Motorbootrennen Spektakel im Hafenbecken

Temporausch an der Waterfront: An diesem Wochenende verwandelt sich das Hafenbecken in eine Rennstrecke. Ein Gröpelinger Pilot träumt vom Sieg.
21.07.2018, 18:40
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Spektakel im Hafenbecken
Von Marlo Mintel

Das Boot mit der Nummer drei hängt am Haken. Vorsichtig lässt der Kranführer es nach unten auf den Anhänger. Ein Mann mit Schwimmweste und Neoprenanzug nähert sich dem Boot. Es ist Sezgin Isbilir, ihm gehört das schwimmende Gefährt. Der 48-Jährige, den alle nur Isi nennen, ist Motorbootrennfahrer. An diesem Wochenende rauscht Isbilir der Waterfront-Promenade entlang.

Für ihn ist es ein Heimspiel: Er kommt aus Gröpelingen. Das freie Training lief gut. „Das Setup stimmt. Der Motor läuft einwandfrei“, lautet Isbilirs erstes Fazit. Der KFZ-Schlosser ist bei den Thundercats unterwegs. Das sind wendige Kataramanschlauchboote. Ihren Ursprung haben die Thundercats in Südafrika. In den 1980er-Jahren wurden sie ursprünglich als Rettungsboote eingesetzt, später in Rennmaschinen umgewandelt.

„Meins hat rund 70 PS und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h“, erläutert Isbilir. „Gokarts auf dem Wasser” nennt er die Thundercats. „Man spürt das Wasser am ganzen Körper.“ In dieser Klasse kommt es besonders auf das Zusammenspiel zwischen Pilot und Co-Pilot an. Isbilir hat an diesem Wochenende zwei: Claudio Grimme, 53, und Shahin Azimi.

"Jetzt ist mehr Action auf dem Wasser"

„Claudio fährt morgen mit mir“, sagt Isbilir. Der Co-Pilot muss durch Gewichtsverlagerung dafür sorgen, dass die Thundercats mit höchstmöglichen Geschwindigkeiten in die Kurven gehen. Je enger die Kurven genommen werden, desto höher ist das Tempo. Der Fahrer steuert den Motor an der Pinne. Ein dritter Platz in der Endabrechnung 2015 war Isbilirs bestes Ergebnis an der Waterfront. Sein Ziel für dieses Jahr? „Ganz vorne, Erster“, sagt er und lächelt.

Um Siege ist auch Peter Struck in seiner aktiven Zeit gefahren. Statt Neoprenanzug und Schwimmweste trägt der 57-Jährige eine orangene Warnweste, in der Hand ein Funkgerät. Struck sorgt unter anderem dafür, dass die richtigen Boote zur richtigen Zeit auf dem Wasser sind. Beim ADAC Weser-Ems, dem Veranstalter der Rennen an der Waterfront, ist er ehrenamtlicher Motorbootbeauftragter.

An beiden Renntagen arbeitet er als Organisationsleiter. Mit ihm sind etwa 80 freiwillige Helfer im Einsatz. Er ist stolz darauf, dass anlässlich des zehnjährigen Geburtstages der Waterfront auch die Formel 4 und Formel 5 in Bremen am Start sind. „Jetzt ist mehr Action auf dem Wasser“, sagt er grinsend. Die Formel 4 mit 60 PS starken 4-Takt-Serienmotoren gilt als Sprungbrett für die Königsklasse.

Eine reine deutsche Nachwuchsklasse ist die Formel 5, in der sich Piloten ab 14 Jahren mit 30 PS starken Katamaranen duellieren. Seine ersten Rennen absolvierte Struck 1986. Er nahm ausschließlich an Rennen in Europa teil, darunter in Belgien oder Frankreich. Vor 32 Jahren triumphierte er in Bremerhaven.

13 Jahre fuhr Struck in der Formel 3, ein Jahr in der Formel 5 folgte. „Dann kamen die Kinder“, blickt er zurück. „Ich musste Verantwortung übernehmen.“ Struck beendete seine Zeit als Motorbootpilot. Von schweren Verletzungen blieb er verschont. Er hatte Glück, wollte es nicht mehr herausfordern. „Dafür war ich auf sehr vielen Beerdigungen. Motorbootrennen sind der gefährlichste Sport, den man sich vorstellen kann.“

Entenfamilie hielt den Start auf

Im Juni kam in Traben-Trarbach ein 54-jähriger Fahrer aus Lettland ums Leben. Zwei Jahre zuvor verstarb mit dem zweifachen Weltmeister Massimo Rossi, 24, ebenfalls ein Pilot am Moselufer. Die Faszination für den Motorbootsport ist beim dreifachen Familienvater trotz alledem geblieben. „Es ist nicht der Kick, dass man schnell fährt. Es ist der Kick, gegen andere Piloten zu fahren und abzuwarten, wer am längsten auf dem Gas bleibt.“

Kurz vor 15 Uhr. Die Waterfront-Promenade ist gut besucht. Die besten Stehplätze mit Sicht auf den 1240 Meter langen Sieben-Bojen-Kurs sind vergeben. Viele Zuschauer haben ihre Smartphones gezückt. In wenigen Augenblicken starten die Thundercats mit Lokalmatador Isbilir in ihr erstes von drei Rennen des Tages. Sieben Boote stehen nebeneinander, sieben Runden die Distanz.

Eigentlich sollte der Rennstart bereits um 14 Uhr erfolgen. Unter anderem machte eine Entenfamilie den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung, sie hielt sich im Startbereich auf. Dann geht es endlich los. Die Motoren heulen auf. Isbilir hat Pech, verpatzt den Start, kommt nicht vom Fleck. Den Rückstand holt er nicht mehr auf, Platz sechs. Die Chancen auf den Gesamtsieg haben einen Dämpfer erlitten.

Weitere Informationen

Der Rennsonntag startet mit dem 5. Lauf der P750-Klasse um 11 Uhr. Die Veranstaltung endet mit der Siegerehrung direkt an der Waterfront um 16.30 Uhr.

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