuliert. Nicht mal zwei Monate bleiben ihm, um die Eisbären vor der ProA zu bewahren. „Es geht hier jetzt nicht um Visionen, es geht um den Moment“, sagt er. Machowski war Erfolgsarchitekt, Planer und Stratege. In Bremerhaven ist er plötzlich als Retter mit schnellen Lösungen gefordert. „Das ist genau die Herausforderung, die mich so reizt“, sagt er. „Es ist spannend, mal nicht den Luxus einer Saisonvorbereitung und Kennenlernphase zu haben.“

In seiner neuen, ungewohnten Rolle trifft Machowski in Bremerhaven aber nicht nur auf Unbekannte: Jannik Freese und Philip Zwiener spielten unter ihm bereits in Oldenburg. „Es ist wichtig, dass ich zumindest bei den beiden schon mal weiß, was sie können, was sie brauchen und was sie motiviert“, sagt er. Machowski sei ein eher besonnener Trainertyp, sagt Freese. Er strahle durch seine „enorme Erfahrung und Ruhe“ eine „ganz natürliche Autorität“ aus. „Er wird dem Team guttun“, sagt Freese.

Einstand gegen den Ex-Klub

Machowski will dafür vor seinem Eisbären-Debüt am Freitag bei Ex-Klub Braunschweig die Rollen im Team neu verteilen. Er will das Zusammenspiel umstrukturieren und dem Team die Angst vorm Scheitern nehmen. „Wir werden hoffentlich schon in Braunschweig ein anderes Gesicht zeigen, vielleicht sogar bereits mit einer anderen Identität spielen“, sagt er. Nach der kampflosen Selbstaufgabe der vergangenen Wochen wird der Tabellenvorletzte dieses neue Gesicht brauchen. Machowski weiß das, und er weiß auch, dass eine ganze Menge auf dem Spiel steht für die Eisbären und Bremerhaven. „Der Standort Bremerhaven gehört in die Basketball-Bundesliga, und wir werden alles dafür tun, dass das auch so bleibt.“

Als wäre es abgesprochen, schallt, während Machowski das sagt, der Song „Underground Kings“ des kanadischen Rappers Drake aus der Umkleide seiner neuen Mannschaft. „Do it for the city, because the city love it“ heißt es da – mache es für die Stadt, weil die Stadt es liebt. Die Stimmen einiger Spieler, die diese Zeilen mitrappen, laut und fast schon inbrünstig, dringen in die Halle. Unter Sebastian Machowski müssen Bremerhavens Basketballer jetzt beweisen, wie wörtlich sie Drakes Song tatsächlich nehmen. Es ist ihre letzte Chance.

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