Halbfinale im Lotto-Pokal

Außenseiter sucht seine Chance

Das erste Pokalspiel für Trainer Lutz Repschläger ist gleich ein Kracher: Am Sonntag trifft er mit dem SC Borgfeld auf den Topfavoriten FC Oberneuland - und will den Regionalligisten ärgern.
14.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Außenseiter sucht seine Chance

Sein Einsatz im Pokal-Schlager am Sonntag gegen den FC Oberneuland ist noch fraglich: Christopher Taylor vom SC Borgfeld.

Tobias Dohr

Das Spiel gegen den FC Oberneuland (Sbd., 15 Uhr) ist bereits das Halbfinale des noch immer laufenden Bremer Lotto-Pokals. Für Lutz Repschläger ist es allerdings die Cup-Premiere als Trainer des SC Borgfeld. „Ich durfte ja vorher nicht“, sagt der 49-Jährige mit einem Lachen. Nein, vorher war Repschläger noch für die 2. Herren des SCB verantwortlich gewesen. Da hatte Ugur Biricik im Pokal-Wettbewerb auf der Bank gesessen.

Unter dem Vorgänger waren die Borgfelder Kicker zu Siegen gegen Eintracht Aumund (2:1), TuS Komet Arsten (2:1), TuSpo Surheide (6:1) und den OSC Bremerhaven (2:1) gekommen. Das war in 2019. Seit dem Januar sitzt Repschläger auf der Bank des Bremen-Ligisten. Damals konnte niemand ahnen, dass die Corona-Pandemie für eine so lange Auszeit sorgen und die zweite Saisonhälfte nahezu komplett ausfallen würde. Nun ist die lange Pause vorbei, und die erste Aufgabe des neuen Trainers sieht ausgerechnet ein Halbfinale gegen den Titelverteidiger vor. „Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass der FCO favorisiert ist“, sagt Lutz Repschläger.

Verschwendet keinen Gedanken an den DFB-Pokal: Borgfelds Trainer Lutz Repschläger vor dem Halbfinal-Duell seines Teams gegen den FC Oberneuland.

Borgfelds Trainer Lutz Repschläger ist ein Spätstarter in der Bremen-Liga.

Foto: Rainer Schmidt

Klar, der frischgebackene Regionalligist verfügt über den spielerisch besseren Kader. Er lebt zudem von einer gewissen Aufbruchstimmung und einem durch diverse Neuzugänge entfachten Konkurrenzkampf. Es war in den vergangenen Jahren nie besonders leicht gegen den FC Oberneuland. Aber es war wohl niemals schwerer als in diesen Tagen. „Ich bin aber ein Trainer, der grundsätzlich jedes Spiel gewinnen will“, betont der Borgfelder Coach.

Das lässt vermuten, dass sich der SCB nicht nur auf die Defensive beschränken wird. Zwar möchte Repschläger die Grundzüge seiner Spielidee „lieber nicht in der Öffentlichkeit“ besprechen. So viel verrät er augenzwinkernd aber doch: „Wir wollen ein Tor mehr schießen als der FCO.“ Das wird schwer genug. Es passte allerdings nicht so richtig zum Borgfelder Trainer, würde er nun allzu lang über die ohnehin bekannten Vorzüge des Gegners fabulieren.

Lutz Repschläger spricht lieber über die Qualität seines Teams: „Wir haben einige gute, solide Bremen-Liga-Spieler und eine sehr ausgewogene Mannschaft.“ Sein Ziel sei es gewesen, den Kader auf allen Positionen doppelt zu besetzen. Zwar verlor der SCB in Torhüter Tom Petter Rode (Heeslinger SC) und Jarno Böntgen (TB Uphusen) wichtige Spieler an andere Klubs (Repschläger: „Wir sind ein Ausbildungsverein.“). Aber dafür konnte der Trainer auch einige gestandene Kicker an den Wümmedeich lotsen, etwa Dennis Jordan vom Blumenthaler SV.

