Gleichberechtigte Berichterstattung Newsticker für Athletinnen

Die deutsche Sportberichterstattung dreht sich größtenteils um Männer. Die Nachrichtenseite „Sportfrauen“ will das ändern - und rückt Athletinnen in den Fokus.
18.03.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Newsticker für Athletinnen
Von Lisa Urlbauer

Athletinnen stehen in der Berichterstattung im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Nina Probst will das ändern – und Sportlerinnen ins Rampenlicht holen. Vor vier Jahren hat sie die Nachrichtenseite „Sportfrauen“ gestartet, auf der sich alles um Deutschlands Topathletinnen dreht. Ob Fußball, Handball, Kunstturnen oder Wintersport, gut 60 Berichte veröffentliche die Seite jeden Monat, sagt die Gründerin. „Mein Hauptanliegen ist es, dass Sportlerinnen mehr Aufmerksamkeit bekommen.“ Für ihre Arbeit hat „Sportfrauen“ gerade auch eine Auszeichnung erhalten: Die Nachrichtenseite gehört zu den 32 Projekten, die die Bundesregierung in diesem Jahr als Kultur- und Kreativpiloten ehrt (siehe Infokasten).

15.000 Leserinnen und Leser erreiche „Sportfrauen“ jeden Monat, sagt Probst, darunter Fans, Funktionäre, Vereinsmitglieder und die Sportlerinnen selbst. Die 30-Jährige arbeitet als freiberufliche Texterin und Redakteurin, zuvor hat sie unter anderem für die „Augsburger Allgemeine“ und den „Münchner Merkur“ über Lokalsport berichtet. Außerdem ist sie Abteilungsleiterin der Leichtathletik in einem Sportverein. Vier Texterinnen und ein Web-Entwickler ergänzen das Team von „Sportfrauen“.

Seit Ende 2020 kooperiert die Nachrichtenseite mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), um neben der Hintergrundberichterstattung auch einen Newsticker anzubieten. Nun informiert „Sportfrauen“ als nach eigenen Angaben erstes Angebot umgehend über die neusten Entwicklungen im deutschen Frauensport. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig. Da ist es schwierig, tagesaktuell zu berichten“, sagt Probst. Das übernimmt nun der SID-Ticker. „Wir können uns auf Hintergründe, Reportagen und Interviews fokussieren.“ Darüber hinaus veröffentlicht „Sportfrauen“ gemeinsam mit der Nachrichtenagentur seit Mitte Februar eine multimediale Serie über Spitzensportlerinnen auf ihrem Weg nach Tokio. Die ersten Folgen mit dem Beachvolleyballteam Karla Borger und Julia Sude, Radprofi Emma Hinze und Kunstturnerin Elisabeth Seitz sind bereits online.

Auch Meinungsbeiträge veröffentlicht das Redaktionsteam – zu sportpolitischen Themen wie der Verschiebung der Olympischen Spiele vergangenes Frühjahr zum Beispiel, aber auch zum weiblichen Zyklus im Leistungssport und den Debatten um gendergerechte Sprache in den Medien. Klischeebehaftete Berichterstattung über Spitzensportlerinnen kommentiert die Redaktion auch. Früher standen im Sportjournalismus über Frauen oft Nebensächlichkeiten im Vordergrund, sagt Probst. Etwa, ob eine Athletin geschminkt sei oder nicht. Das sei heute zwar nicht mehr so häufig der Fall, komme aber immer noch vor.

Bei „Sportfrauen“ gehe es um die Leistungen der Athletinnen, um die Herausforderungen, vor denen sie stehen und wie sie diese meistern. Probst und ihr Redaktionsteam wollen die Athletinnen in die Öffentlichkeit bringen. „Die meisten Sportler verdienen ihr Geld über Sponsoren“, erklärt Probst. „Deswegen ist es wichtig, dass sie bekannt sind.“ Darüber hinaus möchte Probst mit ihrer Arbeit den Nachwuchs motivieren. Jungs hätten oft Sportler als Vorbilder, denen sie nacheifern könnten, sagt die Journalistin. Bei Mädchen sei das seltener der Fall, weil sie die Sportlerinnen gar nicht erst kennen. Die Nachrichtenseite „Sportfrauen“ will mit ihrer Berichterstattung dafür sorgen, dass sich das in Zukunft ändert.

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Zur Sache

Auszeichnung für kreative Köpfe

32 Unternehmen erhalten seit 2010 jährlich die Auszeichnung als Kultur- und Kreativpiloten. Der Preis richtet sich an Unternehmen aller Größen, Selbstständige, Gründerinnen und Gründer sowie Projekte aus der Kultur- und Kreativbranche und an der Schnittstelle zu anderen Bereichen. Geehrt wurden nach Angaben der Organisatoren Anfang März „Menschen, die Mut beweisen, Engagement zeigen und sich immer fragen: Was kann ich noch besser machen?“ Das Bundeswirtschaftsministerium und Staatsministerin Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur- und Medien, sind gemeinsamer Initiator der Auszeichnung. Die Ausgezeichneten erhalten ein einjähriges Mentoring-Programm, um ihr Unternehmen weiterzuentwickeln.

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