Segel-Champions-League

Windböe zerstört Bremer Hoffnungen

Der Wassersportverein Hemelingen liegt unter 27 Booten zwischenzeitlich sogar auf dem zweiten Platz, bevor ihn ein schwerer Fehler vom Kurs auf das Finale der besten Vier abbringt. Am Ende wird der WVH Neunter.
20.10.2020, 05:49
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Windböe zerstört Bremer Hoffnungen
Von Jörg Niemeyer

Der Ort gehört zu den beliebtesten Feriendomizilen der internationalen High Society und gilt auch als Topadresse der europäischen Seglerszene: Porto Cervo auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien. Alljährlich finden vor Porto Cervo große Segelevents statt, so auch das Finale der Champions League, für das sich zum dritten Mal in Folge der Wassersportverein Hemelingen (WVH) qualifiziert hatte. Nach den Plätzen drei (2018) und elf (2019) landete das Quartett diesmal unter 27 Teams auf Rang neun und sorgte damit für eine positive Überraschung, mit der nicht hatte gerechnet werden können.

Auch das Champions-League-Finale stand im Zeichen von Corona. So war der illustre Segelklub in Porto Cervo geschlossen. „Wir waren ja schon froh, überhaupt eine so intensive Saison bestreiten zu dürfen“, resümierte WVH-Steuermann Carsten Kemmling. Er war mit Daniel Labhart, Gordon Nickel und Nils Färber auch am Montag noch vor Ort. Während Kemmling im „Homeoffice“ arbeitete, nutzten seine Mitstreiter den Tag zu einem Ausflug auf der Insel, bevor es an diesem Dienstag zurück nach Deutschland geht. Zu feiern hatte der WVH außer dem ordentlichen neunten Platz zwei Geburtstage im Team. „Wir haben am Sonntagabend in den 60. hineingefeiert“, flachste Carsten Kemmling, denn 60 sind Labhart (32) und Färber (28) seit Montag zusammen gezählt. Mit dem Steuermann des Siegerteams aus Überlingen, Michael Zittlau, war das Hemelinger Quartett am Sonntag noch Pizzaessen gegangen. Zittlaus Crewkollegen waren bereits kurz nach ihrem denkwürdigen Triumph nach Hause geflogen.

Nach den ersten acht der 14 Vorrundenrennen lagen sogar die Bremer noch auf Kurs Finale der besten Vier. „Für uns ist es besser gelaufen als wir selbst gedacht hatten“, sagte Carsten Kemmling. Er steuerte nämlich eine Mannschaft, die so nie zuvor und vermutlich so auch nie wieder in einem Boot sitzen wird. Aufgrund von Corona waren die Teilnahmebedingungen für die Champions League in der Form gelockert worden, dass ein Verein mit bis zu zwei „fremden“, also vor der Saison nicht von ihm selbst gemeldeten Seglern starten durfte. Eine für etliche Klubs notwendige Maßnahme, ohne die wohl auch der WVH auf seinen Start hätte verzichten müssen.

Ursprünglich hätte Jan Seekamp das Hemelinger Boot steuern sollen und wollen, doch der Teamkapitän blieb wegen Corona lieber in der Heimat. Auch andere WVH-Segler waren ausgefallen, sodass Kemmling nach zig Telefonaten und Mails schließlich mit Gordon Nickel und Nils Färber zwei ehemalige Mitglieder der Segelkameradschaft das Wappen von Bremen (SKWB) an Bord begrüßen durfte. Kein Problem, weil die Segler sich untereinander fast alle kennen. Und überraschend auch kein Handikap, weil das Quartett von den ersten acht Rennen gleich zwei gewann und vier Mal Zweiter wurde.

Im neunten Rennen nahm das WVH-Schicksal seinen Lauf. „Es war der Knackpunkt“, sagte Kemmling, der mit gleichem Risiko wie in den Rennen zuvor diesmal als Steuermann den Start vermasselte. Eine Böe drückte die Hemelinger J 70, so die Bezeichnung der für alle gleichen Wettkampfboote, gegen die Startmarkierung, sodass der WVH das Rennen als Letzter beendete, seine zuvor gezeigte Leichtigkeit verlor und auf Rang neun zurückfiel. „Wir haben angefangen, uns zu hinterfragen“, sagte Kemmling, der irgendwie aber sogar froh war, dass seine neu zusammengestellte Crew den höchsten Klubwettbewerb nicht gewinnen konnte. „Das wäre sonst vielleicht ein schlechtes Zeichen für unseren Sport gewesen“, meinte er. So setzte sich am Ende das eingespielte Team des Segel- und Motorboot-Clubs Überlingen vor einem italienischen, einem schweizerischen und einem russischen Konkurrenten durch.

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