Der Sport bleibt im Lockdown-Wartestand

Hoffnung bei Bremer Spitzenteams schwindet

Seit Mittwochabend ist klar: Lockerungen im Sport wird es vorerst nicht geben. Den meisten Ligen läuft die Zeit davon, noch einen geregelten Spielbetrieb zu organisieren.
12.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mathias Sonnenberg und Jörg Niemeyer

Die Hoffnung auf Lockerungen im Sport hat sich nicht erfüllt. Wie in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens heißt es weiter: Abwarten. Das fällt nicht leicht, denn in den meisten Sportarten läuft den Verantwortlichen die Zeit davon, da die Abläufe in den Ligen genau getaktet sind. Das gilt besonders für die oberen Spielklassen, in denen auch Mannschaften aus anderen Bundesländern vertreten sind, was die Fortsetzung der Saison damit häufig noch komplizierter macht. Der WESER-KURIER schaut auf die Situation in der Fußball-Regionalliga Nord, den ATSV Habenhausen in der 3. Handball­Liga und Eiche Horn in der 3. Volleyball-Liga.

Der Frust bei Bremer Fußballvereinen wird größer

So langsam wird Jürgen Stebani doch ein wenig unruhig. Er ist der Spielausschussleiter des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) und damit verantwortlich für den Saisonverlauf in der Regionalliga. „Völlig entspannt bin ich nicht mehr“, sagt er im Hinblick auf die Verlängerung des Lockdown bis zum 7. März. Nach wie vor will der Verband eine sportliche Lösung für die Saison, von Annullierung oder Abbruch ist noch nicht die Rede. Ein Problem ist allerdings die unterschiedliche Handhabung in den Bundesländern beim Thema Training. Denn während in Bremen der FC Oberneuland und Werders U 23 und auch die Hamburger Regionalligisten Teutonia Ottensen und Altona 93 trainieren dürfen, warten die niedersächsischen Vertreter weiter auf eine Sondergenehmigung. „Allerdings verstehe ich nicht, dass nicht längst alle Vereine wenigstens den Antrag auf Trainingserlaubnis gestellt haben“, sagt Stebani. Denn das würde die Zeitspanne zwischen dem Ende des Lockdown und dem Wiederbeginn der Saison möglicherweise verkürzen. Stebani spricht von mehreren Optionen, die er für den Neustart habe. „Welche dann gezogen wird, kann ich derzeit aber unmöglich sagen.“

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FCO-Trainer Kristian Arambasic befindet sich also weiter im Wartestand. Die Lockdown-Verlängerung habe ihn nicht überrascht. Und wie groß ist die Hoffnung, dass die Saison tatsächlich noch weitergeht? „Der Glaube ist nicht mehr sehr groß“, sagt er. Weil die Vereine unterschiedlich im Trainingsrhythmus seien, müsse den Vereinen wohl eine Vorbereitung von vier Wochen zugestanden werden. „Nur dann wären wir alle ungefähr auf dem gleichen Fitness-Level.“ Das Problem: Damit würde sich der Neustart noch mal verzögern. Arambasic: „Das ist im Moment alles ein wenig frustrierend. Aber wir trainieren und wollen bereit stehen, wenn es wieder losgehen sollte.“

ATSV Habenhausen erhofft sich Klarheit in der kommenden Woche

Vom Deutschen Handballbund (DHB), der für den Spielbetrieb der 3. Ligen und damit auch für die Männer des ATSV Habenhausen zuständig ist, gibt es am Donnerstag zum weiteren Vorgehen noch keine konkreten Aussagen. „Wenn es etwas zu vermelden gibt, werden wir das tun“, sagt Tobias Krumm aus der Kommunikationsabteilung des DHB. Der Spielbetrieb war ohnehin bis 28. Februar ausgesetzt. „Ich glaube aber nicht, dass der Spielbetrieb in normaler Form zu Ende gebracht wird“, sagt Habenhausens Trainer Matthias Ruckh. Er geht davon aus, dass es Anfang kommender Woche die nächste Videokonferenz geben wird, nach der dann wohl Klarheit herrschen dürfte.

Der ATSV-Coach rechnet damit, dass irgendwann im April mit der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga begonnen wird. Zur Erinnerung: Drittliga-Spielleiter Andreas Tiemann hatte im Januar angekündigt, dass die Saison abgebrochen werde, wenn der Spielbetrieb ab 1. März immer noch nicht möglich sei. Dieses Szenario ist mit der Entscheidung der Ministerpräsidenten am Mittwoch eingetreten. Demnach müsste es jetzt so weitergehen, dass neben der Spielrunde der aufstiegswilligen Drittliga-Vereine auch eine Qualifikationsrunde für den DHB-Pokal angeboten wird. „Bei uns ist aber noch keine Entscheidung gefallen, ob wir daran teilnehmen wollen oder nicht“, sagt Matthias Ruckh. Die Tendenz gehe allerdings eher in Richtung Ja als Nein.

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TV Eiche Horn: Fortsetzung der Saison ist utopisch

Vieles deutet darauf hin, dass im Volleyball die Spielzeit in den 3. Ligen, in der bei den Frauen auch der TV Eiche Horn aufläuft, und in den Regionalligen vorzeitig beendet wird. „Mit diesem Thema wird sich das Präsidium in der kommenden Woche befassen“, sagt der Bundesspielwart des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV), Gerald Kessing. Seit Ende Januar befinde sich der DVV darüber bereits in der Diskussion. „Es ist eigentlich utopisch, im April oder Mai den Spielbetrieb fortzusetzen“, sagt Kessing. Normalerweise endet die Saison im Volleyball im April. Viele Klubs hätten, so Kessing, für die Zeit danach gar keine Hallen reserviert. Und die Fortsetzung des Lockdown bis 7. März bedeute ja keineswegs, dass die Vereine danach auch sofort in die Hallen hineinkönnen.

Nach Monaten ohne Trainingsmöglichkeiten für die meisten Vereine gibt es zu viele Fragezeichen, um die Spielzeit regulär beenden zu können. Falls überhaupt wieder gespielt werden könne, setze der DVV, so Kessing, außerdem die Priorität auf den Jugendbereich, der schon seit Sommer 2020 zur Tatenlosigkeit verdammt ist. „Ich haltre es für aussichtslos, die Saison noch fortzusetzen“, sagt Eiche Horns Trainer Marcus Lentz, „der Abbruch ist der einzig richtige Weg.“ Er hofft, dass im April/Mai die Beachsaison losgehen und danach die Vorbereitung auf die Spielzeit 2021/22 folgen kann.

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Zur Sache

Leistungsdelle erwartet

Der Deutsche Olympische Sportbund befürchtet negative Auswirkungen auf den Nachwuchs im Sport. „Talentsichtungs- und Talentfördermaßnahmen waren und sind nicht wie gewohnt durchzuführen“, sagte Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport. Außerdem habe es fast keine Wettkämpfe gegeben, und die Trainingsmöglichkeiten für den Nachwuchs in den Landeskadern seien seit Monaten eingeschränkt oder gar nicht gegeben. „Bei den Bundeskaderathleten haben wir mindestens einen Jahrgang schon verloren.“ Man müsse abwarten, was dies für den langfristigen Leistungsaufbau bedeute. „Aber eine Leistungsdelle ist zu erwarten.“

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