Peter Gagelmann über die Sportstiftung „So etwas möchten wir häufiger sehen“

Peter Gagelmann, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, hat es sich in seiner neuen Funktion als Vorsitzenden der Bremer Sportstiftung zur Aufgabe gemacht, Nachwuchstalente zu fördern. Ein Interview.
14.03.2017, 00:00
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„So etwas möchten wir häufiger sehen“
Von Frank Büter

Peter Gagelmann, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, hat es sich in seiner neuen Funktion als Vorsitzenden der Bremer Sportstiftung zur Aufgabe gemacht, Nachwuchstalente zu fördern. Ein Interview.

Herr Gagelmann, an diesem Dienstag findet im GOP-Theater die Sportgala zu Ehren der Bremer Sportler des Jahres 2016 statt. Für Sie als neuen Vorsitzenden der Bremer Sportstiftung ist es gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere bei dieser Gala…

Peter Gagelmann: Das ist richtig. Ich wollte in den vergangenen Jahren schon gerne dabei sein, aber es hat leider nie gepasst, da der Fußball mich noch voll im Griff hatte.

Mit welcher Erwartung fahren Sie nun ins GOP?

Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung! Wir sind etabliert und restlos ausverkauft. Das ist fantastisch. Und wir freuen uns, dass wir mit den beiden Wontorras (Jörg und Tochter Laura; d. Red.) tolle Moderatoren haben, die auch aus Bremen kommen und für etwas mehr Glamour sorgen. Beide sind ja im Moment in aller Munde. Damit steht und fällt eine solche Gala. Insofern wird’s bestimmt ein sehr, sehr toller Abend.

Sie haben im Spätsommer den Vorsitz der Sportstiftung übernommen. Was ist seither passiert?

Wir mussten uns im Vorstandsteam mit Dr. Lars Figura und Anke Precht natürlich erst einmal finden, mussten uns erst mal reinarbeiten. Für Lars Figura und mich war das komplett neu – und wir sind dankbar für die Erfahrungen, die Anke Precht wunderbar mit eingebracht hat.

Eines Ihrer Ziele lautete, die Stiftung und die Inhalte öffentlicher zu machen. Inwieweit ist das bereits gelungen?

Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben einen tollen Start gehabt – etwa mit dem Business-Dienstag beim Sechstage-Rennen, wo wir den Talk am Abschlussabend mitbegleiten durften. Wir intensivieren die Kontakte zur Handelskammer und in die Wirtschaft. Des Weiteren haben wir kurz vor Weihnachten unsere erste Vergabe der Fördergelder in der Kunsthalle gehabt und auch damit ein Zeichen gesetzt, dass die Kultur, die in Bremen ja sehr stark gefördert wird, und der Sport auch sehr gut vereinbar sind.

Was war Ihr Antrieb, Ihre Motivation, als Sie sich bereit erklärt haben, dieses Amt zu übernehmen?

Ich liebe auch die Sportarten, die nicht so im medialen Fokus stehen. Ich habe ja über viele Jahre hinweg selbst Leistungssport betrieben und weiß, was man investieren muss, um auf diesem Level Sport zu treiben. Deshalb ist es für mich auch eine Selbstverständlichkeit, ein Teil von dem, was ich bekommen habe, zurückzugeben. Das mache ich mit meinem Team im Vorstand sehr gerne.

Sie sind aufgrund Ihrer langjährigen Tätigkeit als Bundesliga-Schiedsrichter sehr bekannt und überdies sehr gut vernetzt. Kommt Ihnen diese Prominenz nun zugute?

Dass ich ein Bremer bin und auch den einen oder anderen Bremer kenne, war vielleicht auch der Grund, warum man an mich herangetreten ist. Insofern kann ich nun auch den einen oder anderen motivieren, die Sportstiftung oder Sportler im Einzelnen zu unterstützen.

Es ist aber doch bestimmt nicht leicht, Klinken zu putzen. Was sagen Sie potenziellen Unterstützern?

Man muss überzeugen und den Leuten klarmachen, dass der Sport für eine Gesellschaft wichtig ist. Der Breitensport lebt vom Leistungssport und der Leistungssport umgekehrt vom Breitensport. Wenn ich keine Vorbilder habe, habe ich auch Probleme im Nachwuchsbereich. Wir brauchen Leistungssportler, zu denen junge Sportler aufschauen können.

Sie haben angekündigt, ein neues Förderprojekt anschieben zu wollen. Was verbirgt sich dahinter?

Wir haben gesagt, wenn wir 50 Unternehmer in Bremen und umzu finden, die gewillt sind, die Sportstiftung vielleicht mit 1000 Euro jährlich zu unterstützen, dann hätten wir eine Summe zur Verfügung, mit der wir unsere Stiftungssumme aufstocken und vielleicht sogar zweimal im Jahr Fördergelder vergeben könnten. Das ist das Ziel, das wir haben. Aber das ist natürlich nicht innerhalb von drei oder sechs Monaten umsetzbar. Das ist halt ein Prozess, da muss man viel auf die Leute zugehen, viel reden und versuchen, sie zu überzeugen.

Wie ist bisher die Resonanz? Gibt es auch Leute, die sagen: Herr Gagelmann, ich habe nur darauf gewartet, dass Sie mich ansprechen?

