Weitere Lockerungen für Sportvereine

Der Ball darf wieder rollen

Auf diesen Tag haben die Sportler lange gewartet: Endlich dürfen sie auf Freiluftanlagen wieder in größeren Gruppen trainieren. Abstands- und Hygieneregeln gelten weiter, Wettkämpfe sind noch untersagt.
06.05.2020, 21:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörg Niemeyer und Mathias Sonnenberg
Der Ball darf wieder rollen

Ab diesem Donnerstag ist Sport unter freiem Himmel in Bremen und Niedersachsen wieder möglich – auch in Gruppen, wenn deren ­Mitglieder die gegen­wärtigen Abstands- und Hygienevorschriften einhalten. Der ATS Buntentor war am Montag bereits vorgeprescht, als er noch ohne offizielle Genehmigung unter anderem auch seinen Fußball-D-­Mädchen (Foto) das Training gestattete.

Frank Koch

Der 7. Mai 2020 fühlt sich für Bremens Sportler wie ein Tag der Befreiung an. Es ist der Tag, an dem während der Corona-Krise die für sie bisher umfassendsten Lockerungen in Kraft treten werden. Der Tag, den Verbands- und Vereinsvertreter ebenso herbeigesehnt haben wie die Mitglieder in den Klubs. Ab diesem Donnerstag dürfen die Aktiven unter freiem Himmel endlich wieder in Mannschaftsstärke trainieren. Immer noch unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, aber nicht mehr nur zu zweit. Die Videokonferenz der Bundeskanzlerin mit den 16 Ministerpräsidenten hatte am Mittwochmittag den Weg für die Lockerungen freigemacht. Nachmittags verbreitete Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) in einer Pressemitteilung dann die erlösende Nachricht. Ebenfalls in einer Telefonkonferenz hatte der Bremer Senat zuvor die entsprechende Änderung der Allgemeinverfügung beschlossen.

Nachdem Deutschlands Spitzenpolitiker in ihrer Runde den Rahmen für weitere Lockerungen abgesteckt hatten, war es Sache der jeweiligen Landesregierungen, Details bekannt zu geben. So sieht es das föderale System vor, und deshalb ging der erste Dank des Präsidenten des Landessportbundes Bremen (LSB) auch an Anja Stahmann, ihren Staatsrat Jan Fries (Grüne) und Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). „Ich freue mich, dass unsere Gespräche im Hintergrund zu diesem gemeinsam abgestimmten Vorgehen geführt haben“, sagte Andreas Vroom. Er hatte sich über weitere Öffnungen des Bremer Sports bereits in engem Austausch mit den politischen Entscheidungsträgern befunden, als der ATS Buntentor am Montag auf seiner Anlage auf dem Stadtwerder eigenmächtig schon wieder in Gruppen trainieren ließ.

Buntentors Vereinsvorsitzender Jürgen Maly, im Hauptberuf Jurist, hatte am vergangenen Wochenende ein Gutachten erstellt, dem zufolge mehr als nur der Trainingsbetrieb zu zweit möglich sein sollte. Obwohl diese Einschätzung gegen die aktuelle Allgemeinverfügung verstieß und als Provokation gewertet werden konnte, schritt das Bremer Ordnungsamt nicht ein, als am Montag nach den Turnern und Zumba-Tänzerinnen auch die Fußball-D-Mädchen des ATS Buntentor in der Gruppe und mit Ball trainierten. Im Nachhinein vielleicht ein Indiz dafür, dass die entsprechende Lockerung nahe bevorstand.

Anja Stahmann

Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann.

Foto: Christina Kuhaupt

„Der heutige Beschluss des Senats ist wichtig für unsere Vereine und eine gute Botschaft für alle Aktiven“, begrüßte auch Bremens Fußball-Präsident Björn Fecker am Mittwoch zufrieden die Mitteilung von Anja Stahmann. "Jeder Schritt der Lockerung ist ein positiver Schritt“, sagte Bremens Handball-Verbandspräsidentin Monika Wöhler und mahnte zugleich: „Wir wissen, dass wir mit den Hallensportarten nicht gleich wieder loslegen können, aber wir dürfen nicht vergessen werden.“ Diese Gefahr scheint jedoch auch nicht zu bestehen. Die Nutzung von Hallen müsse unter Einhaltung von Hygienevorschriften schrittweise wieder möglich werden, teilte die Sportsenatorin mit. In Einzelfallprüfungen solle beim Sportamt entschieden werden, wo und in welchem Umfang das Hallentraining wieder aufgenommen werden könne.

