Fußball in Corona-Zeiten

Spielerberater Uwe Piehl über einen möglichen Saisonabbruch und seine Folgen

Uwe Piehl ist im Vorstand des FC Oberneuland tätig und Pressesprecher des Bremen-Ligisten. Er erzählt dem Weser-Kurier was für Folgen ein Saisonabbruch hätte.
20.04.2020, 21:26
Lesedauer: 2 Min
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Spielerberater Uwe Piehl über einen möglichen Saisonabbruch und seine Folgen
Von Mathias Sonnenberg
Spielerberater Uwe Piehl über einen möglichen Saisonabbruch und seine Folgen

In der Mitte ist der Jurist Uwe Piehl zu erkennen, welcher als Spielerberater tätig ist.

Christina Kuhaupt

Herr Piehl, welche Folgen hätte ein Saisonabbruch für den deutschen Fußball?

Uwe Piehl: Da muss natürlich unterschieden werden zwischen Amateur- und Profifußball, es gibt auch unterschiedliche Haftungsgrundlagen. Vereine haben Sponsoren, Lieferanten, Dienstleister, Medienpartner, mit denen es Verträge gibt und geklärt werden muss, wie die einzuhalten sind. Das gilt natürlich auch für die Arbeitnehmer. Die gibt es beispielsweise in einem Amateurverein wie dem FC Oberneuland regelmäßig nicht, wir beschäftigen ja grundsätzlich keine Spieler, die sozialversicherungspflichtig sind. Aber natürlich haben auch wir Sponsorenverträge, bei denen geschaut werden muss, ob und wie die überhaupt noch umsetzbar sind.

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Drohen da nicht Klagen ohne Ende?

Juristisch gesehen ist hier eine Situation eingetreten, die überhaupt nicht vorherzusehen war. Da würde der ganz große Hebel greifen, der Wegfall der Geschäftsgrundlage. Da gilt ganz allgemein, dass sich die Umstände, die nicht zu beeinflussen waren, so dramatisch verändert haben, dass es zu Vertragsanpassungen kommen kann. Zur Not würde da auch ein Kündigungsrecht greifen, damit etwa keine Beiträge mehr zu leisten wären. Ich meine, dass ein Verein dann auch einseitig Gehaltskürzungen vornehmen könnte. Grundsätzlich meine ich aber, dass in den Muster-Arbeitsverträgen des DFB und der DFL auf Spielordnungen verwiesen wird, sodass sich das Arbeitsverhältnis an der Spielzeit orientiert.

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Sie haben für den FC Oberneuland bereits erklärt, dass Sie bei einer Annullierung der Saison juristische Schritte einleiten werden.

Ja, das würden wir nicht klaglos hinnehmen. Da wäre der SV Wilhelmshaven ein gutes Vorbild, der vor Jahren gegen den Regionalliga-Ausschluss geklagt hat und dabei bis vor den Bundesgerichtshof gezogen ist. Das war eine Art Vorreiterrolle, weil Wilhelmshaven gezeigt hat, dass man den Norddeutschen Fußball-Verband nicht vor dem Internationalen Sportgerichtshof verklagen muss, sondern vor einem ordentlichen Zivilgericht. Der Ausschluss war ein rechtswidriges Szenario, das wäre jetzt bei der Annullierung meines Erachtens auch so.

Björn Fecker hat als Präsident des Bremer Fußball-Verbandes die Annullierung auch als unwahrscheinlichste Variante beschrieben.

Ja, das ist auch unser Stand. Weil eine Annullierung die höchste Klagewahrscheinlichkeit hätte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich das ein Verband antun würde. Wir hatten am Wochenende eine Videokonferenz mit Björn Fecker, in der wir über unsere spezielle Situation gesprochen haben, wir sind ja der einzige Bremer Verein, der für die Regionalliga gemeldet hat.

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Sie planen weiter für die Regionalliga?

Auf jeden Fall, das war und ist immer uns sportliches Ziel gewesen, auch wenn die Zeiten wirtschaftlich nicht leichter geworden sind. Gleiches gilt für den DFB-Pokal, wir wollen über den Bremer Lottopokal in die erste Runde. Ich kann nur sagen: Wir wollen unsere Spiele spielen.

Info

Zur Person

Uwe Piehl (52) ist seit Juni 2018 im ­Vorstand des FC Oberneuland tätig und Pressesprecher des Bre­men-Ligisten. Piehl ist Jurist und arbeitet als Spielerberater.

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