Das wird dann vielleicht nicht so formuliert, aber es gibt schon erfreuliche Rückmeldungen. Eine Sache erzähle ich dabei gerne, weil das auch außergewöhnlich ist. Ein Bremer Ehepaar, selbst über viele Jahre hinweg sportlich aktiv, bat mich um ein Gespräch. Sie möchten dem Sport etwas zurückgeben – sie haben keine Erben und würden ihr Vermögen gerne der Sportstiftung zukommen lassen. Das hat mich sehr bewegt. Im kulturellen Bereich hört man so etwas ja häufiger, im Sport ist das eher selten der Fall. Deshalb nehme ich das gerne als Beispiel, ich finde das fantastisch.

Wie nachhaltig kann die Sportstiftung die Bremer Talente denn unterstützen?

Es geht ja zunächst mal darum, dass wir junge Sportler fördern. Das ist unser erster Ansatz. Dass wir ihnen beispielsweise ein Trainingslager ermöglichen oder die Anschaffung eines neuen Sportgeräts. Wirklich nachhaltige Unterstützung sehe ich aber ganz woanders. Viele Sportler verlassen Bremen nach Beendigung der Schulzeit – wir möchten aber, dass die jungen Sportler auch danach in Bremen bleiben.

Was genau müsste passieren, um herausragenden Talenten wie etwa Hochspringerin Mareike Max oder Stabhochspringer Philip Kass perspektivisch einen Verbleib in Bremen schmackhaft zu machen?

Da kommt dann die Wirtschaft ins Spiel. Wir haben bereits gute Gespräche mit Herrn Emigholz von der Handelskammer geführt. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, dass wir einen Pool entwickeln mit Leistungssportlern, die bestimmte Ziele und Vorstellungen haben – und dann gucken wir, welches Wirtschaftsunternehmen in Bremen welchen Sportler auch beruflich fördern könnte.

Steckt die Förderung von Leistungssportlern in Bremen derzeit also noch in den Kinderschuhen?

Über den Fußball müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir haben hier ein Leistungszentrum, leistungsstarke Fußballer werden bei Werder super gefördert. Wir haben auch andere Mannschaftssportarten, wo es ganz gut läuft. Im Handball haben wir beim HC Bremen eine Nachwuchsmannschaft, die gut gefördert wird, im Eishockey in Bremerhaven läuft es gut. In der Leichtathletik wird bei Werder und bei Komet Arsten gute Arbeit geleistet. Und die Rhythmische Sportgymnastik hat einen Bundesstützpunkt in Bremen. Grundvoraussetzung ist halt immer auch die entsprechende Infrastruktur.

Die aber in vielen Bereichen nicht vorhanden ist…

Richtig, wenn etwa Bäder zugemacht werden, ist es für den einzelnen Schwimmer nicht förderlich. Wenn er in Bremen keine Trainingszeiten hat, dann überlegt er schon, wo er seinen Sport besser ausüben kann. Und es gibt weitere Sportarten, wo wir im letzten Jahr ein Defizit hatten, weil Flüchtlinge aufgenommen werden mussten und die Turnhallen nicht zur Verfügung standen. Erschütternd ist auch, dass wir das einzige Bundesland sind, wo keine Sportlehrer mehr ausgebildet werden. Ein Umstand, den es dringendst zu überdenken gilt!

Woran lässt sich perspektivisch aus Ihrer Sicht der Erfolg der Bremer Sportstiftung messen?

Man muss vorwegsagen: Wir sind das kleinste Bundesland und eine kleine Stiftung, jedoch haben wir tolle Talente. Für mich wäre es ein großer Erfolg, wenn eine Mareike Max später mal bei Olympischen Spielen in eine Medaille beißt…, selbst wenn sie dann vielleicht nicht mehr in Bremen ist, wir aber diesen Grundstock gelegt haben, weil wir sie gefördert und dadurch motiviert haben. Das wäre toll. Wir hatten ja kürzlich die Ehrung der Leistungssportler im Rathaus: Es ist schon schön, wenn dann ein Sportler wie Werders Tischtennisspieler Bastian Steger seine Medaille von Rio mitbringt und dort präsentiert. So etwas möchten wir hier gerne noch viel häufiger sehen…

Zur Person

Zur Person

Peter Gagelmann ist Vorsitzender der Bremer Sportstiftung. Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter trat Ende August die Nachfolge von Wolfgang Schönecker an. In seiner aktiven Laufbahn leitete Gagelmann 214 Spiele in der ersten Liga; 40 Mal kam er im DFB-Pokal zum Einsatz. Beruflich ist der 48-Jährige, der mit seiner Familie in Oberneuland heimisch ist, im Veranstaltungsmanagement bei Daimler tätig. Darüber hinaus fungiert er als Experte bei Sky.

Zur Person

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Zur Sache
Bühne frei für die Besten Das GOP-Theater ist an diesem Dienstag bereits zum vierten Mal Schauplatz der Sportgala zu Ehren der Sportler des Jahres in Bremen. Ab 19 Uhr werden die Titelträger 2016 in den Kategorien Sportlerinnen und Sportler, Behindertensportler und Mannschaften gekürt. Moderiert wird die Benefizveranstaltung vom Tochter-Vater-Duo Laura und Jörg Wontorra. Im Rahmenprogramm sorgen Künstlerauftritte von Jimmy Gonzalez und Robert James Webber aus der aktuellen GOP-Show „Impulse" für Unterhaltung.
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