Wenig Anträge eingegangen Gebremste Förderung der Sportstiftung Bremen

Nur wenige Anträge gingen 2020 bei der Sportstiftung Bremen ein - neben Corona liegt das auch an einem Rechtsstreit mit dem SV Werder. Ein Gütetermin wurde abgelehnt, es kommt zum Gerichtsverfahren.
23.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Gebremste Förderung der Sportstiftung Bremen
Von Olaf Dorow

Die Zahlen sind zurückgegangen, wen wundert es. 2019 kamen im Frühjahr 14 Athletinnen und Athleten in den Genuss von Fördermitteln durch die Sportstiftung Bremen. Im Winter konnten 17 ambitionierte Bremer Nachwuchssportler zur symbolischen Übergabe eingeladen werden. Festlich ging es zu im Kaminsaal des Rathauses. 2020 sah es so aus: Festakte mussten ausfallen, Fördergeld erhielten im Sommer acht, jetzt im Winter fünf Athleten. Nur fünf. Die Gründe: vor allem Corona, zusätzlich aber auch noch ein sich aufschaukelnder Rechtsstreit mit dem SV Werder. Aktive aus Bremens größtem Sportverein fehlten bereits 2019 auf der Förderliste, sie fehlen 2020 und werden dort wohl auch im kommenden Jahr nicht auftauchen.

2019 fiel das noch nicht weiter auf. In diesem Jahr schon. Zuhauf mussten Wettkampfreisen oder Fahrten in ein Trainingslager abgesagt werden, vor allem dafür werden für gewöhnlich die Förderanträge bei der Sportstiftung gestellt. Die Stiftung, die vor allem Spendengelder einsammelt, habe gut gewirtschaftet, sagt Anke Precht. Sie bildet zusammen mit Ex-Bundesligaschiedsrichter Peter Gagelmann und dem früheren Spitzensprinter Lars Figura den Vorstand.

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Das gute Wirtschaften sei gelungen, obwohl zum Beispiel die große alljährliche Sportgala, wichtige Einnahmequelle der Stiftung, diesmal nur als Light-Version durchgeführt werden konnte. Kaum Wettkämpfe, kaum Trainingslager. Gleich: kaum Anträge, die den Förderkriterien entsprochen hätten. „Die Sportler konnten nicht zeigen, was sie drauf haben, da blutet uns das Herz“, sagt Anke Precht. Es seien in der zweiten von traditionell zwei Runden pro Jahr sechs Anträge gestellt worden. Vier davon, für insgesamt fünf Sportler, hätten den Richtlinien entsprochen. 5864 Euro konnten ausgeschüttet werden. Die Unterstützung ist als eine Art Anschubfinazierung und Motivationshilfe gedacht für die jungen Sportler.

Der SV Werder, bei dem in der so genannten „Late Season“ vor allem die Leichtathletik-Talente für überregionale Erfolge gesorgt hatten, stellte erneut keine Anträge. „Unter diesen Umständen können wir das unseren Sportlern und ehrenamtlichen Funktionsträgern nicht zumuten“, sagt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Die Umstände: Die Sportstiftung hat Werder verklagt. Zwischen 2014 und 2018 förderte sie in Summe Werder-Sportler mit rund 13.000 Euro.

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Der grün-weiße Verein hatte das Geld dann zu 60 Prozent an die Aktiven ausgezahlt und zu 40 Prozent an Trainer, quasi als Kostenzuschuss für deren Aufwendungen für Reisen in Trainingslager oder zu Wettkämpfen. Die Stiftung wollte 100 Prozent für die Sportler und berief sich auf die Förderrichtlinien. Man sprach miteinander, man diskutierte, Werder zahlte circa 40 Prozent zurück. Die Stiftung beharrte darauf, dass alles zurückgezahlt werden müsse, auch der Rest. 7115 Euro. Der Zank mündete in einer Klage der Stiftung und landete beim Landgericht.

Ende November verfügte das Gericht: Es halte die Sache grundsätzlich geeignet für eine Verhandlung vor dem Güterichter. Eine so genannte Güterichterverhandlung dient für gewöhnlich dazu, Zeit und Kosten zu sparen und einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können. Die Seite Sportstiftung wollte mit diesem Güteversuch aber nicht leben und lehnte eine Mediation ab. Man sei arglistig getäuscht worden, schrieb der Rotenburger Anwalt Johannes Künzle, der die Sportstiftung vertritt. Werder, so sagt es Hubertus Hess-Grunewald, wäre zu einem Gütetermin bereit gewesen. Anke Precht aus dem Vorstand der Stiftung sagt, dass sie zu der Sache nichts weiter sagen möchte. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.

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Es wird wohl noch eine Weile laufen mit diesem Verfahren, in dem es zumindest vordergründig um die vergleichsweise übersichtliche Summe von 7115 Euro geht. Vor der vierten Zivilkammer werde nun verhandelt, teilt das Landgericht mit. Aktuell laufe das schriftliche Vorverfahren, das heiße, die Klage sei zugestellt und die Klageerwiderung werde geschrieben. Einen Termin für die mündliche Verhandlung gebe es noch nicht, voraussichtlich wird er in der zweiten Jahreshälfte 2021 liegen. „Bis zum Ende des Verfahrens werden wir bestimmt keine Förderanträge für unsere Sportlerinnen und Sportler stellen“, sagt Hubertus Hess-Grunewald.

Die Förderung junger Leistungssportler ist in Bremen gleichzeitig allseits gewollt wie schwierig umzusetzen. Ein begleitender Rechtsstreit dürfte eher nichts sein, was sie erleichtert. Zuletzt hatten die Bemühungen um eine bessere Infrastruktur für heranwachsende und zumindest potenzielle Spitzensportler einen weiteren Dämpfer bekommen, als das Projekt „Haus der Athleten“ ins Stocken geriet. In dem Komplex an der Bürgermeister-Smidt-Straße wird es sich nicht umsetzen lassen. So hatte es die Stiftung geplant. Das Aus für das Sportinternat in der Innenstadt bedeute aber nicht das Aus für die Projektpläne, sagt Anke Precht. „Wir bleiben da am Ball“, sagt sie. Es geht weiter, in mehrfacher Hinsicht quasi.

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Zur Sache

5864 Euro für junge Sportler

Zum zweiten Mal fördert die Sportstiftung Bremen 2020, diesmal mit insgesamt 5864 Euro, jungen Athletinnen und Athleten: Karina Schönmaier, Kunstturnerin vom TuS Huchting. Sie holte gleich vier Medaillen bei den den Deutschen Jugend-Meisterschaft. Denis Zenelaj, Basketballer der Eisbären Bremerhaven. Der Zweimeter-Hüne zählt zu den Leistungsträgern in der Nachwuchs-Basbetball-Bundesliga (NBBL). Jerry Ndhine, Basketballer der BTS Neustadt. Er gilt als großes Talent unter den Körben und spielt auch für das Nachwuchsteam von Bundesligist EWE Baskets Oldenburg. Thomas Reys und Jonte Winkler, Kanuslalum-Sportler vom Verein Störtebeker. Sie holten bei den deutschen Schülermeisterschaften Gold (Reys) beziehungsweise Rang vier (Winkler).

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