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Und deshalb arbeitet Lutz Repschläger nun mit einem Kader, der für die gewünschte Ausgewogenheit steht. Beispiel: Christopher Taylor. Der routinierte Torjäger wird derzeit von Knieproblemen geplagt, und so ist sein Einsatz gegen den FC Oberneuland sehr fraglich. „Aber dafür haben wir dann Khalil Maarouf“, sagt der SCB-Coach. Der junge Angreifer rückte gerade aus der eigenen U 19 auf, wusste aber erst am Dienstag beim 4:3-Testspielsieg über den FC Verden 04 mit zwei Treffern zu überzeugen.

„Er wird an solchen Einsätzen wachsen“, sagt Repschläger zum bevorstehenden Pflichtspieldebüt des Youngsters. Wachsen muss auch die Mannschaft. „Wir sind erst am Anfang“, sagt der Trainer. Die lange Pause hat bislang verhindert, dass sein Team die eigentliche Spiel-Idee bis ins Detail verinnerlichen konnte. Im Moment würde der SC Borgfeld „harte Arbeit“ verrichten, sagt Lutz Repschläger.

Er findet überhaupt, dass die Partie gegen den FC Oberneuland doch noch sehr überschattet wird von dem eigentlichen Thema der Zeit: „Die Corona-Welt spielt im Moment eine große Rolle, das hast du doch immer irgendwie im Kopf.“ Das wird auch am Sonntag so sein, wenn die verhältnismäßig wenigen Zuschauer mit Masken zu ihren nummerierten Plätzen gehen werden. Der Borgfelder Trainer kann deshalb nicht verstehen, weshalb die Pandemie für manche Menschen bereits Vergangenheit zu sein scheint. „Unter den gegebenen Umständen sollten wir uns freuen und dankbar sein, dass wir das Spiel überhaupt austragen dürfen“, sagt Repschläger.

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Er ist auch in ganz anderer Hinsicht ziemlich dankbar für das Spiel. Denn eigentlich ist der Trainer zwar seit vielen Jahren im Geschäft. Auf die verhältnismäßig große Bühne der Bremen-Liga hatte er es bis zum Januar allerdings nicht geschafft. Einst als Spieler in Oyten und Fischerhude aktiv, hatte der Bremer den TSV Uesen, den TB Uphusen II, den FC Roland und zuletzt die 2. Herren des SC Borgfeld trainiert. „Ich wollte immer ein Bremen-Liga-Trainer werden, aber mir fehlte die Reputation, denn ich habe nie ganz oben gespielt“, begründet Lutz Repschläger den langen Weg auf die Bank eines Oberligisten.

Er bereut ihn nicht. Schließlich vermochte Repschläger in den vergangenen Jahren einige wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Zudem besitzt er nicht nur die Ambitionen, sondern auch eine gewisse Erwartungshaltung: „In Bremen gibt es nicht so viele perspektivisch gute Vereine.“ Den SC Borgfeld zählt er dazu. Dort empfahl er sich über eine sehr erfolgreiche Arbeit in der Reserve – und jetzt darf er eben die 1. Herren trainieren.

Info

Zur Sache

Heimvereine kündigen strenge Kontrollen an

Die beiden Halbfinalspiele im Bremer Lotto-Pokal, FC Huchting – Blumenthaler SV (Sbd., 16 Uhr) und SC Borgfeld – FC Oberneuland (So., 15 Uhr), haben zwei Dinge gemeinsam: Sie werden live auf Sporttotal.TV übertragen und von umfangreichen Hygienemaßnahmen begleitet. In Huchting sollten immerhin über 350 Menschen die Partie gegen den favorisierten Blumenthaler SV begleiten. „Wir sind weitläufig“, sagt FCH-Vorsitzender Udo Fecker angesichts einer Leichtathletiklaufbahn.

Rund 240 Ticket vermochte der Verein deshalb im Vorverkauf abzusetzen, der Rest ging an die Vereine. Eine Tageskasse wird es nicht geben. Auch in Borgfeld nicht. Auf dem engeren Platz sind weniger Besucher zugelassen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Am Ende gingen lediglich 50 Karten in den Verkauf, der Rest der reinen Zuschauerkapazität von 150 Menschen wurde unter den Vereinen aufgeteilt. Wie der FC Huchting will auch der SCB für die Einhaltung der Verhaltensregeln sorgen. „Wir führen strenge Kontrollen durch“, sagt Dirk Beckmann, der zweite Vorsitzende des SC Borgfeld.

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