Sport allgemein

Brückenbauer zwischen Sportlern und Trainern

Der ehemalige Fußballer und Footballer Timo Sürstedt arbeitet für eine Agentur, die Stipendien in Übersee vermittelt.
10.08.2020, 18:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Brückenbauer zwischen Sportlern und Trainern

Timo Sürstedt unterstützt Sportler bei der Stipendiumssuche.

Thorin Mentrup

Vor 15 Jahren hat Timo Sürstedt eine der schönsten Erfahrungen seines Lebens gemacht: Ein halbes Jahr lang verbrachte er dank eines Fußballstipendiums an der Gardner Webb University in North Carolina in den Vereinigten Staaten. Eine Zeit, die ihn noch heute prägt und begleitet: Sürstedt arbeitet auf Provisionsbasis für eine Agentur, die Sportstipendien in Amerika vermittelt.

Die Aufgabe ist Sürstedt auf den Leib geschneidert. Als Fußballer hat er sich in der Region einen Namen gemacht, spielte unter anderem beim TSV Melchiorshausen und beim SV Heiligenfelde. Viele Jahre war er zudem als Trainer aktiv, zuletzt im Stab des TV Stuhr. Sürstedt lebt Sport, lief einst auch für die Weyhe Vikings im American Football auf. In Stuhr hat er seine Traineraufgaben nun nach elf Jahren niederlegt. „Ich will mich noch mehr auf die Agentur konzentrieren“, erklärt er seinen Schritt. Bei College Sports America soll er helfen, im Bereich Fußball noch stärker zu werden.

Sport und Studium im Rahmen eines Stipendiums zu verbinden, sei eine tolle Möglichkeit, sagt Sürstedt. „Du spielst auf hohem Niveau und hast am Ende einen Abschluss. In den USA ist alles perfekt aufeinander abgestimmt, in Deutschland ist das dagegen sauschwer zu organisieren.“ Auch die beruflichen Perspektiven seien im Anschluss an das Stipendium sehr gut: „Du hast Auslandserfahrung, beherrschst eine weitere Sprache fließend und hast bewiesen, dass du auf eigenen Beinen stehen kannst“, nennt der 38-Jährige einige Trümpfe.

Auch sportlich kann das Studium ein Türöffner sein. Ein Beispiel dafür ist Julian Gressel, der in Deutschland den Sprung zum Profi nicht schaffte, sich dann für ein Studium in den USA entschied und dort nun in der höchsten Spielklasse, der Major League Soccer, aktiv ist. Gut möglich, dass auch Sürstedt mal einen zukünftigen Profi vermitteln wird. Das wäre für ihn besonders schön. In erster Linie aber hilft er dabei, jungen Sportlern den Schritt in die USA zu ermöglichen. Er ist ein Brückenbauer für sie.

Bei College Sports America ist Sürstedt seit dreieinhalb Jahren. Zuvor hat er zwei Jahre bereits für eine andere Agentur auf dem umkämpften Markt gearbeitet. Er selbst ging damals auf eigene Faust nach Amerika. Professionelle Hilfe hätte einiges erleichtert, glaubt er. Denn bis die Studenten in den USA ankommen, ist einiges an Vorarbeit vonnöten. Die verrichtet jetzt Sürstedt. Er ist der Fuß in der College-Tür für die angehenden Stipendiaten.

Dem Gesseler Moritz Köster hat Timo Sürstedt geholfen, sich den Traum von den USA zu verwirklichen.

Dem Gesseler Moritz Köster hat Timo Sürstedt geholfen, sich den Traum von den USA zu verwirklichen.

Foto: Thorin Mentrup

Doch wie läuft ein Vermittlungsprozess ab? Agenturen bieten oftmals kostenfrei eine Chanceneinschätzung an. Dabei gibt der künftige Student einen Einblick in seine schulischen und sportlichen Leistungen. Dann beginnen die Gespräche mit den Agenturen, über das Studium allgemein etwa oder über die Colleges, die zu den akademischen und sportlichen Zielen passen. Danach geht es darum, die Trainer in den USA davon zu überzeugen, einen Teil ihres Budgets in die Sportler zu investieren. Das geschieht zum Beispiel über Highlightvideos, die wie beim Gesseler Moritz Köster (s. Bericht oben) unter anderem die besten Paraden zeigen.

Das Kennenlernen findet in der Regel via Videotelefonie statt. Wollen beide Seiten zusammenarbeiten, „versuchen wir, das Beste für den Sportler und seine Familie herauszuholen. Wir versuchen ihr Budget so gering wie möglich zu belasten“, erklärt Sürstedt die Rolle der Agentur. Vollstipendien werden kaum einmal vergeben. Am Ende müsse der Sportler, der sich zudem Sprach- und Wissenstests unterziehen muss, mit seiner Familie entscheiden, welches Angebot er annehme.

„Unsere Aufgabe ist es, die Stipendiaten nicht allein zu lassen, auch wenn sie bereits in den USA sind“, verdeutlicht Sürstedt, dass mit der Vermittlung die Arbeit nicht getan ist. Das Beispiel Köster zeigt es ganz gut: Sürstedt hat den Wechsel zur Cumberland University in Tennessee begleitet.

Er widmet sich seiner Aufgabe mit Herzblut: „Ich finde es toll, junge Leute auf ihrem Weg zu begleiten. Sie machen ihre eigenen Erfahrungen, aber es macht Spaß, ein Teil davon zu sein“, sagt er. Sürstedt, der in Teilzeit bei einer Spedition angestellt ist, hat noch einige Kontakte in die USA, war 2016 etwa bei der Hochzeit eines Freundes aus seiner Zeit an der Gardner Webb University.

Der Agentur, die Sportler aus diversen Bereichen unterstützt und sich vor allem im Golf einen Namen gemacht hat, will er helfen, mehr Fußballer zu vermitteln. Momentan arbeite er viel mit den sozialen Medien, in Zukunft wolle er noch mehr raus, noch mehr Spiele sehen, noch mehr in Kontakt kommen mit Sportlern und Familien. Um ihnen Sport und Studium in den USA zu ermöglichen, aber auch um selbst weiterzukommen. „Irgendwann will ich das hauptberuflich machen“, sagt er.

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