Nachdem Niedersachsen am Mittwoch, anderthalb Wochen später als Bremen, den Sportbetrieb im Freien wieder zugelassen hat und unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften dann gleich wieder Training in Gruppen gestattete, befinden sich beide Bundesländer jetzt etwa auf dem gleichem Stand. Während Niedersachsen in seiner Verordnung allerdings „keine pauschale Begrenzung“ der Gruppengröße definiert, dafür aber einen Mindestabstand zwischen den Sportlern von zwei Metern vorschreibt, macht Bremen neben dem Mindestabstand von 1,5 Metern eine weitere Vorgabe: Die Allgemeinverfügung legt auf den Sportanlagen rechnerisch zehn Quadratmeter pro Spielerin und Spieler zugrunde.

Grundsätzlich gilt in Bremen und Niedersachsen, dass Umkleideräume, Duschen, Vereinsheime und Gaststätten weiterhin geschlossen bleiben. Aber mit der Erlaubnis des Trainings in größeren Gruppen dürfte ein Wunsch vieler Sportler in Erfüllung gehen: der Wunsch nach dem Miteinander. „Der soziale Zusammenhalt fehlte in den vergangenen Wochen“, sagte mit Ekkehard Lentz der Pressesprecher eines großen Bremer Vereins, Tura. In seinem Klub würden, da die Hallen noch dicht sind, inzwischen sogar die Tischtennisspieler in Erwägung ziehen, ihre Tische im Freien aufzustellen. „Die Leute wollen wieder in Bewegung kommen“, sagte Lentz. Und offensichtlich sind der Phantasie bei diesem Bestreben keine Grenzen gesetzt.

Bei aller Freude über die Lockerungen appellierten sowohl die Politiker als auch die Sportfunktionäre an die Vernunft der Vereinsübungsleiter. "Sie stehen in besonderer Verantwortung, dass ihre Sportler die Verhaltensregeln auch einhalten", sagte LSB-Chef Vroom, "alle müssen das Ansteckungsrisiko weiterhin sehr ernst nehmen." Auch die Sportsenatorin fand deutliche Worte. "Je mehr wir die staatlich verordneten Beschränkungen lockern, desto mehr Eigenverantwortung ist im Gegenzug gefragt“, sagte Anja Stahmann, "alle Öffnungen können nur funktionieren, wenn wir gleichzeitig sicherstellen, dass wir das Infektionsgeschehen damit nicht wieder dramatisch anfachen." Denn klar ist seit Mittwoch auch: Wenn die Anzahl der Infizierten stark ansteigen sollte, werden die Lockerungen umgehend zurückgenommen.

Info

Zur Sache

Bremens Fußballer erörtern kommende Woche den weiteren Saisonverlauf

Mit dem Beschluss am Mittwoch ist der Trainingsbetrieb in Gruppen auch im Fußball wieder erlaubt. Aber wie geht es im Bereich des Bremer Fußball-Verbands (BFV) mit dem Spielbetrieb weiter? Mit den Vereinen sei für die kommende Woche eine Videokonferenz angesetzt, sagte BFV-Präsident Björn Fecker am Mittwoch. Dabei soll ein Meinungsbild aller Klubs eingeholt werden, wie der weitere Saisonverlauf sein könnte. Da es bis zum 5. Juni weiterhin ein Kontaktverbot gibt, sind bis dahin auch Fußballspiele ausgeschlossen. Das hat für den BFV Konsequenzen. „Damit ist klar, dass wir unsere Saison auf keinen Fall vor den Sommerferien beenden könnten", sagte Fecker, "wir müssen jetzt alle Szenarien prüfen." Diese Szenarien lauten: Entweder sofortiger Saisonabbruch, oder die Saison wird weitergespielt mit möglicher Pause in den Sommerferien. Oder die Saison wird erst ab dem 1. September wieder aufgenommen und dann fortgesetzt. Unabhängig von dieser Frage, so Fecker, erarbeite der Deutsche Fußball-Bund gerade einen Maßnahmenkatalog für die Rahmenbedingungen und einen Muster-Trainingsplan. Beides soll am Freitag den Vereinen zugestellt werden.

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