Kidsday bei den Sixdays

Selfies mit Influencerin Tabea in der ÖVB-Arena

Beim Kidsday der Sixdays standen nicht die Fahrer, sondern Instagram-Berühmtheiten und Nachwuchssänger aus Castingshows im Mittelpunkt. Eine Rundgang durch die bestens besuchte ÖVB-Arena.
11.01.2020, 21:07
Lesedauer: 4 Min
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Selfies mit Influencerin Tabea in der ÖVB-Arena
Von Marc Hagedorn
Selfies mit Influencerin Tabea in der ÖVB-Arena

Tabea Gorniak (links) posiert für ein Selfie mit Annso, die ihr wie über 140.000 andere auf Instagram folgt, meist sind es junge Mädchen

Christina Kuhaupt

Zwei Meter noch, dann ist Frauke ihrem Idol ganz nahe. Dann wird sie Tabea umarmen, wird ihr sagen, wie toll sie sie findet. Sie wird Tabea um ein Selfie bitten und um ein Autogramm. Obwohl Sonnabend ist und damit schulfrei, ist Frauke an diesem Morgen ganz früh aufgestanden. Sie wohnt in Westoverledingen, Ostfriesland. Eineinhalb Stunden ist sie bis Bremen gefahren. Nun führt sie eine lange Schlange an. Noch ein Meter jetzt, dann ist sie es soweit. Zum ersten Mal wird sie Tabea, die sie nur aus dem Internet kennt, im wahren Leben begegnen.

Es ist Kidsday bei den Sixdays, und es ist der Bär los. Schon eine Viertelstunde bevor um 11.45 Uhr die Türen der ÖVB-Arena geöffnet werden, stehen die ersten 500, 600 Besucher davor. In Halle 1, dort wo die Fahrer ihre Runden drehen, sind am frühen Nachmittag nur noch vereinzelt Sitzplätze zu finden. Wer zu dritt oder zu viert kommt, der muss sich auf die freien Plätze verteilen. Auch in den Gängen und in Halle 2 stehen die Besucher Schlange. Sie können hier Basketball spielen, Schnappschüsse in der Fotobox machen oder in der Kinder-Disco neue Tanzschritte lernen. Und weil die Sixdays eine Radsportveranstaltung sind, gibt es auch einen BMX-Workshop und Fahrrad-Parcours.

140.000 Follower

Im Durchgang zur Halle 4, wo abends Party gemacht wird bis in den frühen Morgen, steht Frauke und wartet. Die Veranstalter haben hier Internet-Berühmtheiten für eine Autogrammstunde platziert. Aufgereiht an acht Tischen sitzen Teenager, die sich Nini Flash, Itsjulienbrown oder Tabeaswonderland nennen. Frauke hat es jetzt geschafft. Sie umarmt Tabea, die im wahren Leben Tabea Gorniak heißt, 18 ist, aus Bremen kommt und im nächsten Jahr Abitur macht. Tabea folgen auf Instagram über 140.000 Menschen, vor allem Mädchen zwischen zwölf und 16, Mädchen wie Frauke. Als Frauke davon erfahren hat, dass Tabea an der Autogrammstunde bei den Sixdays teilnimmt, war für sie und ihre Mutter klar, dass sie nach Bremen reisen würden.

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Leute wie Frauke, so hoffen die Sixdays-Macher, sind die Sixdays-Besucher von morgen. Das Geschäft mit Sechstagerennen in Deutschland ist hart. Über die Jahre sind traditionsreiche Veranstaltungen in Dortmund, München oder Stuttgart gestorben oder wie in Hannover trotz großer Pläne gar nicht erst an den Start gegangen. In Berlin wird noch gefahren, aber sonst hat nur Bremen überlebt. Während man über das Sechstagerennen in Berlin sagt, dass es vor allem ein Event für Radsportfans und Kenner sei, gilt als Erfolgsrezept für die Bremer Sixdays die Mischung aus Sport und Show, aus Fahren und Party.

