Kommentar über Medien und Frauensport

Sportlerinnen werden weniger wahrgenommen

Mehr Frauen sollte es im Sportjournalismus und in den Führungsebenen des Sports geben, meint Elke Regensdorff-Gloistein vom Landessportbund Bremen.
12.12.2019, 07:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Regensdorff-Gloistein
Sportlerinnen werden weniger wahrgenommen

Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und die Frauenfußball-Nationalmannschaft können sich über die Medienresonanz kaum beklagen. Allgemein jedoch ist der Frauensport in lokalen und regionalen Medien unterrepräsentiert.

Sebastian Gollnow/DPA

Geht es um geschlechtergerechte Darstellung in den (Sport)Medien gibt es noch viel zu tun. Auf der Konferenz „Augenhöhe oder Brustumfang“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stellten Professor Thomas Horky und die Studentin Annika Prigge von der Hochschule Macromedia in Hamburg die ernüchternden Ergebnisse vor: In den ausgewählten Regionen, auch in deutlich höher spielenden Frauenteams in verschiedenen Sportarten, lag der Anteil der Berichterstattung über Frauen im Sport in lokalen und regionalen Medien bei nicht einmal bei zehn Prozent – trotz der Tatsache, dass rund 40 Prozent der Mitglieder im DOSB beziehungsweise in seinen Mitgliedsorganisationen Frauen sind.

Das Fazit der Veranstaltung: Frauen werden in der Berichterstattung weniger wahrgenommen als Männer. Besonders schwierig ist es, dass über Frauen auch anders als über Männer berichtet wird. Männer werden überwiegend aktiv in Bildern in ihren Sportarten dargestellt; Frauen in der Mehrheit passiv, sitzend oder stehend. Hier gilt: Bei Frauen scheint vieles relevanter zu sein als das, was letztlich eine Sportlerin ausmacht, nämlich die Leistung.

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Das Kinderhilfswerk „Plan International“ kam zum – ebenfalls ernüchternden – Ergebnis, dass speziell soziale Medien mit ihrem modernen und jugendlichen Anspruch tradierte Rollen geradezu festigen. Hier ist noch eine Menge Arbeit zu leisten und es muss, besonders in den sozialen Medien, auch von Frauen mit anderen Bildern dagegengehalten werden.

Ein Grund für diese Ergebnisse ist, dass Männer über Männer schreiben. Es gibt also noch immer einen starken Nachholbedarf besonders auch in der Präsentation weiblicher Vorbilder. Wir benötigen mehr Frauen im Sportjournalismus und in den Führungsebenen des Sports. Es gilt: Je tiefer das Thema in den Köpfen der Entscheider und Entscheiderinnen verankert ist, je größer werden die Chancen, dass mutige Frauen nicht im Hintergrund bleiben, sondern sichtbar werden. Wir müssen auch Strukturen schaffen, die es Frauen ermöglichen, sich neben Beruf und Familie ehrenamtlich im Sport einzubringen.

Der Landessportbund Bremen (LSB) hat sich das Ziel gesetzt, die Chancengleichheit der Geschlechter grundsätzlich für die Zukunft zu verankern. Der Ausschuss „Frauen und Gleichstellung“ setzt sich dafür ein, dass mutige Frauen sichtbar gemacht werden. Wir wollen auch Mut machen: „Wir alle können und wollen! Engagiere Dich, zeige Dich in Deiner Begeisterung, in Deinem Tun! Gleichstellung ist nach wie vor ein aktuelles Thema (nicht nur) im Sport!

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Zur Person

Unsere Gastautorin ist seit November 2018 Vorsitzende des Ausschusses „Frauen und Gleichstellung“ und Mitglied im Präsidium des Landessportbundes Bremen.

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