Handball

Sprung in die Bundesliga

Die 17-jährige Naomi Conze ist seit Kurzem fester Bestandteil des Werder-Kaders der ersten Handball-Damenmannschaft. Damit spielt sie erstmals auch in der Bundesliga der Erwachsenen mit.
15.11.2019, 19:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Kim Torster
Sprung in die Bundesliga

Naomi Conze (SV Werder Bremen, 5) ist seit Sommer im Team der ersten Damenmannschaft. Mit 17 Jahren gehört zu den jüngsten Spielerinnen.

Oliver Baumgart (hansepixx)

Bremen. Naomi Conze ist außerordentlich schwer beschäftigt für eine 17-Jährige. Mit einer großen Tasche bepackt erscheint sie beim Interview. Sie komme vom Lehrgang, sagt sie auf Nachfrage. Sie erwähnt das so nebenbei, als sei das keine große Sache. Dabei gehört der „Lehrgang“, von dem Conze spricht, zur Vorbereitungsphase der U 18 Handball-Nationalmannschaft. Conze winkt ab, sie sei ja schon seit vergangenem Jahr dabei. Also wirklich nichts besonderes?

Die 17-Jährige ist eines der großen Nachwuchstalente in Werders Handballabteilung. Im August lief sie bei der U 17-Europameisterschaft im Deutschlandtrikot auf. Seit Sommer ist sie außerdem fester Bestandteil der ersten Damenmannschaft vom SV Werder Bremen, die in der zweiten Bundesliga spielt. Obwohl sie dort zu den Jüngsten gehört, läuft sie seit einiger Zeit mit der Startmannschaft auf. „Sportlich hat Naomi sich schon viele Spielanteile in der ersten Damen erarbeitet“, sagt Trainer Dominic Buttig. Ihre Stärke sei unter anderem ihre Fokussierung: dass sie gut umsetze, was Buttig mit ihr bespreche. Aber auch ihre Wurfstärke. Conze selbst sagt, ihre Größe sei oft hilfreich. Mit 1,86 Metern ist sie größer als die meisten anderen Spielerinnen. Von ihrer Position aus – im linken Rückraum – könne sie deshalb oft frei werfen.

Als Conze im Sommer den Sprung von der zweiten in die erste Damenmannschaft schaffte, habe sie das schon überrascht, sagt sie. Besonders vor dem ersten Spiel sei sie sehr nervös gewesen. Aber mittlerweile habe sich das gelegt. „Ich mache mir da keinen Stress“, sagt sie. Es mache ja auch mehr Spaß. Klar, das Niveau sei definitiv höher. Spiele sowie Training seien schneller, anstrengender. Viermal pro Woche trainiert die Mannschaft, zweimal pro Woche traininert Conze außerdem in ihrer Schule, die einen besonderen Sport-Schwerpunkt vertritt: die Oberschule Ronzelenstraße in Horn. Das sei sehr hilfreich, sagt sie. An ihrer Schule habe man viel Verständnis für sportlichen Ehrgeiz. Wenn sie mal eine Woche fehle, – so wie jetzt, weil Conze auf einem Lehrgang war – würden die Lehrer sogar anbieten, mit ihr den Stoff nachzuholen. Conze ist in der zwölften Klasse, 2021 macht sie ihr Abitur. Ihre Leistungskurse: Mathe und Sport. Mathe fiel ihr schon immer leicht, sagt sie. „Dafür muss man nicht so viel lernen, wenn man es verstanden hat.“

Schule und Handball – viel Freizeit bleibt da nicht. Manchmal, sagt Conze, sei sie schon traurig, wenn sie ihren Freunden absagen müsse oder wieder nicht auf eine Party gehen kann, weil sie am Wochenende Spiele hat. „Dann frage ich mich schon: Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Aber dann würde immer wieder irgendwas Gutes passieren. „Handball gleicht das immer irgendwie aus“, sagt sie. Die Freizeit, die Conze hat, nutze sie vor allem mit Familie und Freunden. „Mein ganzes Leben dreht sich um Handball, und dann bin ich froh, wenn ich zu Hause mal nicht über Handball reden muss.“ In Conzes Familie ist sie die erste, die Handball spielt. Viele Mitspielerinnen auf ihrem Niveau kommen aus richtigen Handball-Familien, haben das Spiel sprichwörtlich mit der Muttermilch eingesogen. Einen Nachteil habe sie aber deshalb nicht, sagt Conze. Sie spiele ja auch schon sehr lange.

Mit vier Jahren hat Conze mit dem Handballspielen begonnnen. Seitdem habe sie auch andere Sportarten ausprobiert, Fußball zum Beispiel. Aber Handball sei immer ihr Favorit gewesen. Vor allem die Geschwindigkeit des Spiels und dass immer viele Tore fallen, habe ihr zugesagt. Dabei zuzuschauen findet sie trotzdem nicht so spannend. „Ich gucke ganz selten Handball“, sagt Conze. „Höchstens mal bei den Nationalmannschaften.“ Sie spiele eben lieber selbst. Und gerade läuft das ja auch ganz gut für die 17-Jährige. Auch Trainer Buttig sieht optimistisch in Conzes Zukunft – sowohl bei Werder als auch in der U 18-Nationalmannschaft. Er sagt: „Wenn sie weiter so an ihrer Entwicklung arbeitet wie bisher, bin ich sicher, dass sie Teil des WM-Kaders im kommenden Sommer sein wird.“

Conze fällt es schwer, feste Ziele für die Zukunft zu formulieren. Schon ihre aktuelle Situation sei mehr, als sie geglaubt hätte erreichen zu können. Bei Werder, aber auch im Nationaltrikot fühle sie sich sehr wohl. Weil bei der Nationalmannschaft alle in ihrem Alter seien, verstehe sie sich dort besonders gut mit ihren Mitspielerinnen. „Wir ticken alle gleich“, sagt sie. Sicher sei der Konkurrenzgedanke da – „aber nicht so krankhaft.“ Was in zwei Jahren sei, kann sie nicht sagen. Vielleicht geht sie nach dem Abitur für ein Studium in eine andere Stadt – Conze weiß es noch nicht. „Weiterhin oben mitspielen“ möchte sie, das kann sie jetzt schon sagen. Und darüber hinaus? Conze wirkt, als wage sie kaum daran zu denken: Bei Olympia auflaufen – „das erhofft man sich“, sagt sie. Und meint damit eigentlich: „Ich erhoffe mir das.“

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Wichtiges Kellerduell

An diesem Sonnabend um 19.30 Uhr haben die Werder-Handballerinnen Aufsteiger HSV Solingen zu Gast. Die Mannschaften belegen derzeit die letzten beiden Plätze in der Tabelle; Werder liegt mit einem Sieg aber vor Solingen. Für die beiden Teams könnte das Spiel in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle also für den weiteren Verlauf der Saison entscheidend sein. Im Werder-Team hatten in dieser Woche einige Spielerinnen mit Erkältungen zu kämpfen. Trainer Buttig erwartet für das Spiel aber keine Ausfälle.

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