Badminton-Länderspiel in Bremen

Spannende Premiere im Metropol-Theater

Der Deutsche Badminton-Verband und die Einrichtung am Richtweg gehen neue Wege: Ein Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden soll Zuschauer begeistern und Lust auf die Sportart wecken.
16.07.2018, 19:19
Lesedauer: 3 Min
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Spannende Premiere im Metropol-Theater
Von Jörg Niemeyer
Spannende Premiere im Metropol-Theater

Probespielen vor leeren Rängen: Jörg Voigt (links), Badminton-Abteilungsleiter beim TuS Komet Arsten, und Heinz-Dieter Meier, Ehrenpräsident Bremer Badminton-Verbands, sind die ersten Menschen, die im Metropol-Theater am Richtweg Badminton spielen.

Christina Kuhaupt

Das Vorspiel im Metropol-Theater erreicht noch nicht ganz die Klasse, die die Hauptdarsteller am 18. September zeigen werden, aber immerhin: Jörg Voigt und Heinz-Dieter Meier demonstrieren am Montag schon mal, dass Badminton auf der Bühne am Richtweg möglich ist. Voigt, Abteilungsleiter beim TuS Komet Arsten und in dieser Funktion Mitausrichter des Länderspiels zwischen der deutschen und der niederländischen Nationalmannschaft, und Meier, Ehrenpräsident des Bremer Badminton-Verbands, machen im Rahmen einer Pressekonferenz Werbung für eine vielleicht sogar weltweite Premiere.

Heinz Bussmann, neben dem TuS Komet Arsten der zweite Ausrichter, ist jedenfalls überzeugt, dass es einen Badminton-Vergleich in einem Theater noch nicht gegeben hat. Der Delmenhorster ist im Deutschen Badminton-Verband (DBV) der Mann für die Länderspiele. Das bestreitet auch DBV-Geschäftsführer Roland Herres nicht. Wenn Bussmann die Sache in die Hand nehme, kämen mehr Zuschauer zu den Spielen als ohne Bussmann. Und der Chef der Sportmarketing-Agentur AEP verweist denn auch auf eine stolze Bilanz: Die Partie in Bremen ist seine 100., seitdem er 1999 damit begann. Seinerzeit auch in Bremen, damals gegen Schweden in der Halle des TuS Walle am Hohweg.

Flughäfen, Fabriken und große Hallen im Gespräch

Bussmann wollte zu seinem Jubiläum etwas Besonderes. "Ich habe mit Werften telefoniert", sagt er, "mit Flughäfen, mit Fabriken wegen großer Hallen – und mit dem Metropol-Theater." Mit Letzterem wurde er schnell handelseinig, was auch am Konzept der Spielstätte und an der Entschlussfreudigkeit des Geschäftsführers lag. "Eine verrückte Idee – was will der in einem Theater?", sagt Jörn Meyer und schildert seine ersten Gedanken. Dann hätte er die Maße angeschaut, die fürs Badminton erforderlich seien. Und schließlich wäre die Entscheidung schnell gefallen. "Wir wollen uns als Betreiber breit aufstellen", sagt er, "wir sind mehr als ein Musicaltheater." Auch deshalb hat sich das Haus am Richtweg mit dem Betreiberwechsel vor einigen Monaten einen neuen Namen gegeben.

Nun also Badminton. Wirklich eine verrückte Idee? Nicht unbedingt. Kurios? Ja. Ungewöhnlich? Auch das. Aber relativ einfach umzusetzen. 6,10 mal 13,40 Meter: Das ist das Maß eines Badminton-Feldes. Normalerweise fänden Länderspiele auf zwei Feldern statt, sagt DBV-Mann Herres. Aber zwei seien auf der Bühne nicht herzurichten – zumindest nicht so, dass sie auch von allen der gut 1400 Sitzplätze einzusehen seien. So begnügen sich die Veranstalter mit einem Feld, das nach oben aber mehr Platz bietet als fast alle anderen Spielstätten weltweit. Bei 20 Metern Höhe dürfte sich kein Federball an die Decke verirren. Auch nicht im angeblich schnellsten Rückschlagspiel überhaupt, in dem Weltklasseakteure den etwa fünf Gramm leichten Federball auf deutlich mehr als 400 Stundenkilometer beschleunigen können.

Weil nur auf einem Feld gespielt werden kann, wird eben kürzer gespielt. Fünf Partien stehen am 18. September ab 18:45 Uhr an: je ein Damen- und Herren-Einzel, ein Damen- und Herren-Doppel sowie ein Mixed. Statt bei 21 enden die Sätze schon bei 15 Punkten, ein bei Satzgleichstand nötiger dritter Durchgang geht bis 11. Schließlich wollen die Zuschauer auch mal nach Hause, sagen die Veranstalter.

"Vor allem in Asien hat sich Badminton rasant entwickelt"

Die Dauer eines Spiels ist im Badminton nicht vorherzusehen. Deshalb ist ein eigentlich sehr attraktiver Sport zumindest für Fernsehübertragungen ziemlich unanttraktiv – wenigstens in hiesigen Breiten. "Weltweit, vor allem in Asien, hat sich Badminton rasant entwickelt", sagt Roland Herres. Das sagt er ohne Neid, obwohl es einen deutschen Sportler sehr neidisch machen könnte. In Fernost verdienen die Aktiven richtig viel Geld – in erster Linie bei Einzelturnieren.

Der laut Herres volle internationale Wettkampfkalender habe für Nationen wie Deutschland durchaus negative Auswirkungen, "weil wir kaum Gegner für Testspiele finden". Topspieler schlagen offenbar lieber bei hoch dotierten Turnieren auf als bei vergleichsweise wenig lukrativen Testländerspielen. Mit den Niederländern indes verbindet den DBV eine Art inniger Beziehung: Schon das erste deutsche Länderspiel überhaupt fand 1954 gegen den westlichen Nachbarn statt, der sich mit bisher 67 Vergleichen – bei 41 Erfolgen für den DBV – zum Rekordgegner entwickelt hat.

Herres ist sicher, dass der Vergleich in Bremen einen nachhaltigen Eindruck bei den Beteiligten hinterlassen wird. "Eine außergewöhnliche Veranstaltung", sagt er, "die wird auch bei den Spielern, die weltweit unterwegs sind, für bleibende Erinnerungen sorgen." Genau darauf hoffen ja auch alle. Der DBV, der Bremer Verband und der TuS Komet Arsten, die mit der Theater-Premiere natürlich auch neue Mitglieder werben möchten. Und das Metropol-Theater, das laut Jörn Meyer seine Zuschauer grundsätzlich zufriedenstellen möchte. Vielleicht geht das ja auch mit Badminton. Am 18. September sind alle schlauer.

Weitere Informationen

Am Dienstag, 18. September um 18:45 Uhr, spielt die deutsche Badminton-Nationalmannschaft im Metropol-Theater am Richtweg gegen die Niederlande. Eintrittskarten gibt es u.a. bei Nordwest-Ticket, im WESER-KURIER-Pressehaus in der Martinistraße und in allen regionalen Zeitungshäusern.

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