Tischtennis

So nervös, so souverän

Tischtennis-Star Mattias Falck gesteht die Anspannung bei seiner Werder-Premiere – doch es geht alles gut. Für den Vizeweltmeister wie für seine Kollegen. Sie besiegen Jülich 3:0.
18.08.2019, 21:07
Lesedauer: 4 Min
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So nervös, so souverän
Von Olaf Dorow
So nervös, so souverän

Gleich schlägt er zu: Vizeweltmeister Mattias Falck in ­seinem ersten Match für Werders ­Tischtennisteam in der Bundesliga. „Auch ein Vizeweltmeister darf nervös sein“, kommentierte Werders Team-­Manager Sascha ­Greber.

Koch

Bremen. An diesem Montag hat Mattias Falck Zeit. Bis nach Hause nach Halmstadt sind es zehn Stunden mit dem Bus. Dann kann der Tischtennis-Vizeweltmeister das mal ein bisschen sacken lassen, was da in der vergangenen Woche passiert ist. Er war von Halmstadt nach Bremen gefahren (zehn Stunden per Bus). Er hatte seine neuen Teamkollegen beim Tischtennis-Bundesligisten Werder Bremen kennengelernt. Und nach Werders kürzester Saisonvorbereitung aller Zeiten, die diesmal fünf Tage statt wie üblich fünf Wochen dauerte, hatte er am Sonntag seinen ersten Auftritt in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle. Neue Liga, neue Gegner, neue Teamkollegen, neue Halle, erstes Heimspiel. Mattias Falck war: angespannt.

Das hat er hinterher gleich zugegeben, als es vorbei war in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle. Werder hatte seinen Gast TTC Jülich mit 3:0 besiegt, und der neue grün-weiße Starspieler aus Schweden hatte dabei mit einem 3:1 gegen seinen Jülicher Gegner Robin Devos für den ersten Punkt gesorgt. Daran, wie Falck nach dem Matchball die Faust ballte, war gut zu erkennen, wie die Anspannung sich löste. Denn es war ja doch so: Er war der, auf den besonders geschaut wurde in der mit knapp 300 Zuschauern gefüllten Halle. Er war der klare Favorit in seinem Spiel gegen Robin ­Devos. Weltranglisten-Nummer sieben gegen Nummer 92. Wie ein Sportreporter, der im TV-Quiz nicht gewusst hätte, wie oft Deutschland Fußball-Weltmeister geworden ist, hätte er sich nur blamieren können.

Wer will das schon? Mattias Falck nicht. „Ja, ich war nervös“, gestand er, „natürlich wollte ich hier zeigen, was ich kann.“ Nach einer sehr langen wie schlauchenden Saison, kurzer Regenerationspause und knapper Vorbereitungszeit war das alles andere als ein Selbstläufer. „Auch ein Vizeweltmeister darf nervös sein“, kommentierte Werders Team-Manager Sascha Greber. Ihm sei aber nicht mulmig geworden, als seiner neuen Nummer eins nach zwei schnellen Sieg-Sätzen gegen Devos vorübergehend nichts mehr gelingen mochte. Schnell lag Falck im dritten Satz 0:7 hinten, er verlor ihn schließlich mit 3:11.

„Da habe ich zu viele einfache Fehler gemacht“, sagte der Schwede. Wenn man vom Fußball sagt, dass da alles sehr schnell gehen kann, dann kann man das vom Tischtennis auf jeden Fall auch sagen. Doch Greber wurde deswegen nicht mulmig, weil er um das „hohe Grundniveau“ von Mattias Falck wusste. ­Werders Trainer Cristian Tamas fand die Leistung seines neuen Top-Spielers „souverän“. Er habe da schon ganz andere Favoriten-Auftritte gesehen.

Tamas hatte gute Gründe, auch die beiden anderen Werder-Spieler gut zu finden, die am Sonntag im Einsatz waren: Hunor Szöcs und Kirill Gerassimenko. Und auch sich selbst durfte Tamas mit Recht ein bisschen gut finden. Schließlich war der Plan aufgegangen, der hinter der Aufstellung steckte. Tamas und Greber waren übereingekommen, Hunor Szöcs und nicht Kirill Gerassimenko, den nominell zweitstärksten Werder-Profi, ins Duell gegen Jülichs Nummer eins zu schicken. Die Idee dahinter: Szöcs, der eine unrunde Saison hinter sich hat, sollte ohne den Druck der Favoritenrolle frei aufspielen können.

Der Rumäne, der wie der Kasache Gerassimenko zuletzt noch Gastauftritte in der indischen Liga hatte, spielte: frei auf. Er besiegte als 106. der Weltrangliste den 89. Denis Kozul mit 3:1 und schuf so quasi eine Win-Win-Win-­Situation. Sein Trainer fühlte sich in seiner Aufstellung bestätigt, er selbst tankte Selbstbewusstsein, und Teamkollege Kirill Gerassimenko konnte nun seinerseits noch etwas befreiter aufspielen. „Hunor war am meisten geprüft heute“, sagte Cristian Tamas, „und er hat es für Kirill entspannter gemacht.“

Auch dessen Auftritt klappte letztlich wie erhofft. Gerassimenko, der als Weltranglisten-39. aus Grenzau zum Werder-Team gestoßen ist, zeigte in seinem Match gegen Dennis Klein, was er in der Bremer Halle schon als Bremer Gegner etliche Mal gezeigt hatte: zum Teil spektakuläre Ballwechsel. Wie er im letzten Satz sich aus scheinbar aussichtsloser Lage von der Defensive in die Offensive spielte und den Punkt zum 8:5 erschmetterte, sorgte für donnernden Applaus in der Halle.

Auch Mattias Falck klatschte mit. Die Atmosphäre in der Halle habe ihm gut gefallen, sagte der Schwede hinterher, hier sei etwas mehr los als in der vergangenen Saison, als er in der ersten französischen Liga für AS Pontoise-Cergy TT auflief. Das sei in der Nähe von Paris gewesen, und, nun ja, die Anreise nach Paris, die sei von Halmstadt aus noch viel länger gewesen als die nach Bremen. Zudem sei die Bundesliga stärker als die erste Liga in Frankreich. Matthias Falck durfte an diesem Montagmorgen wirklich zufrieden in den Bus nach Halmstadt steigen.

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Zur Sache

Vizemeister besiegt Meister

Für die ersten Überraschung in der angelaufenen Saison der Tischtennis-Bundesliga hat der 1. FC Saarbrücken gesorgt. In einer Neuauflage des Finales um die deutsche Meisterschaft im Mai besiegten das Team aus Saarbrücken den amtierenden Deutschen Meister Liebherr Ochsenhausen mit 3:0. Die größte Spannung gab es an diesem Wochenende im Duell zwischen dem ASV Grünwettbach und Aufsteiger TTC Neu-Ulm, das schließlich mit 3:2 für den nächsten Werder-Gegner endete. Werder muss am kommenden Sonntag um 15 Uhr in Grünwettersbach antreten. Vizeweltmeister Mattias Falck wird dann nicht mit dem Bus aus Halmstadt anreisen, sondern kommt per Flugzeug nach Frankfurt/Main und stößt dann zum Werder-Tross.

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