Deutsche Segel-Bundesliga Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen verkündet ihren Rückzug

Weil in der Bundesliga immer weniger junge Segler zum Einsatz kommen, sieht die SKWB ihr Ziele als Ausbildungsverein gefährdet. So tritt in der Saison 2020 aus Bremen nur der WV Hemelingen in der DSBL an.
10.03.2020, 19:10
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Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen verkündet ihren Rückzug
Von Jörg Niemeyer

Sie haben sich 2014 kennengelernt, sich lange gemocht, sich allmählich auseinandergelebt und sich jetzt getrennt: Die Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen (SKWB) und die Deutsche Segel-Bundesliga (DSBL) gehen künftig eigene Wege. Nach dem Rückzug der SKWB wird der amtierende deutsche Vizemeister, der Wassersportverein Hemelingen (WVH), am zweiten Mai-Wochenende in Prien am Chiemsee als einziger Bremer Klub in die neue DSBL-Saison starten.

Erst am letzten Spieltag der vergangenen Saison, im Oktober 2019, hatte die SKWB in Glücksburg unter großem Jubel und nach einem spannenden Finale den Klassenerhalt perfekt gemacht. Sie verhinderte damit im letzten Moment den sportlichen Abstieg in die 2. Liga. Und stellte sich in den Monaten danach die Frage, ob das relativ junge Format der DSBL – sie wurde 2013 ins Leben gerufen – und die eigentlichen Ziele der SKWB noch zusammenpassen. Anfang Februar habe der Verein dann seine Entscheidung getroffen, sagt der SKWB-Vorstand für Jugend und Ausbildung, Bodo Mall.

Die gestiegenen Kosten für die Bundesliga-Teilnahme seien für die SKWB dabei nur ein untergeordnetes Argument gewesen. „Wir haben das Bundesliga-Segeln gern gemacht, aber unser Kerngeschäft ist das Offshore-Segeln“, sagt Mall. Doch mit dem Hochseesegeln hat die DSBL nichts zu tun – erst recht nicht in der Saison 2020, für die die Ostsee-Regatten in Glücksburg, Kiel und Travemünde aus dem Bundesliga-Programm genommen worden sind. „Wegen Terminkomplikationen“, wie DSBL-Sprecher Thomas Bässgen sagt.

Die SKWB verpflichtet sich in ihrer Satzung, junge Segler ans Hochseesegeln heranzuführen. Das kann durchaus mit Hilfe der Bundesliga geschehen. Auch deshalb entschied sich die Segelkameradschaft vor sechs Jahren, ihren Vereinsmitgliedern die Gelegenheit zu geben, in der gerade gegründeten DSBL mitzusegeln. „Die Bundesliga hat unseren Verein zu Anfang belebt“, sagt Bodo Mall, „und sie ist grundsätzlich auch eine gute Sache.“ Aber im Laufe der Jahre hätten sich etliche Vereine von der Idee, ganz junge oder ältere unerfahrene Segler in der Bundesliga starten zu lassen, verabschiedet.

„Das Niveau der ersten Liga ist inzwischen sehr hoch“, sagt Bodo Mall. Während sein Verein die jeweilige Spieltags-Mannschaft stets aus einem großen Kader zusammengestellt habe, hätten sich andere Klubs zunehmend auf kleine Kader mit erfahrenen Seglern verlassen. Das verstößt keineswegs gegen die Regularien der DSBL, verträgt sich aber nicht mit Ausrichtung der SKWB aufs Hochseesegeln. Nach dem Abwägen aller Pro-und-kontra-Argumente habe sich der Vereinsvorstand am Ende gegen die Bundesliga entschieden.

Bodo Mall räumt jedoch ein, dass einige organisatorische Veränderungen der Bundesliga die SKWB-Entscheidung mitbeeinflusst haben. „Letztlich ist es ein Paket von Gründen“, sagt er. Während die Tatsache, dass Regatten ausschließlich auf Binnengewässern stattfinden, möglicherweise nur die SKWB stört, kommen tatsächlich auf alle Bundesliga-Vereine in der kommenden Saison höhere Belastungen zu. Das ist zum Einen die Bootsumlage in Höhe von 2800 Euro pro Erst- und von 2500 Euro pro Zweitligist, zum Anderen die Pflicht, einmal in der Saison das von der DSBL gestellte J/70-Boot von einem Regattaort zum anderen zu befördern.

Damit legt die DSBL vor dem Hintergrund, dass sie wichtige Sponsoren verloren hat, einerseits Kosten auf die Klubs um und kürzt andererseits ihren eigenen Leistungsumfang. Nachdem die Bundesliga die zwölf J/70-Boote in der Vergangenheit stets an die Regattaorte gebracht hat, müssen die 36 Erst- und Zweitligisten den Transport künftig selbst übernehmen. Dabei sei die Versicherungsfrage nicht beantwortet, sagt Bodo Mall. „Das ist ein Punkt, der noch zu klären ist“, sagt auch Jan Seekamp. Der Teamkapitän des WV Hemelingen hat ebenfalls darüber nachgedacht, das Kapitel Bundesliga zu beenden. „Dass wir jetzt erhöhte Kosten tragen müssen, ist unglücklich“, sagt er, „aber in den Anfängen war die Bundesliga eigentlich auch viel zu günstig.“ Seekamp erinnert sich daran, dass die Bundesliga 2014, als der WVH einstieg, nur 300 Euro pro Veranstaltung kostete. Kleines Geld angesichts der Tatsache, dass die Mannschaften sich um den Zustand der Boote und deren Transport nicht kümmern mussten.

Heute beträgt das Meldegeld für jede der fünf Regatten 750 Euro, dazu kommen die 2800 Euro Bootsumlage pro Verein. Die DSBL ist inzwischen ein anerkanntes Format, das seinen Preis hat. „Aber ich bin nach wie vor von der Bundesliga überzeugt“, sagt Jan Seekamp, „und medial ist sie gut zu inszenieren.“ Auch deswegen habe der WVH letztlich nicht ernsthaft seinen Ausstieg erwogen. Die Hemelinger haben sich in der DSBL von Jahr zu Jahr steigern können und nicht nur als deutscher Vizemeister 2019 geglänzt, sondern auch in der Champions League für Furore gesorgt. Eine Erfolgsgeschichte, der der WVH noch weitere Kapitel hinzufügen möchte.

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Zur Sache

Fünf statt sechs Bundesliga-Regatten

Die Deutsche Segel-Bundesliga mit jeweils 18 Erst- und Zweitligisten geht am 8. Mai in Prien in ihre achte Saison. Weitere vier Regatten folgen in Überlingen/Bodensee (22.-24. Mai), Berlin/Wannsee (17.-19. Juli sowie 28.-30. August) und in Hamburg/Außenalster (8.-10. Oktober). Damit ist die Saison eine Regatta kürzer als 2019. Nach dem Rückzug der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen (SKWB) ist der Wassersportverein Hemelingen (WVH) der einzige Bremer Erstligist. Den Platz der SKWB nimmt der Münchner Yacht-Club ein, für den wiederum die Segelvereinigung Wuppertal in die 2. Bundesliga nachrückt. Das Champions-League-Finale findet in diesem Jahr vom 1. bis 4. Oktober im italienischen Porto Cervo statt.

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