Frauke ist happy. Sie hat ein paar Worte mit Tabea gewechselt, sie hat ein Autogramm bekommen und ein Selfie gemacht. „Tabea ist so cool“, sagt Frauke, die mit Nachnamen Krey heißt, „sie zieht ihr Ding durch und nimmt einen mit in ihr Leben.“ Tabea Gorniak ist für Fans wie Frauke ein Star, einfach nur, weil sie Fotos von sich auf Instagram postet. Man sieht Tabea dort mit einer Wunderkerze, wie sie einen Silvestergruß an ihre Fans sendet. Mal verlost sie Gutscheine für Pflegeprodukte, die ihr Unternehmen zur Verfügung stellen. Mal posiert sie im Bikini am Strand in Italien.

Als Tochter Frauke ihr Foto mit Tabea hat, bittet auch Mama Alexandra um ein Selfie. Dann machen sie sich auf in Richtung Halle 1 zu den Rennen. Dort sind sie mit den beiden Männern der Familie verabredet. „Mein Mann“, sagt Alexandra Schwarz-Krey, „war als Jugendlicher schon bei den Sixdays, und mein Sohn freut sich auch schon darauf, das alles kennenzulernen.“

„The Voice“-Halbfinalistin singt auf der Haupttribühne

Eine Sixdays-Vergangenheit hat auch Celine Abeling. Die 22-Jährige tritt nachher auf der Hauptbühne auf. Jetzt hat sie gerade den Soundcheck hinter sich gebracht und Zeit für ein kurzes Gespräch. Abeling kommt aus Bremen, sie hat es in der TV-Show „The Voice“ im vergangenen Jahr bis ins Halbfinale geschafft. Sie freut sich darauf, in ihrer Heimatstadt vor ein paar Tausend Leuten live singen zu dürfen. „Vor ein paar Jahren war ich als Kiddie noch selbst hier beim Kidsday“, sagt sie. Da habe sie selbst angestanden und sich Unterschriften von den Radrennfahrern geholt.

Sixdays - Kidsday

Celine Abeling hatte ein Heimspiel. Die Bremerin, die im ­vergangenen Jahr bei der Casting-Show „The Voice“ bis ins Halbfinale ­gekommen ist, war als Kind selbst beim Kidsday der Sixdays.

Foto: Christina Kuhaupt

Autogramme bei den Instagram-Stars gibt es erst nach fast drei Stunden nicht mehr. Um mehr als eine halbe Stunde haben die Veranstalter die Autogrammstunde verlängern müssen, so lange dauerte es, bis alle Wünsche erfüllt waren. Tabea Gorniak alias Tabeaswonderland ist etwas erschöpft, aber glücklich. Glücklich, sagt sie, dass sie ihre Fans glücklich machen konnte, „ein Mädchen hat sogar geweint“. Tabea hat ohne Pause mit Kussmund, ausgestreckter Zunge oder einem Lächeln in Smartphone-Kameras gestrahlt. Berührungsängste, sagt sie, kenne sie nicht. Ob sie sich wie ein Star fühle? „Nein, ich bin kein Star“, sagt sie, „ich bezeichne mich lieber als eine Person des öffentlichen Lebens.“

In Halle 1 hat inzwischen das Showprogramm angefangen. Im Innenraum des Rennovals ist kaum Platz. Die Tische im VIP-Bereich sind alle belegt. Die E-Jugend-Fußballer des TV Eiche Horn und die F-Jugend-Kicker des TV Jahn Delmenhorst haben Plätze reserviert, auch Hockeyspielerinnen des Bremer HC, zu erkennen an ihren Trainingsjacken, sind dabei. Auf der Bühne singt Celine Abeling. Sie hat ein Heimspiel und bekommt den lautesten Applaus. Sie singt „Flash mich“ von Mark Forster und zum Abschluss „80 Millionen“ von Max Giesinger. Die Handys der Zuschauer filmen, die Arme der Fans gehen in die Höhe. Kurz danach werden wieder Rennen gefahren. Eine Stunde später ist der Kidsday 2020 Geschichte.

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