Organisatoren klagen über Auflagen Streit mit der Stadt: Velotörn in Bremen abgesagt

Eine attraktivere Strecke sollte es in diesem Jahr beim Bremer Velotörn werden - und genau daran scheitert die Organisation. Für die Organisatoren sind die Auflagen der Stadt nicht leistbar.
07.08.2018, 17:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Büter

Lange haben die Veranstalter für die Durchführung des Velotörns 2018 gekämpft, jetzt aber wurde das für den 8. und 9. September terminierte Radsportevent abgesagt. Nach zwei erfolgreichen Jahren in der Überseestadt hatte der Veranstalter die geplante dritte Auflage durch eine geänderte Streckenführung über die Hochstraße am Breitenweg für die Teilnehmer noch attraktiver gestalten wollen – und ist nun offenbar genau daran organisatorisch gescheitert.

Die Hochstraße ist an sich nicht für den Radverkehr zugelassen, verfügt somit auch nicht über eine dafür nötige Geländerhöhe von 1,30 Meter. Das Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) hatte den Veranstaltern Oliver Gehrking und Uwe Vahrenkamp deshalb bereits am 26. Februar dieses Jahres schriftlich die Auflage erteilt, einen Bauzaun zur Absicherung der Hochstraßenpassage aufzustellen (das Schriftstück liegt der Redaktion vor). Dies aber will der Ausrichter nicht leisten.

„Die Auflagen sind unverhältnismäßig und mit viel zu hohen Kosten verbunden“, sagt Oliver Gehrking. „Wir sind nicht bereit, einen fast fünf Kilometer langen Bauzaun aufzustellen, den wir für unsinnig halten.“ Und nachdem auch bei einem kurzfristig anberaumten Dringlichkeits-Meeting mit Vertretern der Stadt kein Kompromiss gefunden worden war, sahen sich die Veranstalter nun gezwungen, den Velotörn, der auf einem etwa zwölf Kilometer langen Rundkurs mit Start und Ziel in der Überseestadt auch durch die City führen sollte, abzusagen.

Alles war bis ins Detail geklärt

„Die behördliche Entscheidung ließ uns da keine Wahl“, sagt Gehrking, der nach eigenen Angaben nun mit einem Verlust in fünfstelliger Höhe rechnet. Die rund 500 vorangemeldeten Teilnehmer für die beiden Hauptrennen werden ihr Startgeld aber zurückbekommen, kündigt der Orga-Chef an. Gemeinsam mit Uwe Vahrenkamp hatte er viel Zeit in die Organisation und die Ausarbeitung der neuen Streckenführung investiert.

Mit der Polizei und der Bremer Straßenbahn AG sei alles bis ins Detail geklärt gewesen, betont Gehrking. Nicht aber mit dem ASV. Dort wurde zuletzt erneut auf das zu niedrige Brückengeländer und die Notwendigkeit der Gefahrenabwehr verwiesen. Was Gehrking mit Blick auf andere Veranstaltungen doch sehr verwundert hat.

„In den vergangenen Jahren konnten vergleichbare Radsport-Veranstaltungen wie die Bremen Challenge und bis heute die ADFC-Hochstraßentour auf genau denselben Streckenabschnitten ohne derartige Auflage durchgeführt werden“, sagt Oliver Gehrking. Das Thema habe man in diversen Genehmigungsmeetings mit ASV-Beteiligten diskutiert und dabei auch nach Alternativen gesucht. „Leider ist vonseiten der Behörde kein Entgegenkommen zu spüren gewesen“, so der Cheforganisator.

Verweis auf Hochstraßentour hinkt

Jens Tittmann, der Pressesprecher des Verkehrssenators Joachim Lohse, widerspricht: „Man kann sich ja nicht einfach über eine bundesweit geltende Verordnung hinwegsetzen. Die Sicherheit geht vor.“ Die Organisatoren seien frühzeitig auf diese Problematik aufmerksam gemacht worden, betont Tittmann. „Sie haben es lange ausgesessen und am Ende dann versucht, politischen Druck auszuüben.“

Der Verweis auf die Hochstraßentour des ADFC, die am 16. September übrigens zum 13. Mal stattfinden wird, hinke zudem. „Auch der ADFC bekommt selbstverständlich seine Auflagen“, sagt Tittmann. Diese sähen so aus, dass die von Tourguides begleiteten Radler nur die Innenspur der Hochstraße nutzen. Die Machbarkeit einer solchen Auflage, also die Beschränkung auf die Fahrbahnmitte, war nun noch einmal Thema bei einem Treffen, an dem unter anderem Jens Deutschendorf als Staatsrat für Bauen und Verkehr, Veranstalter Uwe Vahrenkamp und ASV-Amtsleiterin Brigitte Pieper teilnahmen.

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„Dort haben wir uns sachlich mit der Problematik auseinandergesetzt“, schildert der als Experte geladene Bernd Rennies. Der pensionierte Polizist und erfahrene Radsportler hält die Errichtung eines Bauzauns weder finanziell noch zeitlich für umsetzbar, er sagt aber auch: „Gefahren müssen ausgeschaltet werden.“ Den Ansatz, die rechte Fahrspur auch unter Androhung eines Rennausschlusses für die Radsportler zu sperren und dadurch seitlich Platz zum nur 70 Zentimeter hohen Brückenrand zu schaffen, fand Rennis derweil sinnvoll.

Die Fahrspur zu verjüngen, wäre auch laut Jens Tittmann eine denkbare Maßnahme gewesen. Allein ASV-Amtsleiterin Brigitte Pieper gefiel dieser Kompromissvorschlag in der sechsköpfigen Runde nicht. „Sie war nicht bereit, das zu unterschreiben“, sagt Bernd Rennies. „Das war für uns der Dolchstoß“, bedauert Organisator Uwe Vahrenkamp.

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