Fischtown Pinguins

"Tag der Fans" in Bremerhaven

Die Fischtown Pinguins eröffnen mit ihren Fans die Saison und wollen Bremerhavens DEL-Märchen fortsetzen. Das Team um Trainer Thomas Popiesch geht nun in die dritte Saison im Eishockey-Oberhaus.
12.08.2018, 21:17
Lesedauer: 4 Min
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Von Oliver Matiszick
"Tag der Fans" in Bremerhaven

Team Präsentation vor dem Saisonstart: Autogramme von Andrew McPherson waren heiß begehrt.

Hartmut Adelmann

Die Zeit seit dem 23. März, jenem Tag, an dem die Fischtown Pinguins in der DEL ihr fünftes und letztes Spiel im Play-off-Viertelfinale gegen den EHC München bestritten, war lang. Wie lang, das ist Geschäftsführer Hauke Hasselbring in diesen Tagen erst so richtig bewusst geworden. Weil er nun mehr als vier Monate vor allem das Gesicht von Alfred Prey gesehen hat, ihm gegenüber im Büro. Nichts gegen das Gesicht des Teammanagers mit dem charakteristischen Schnauzbart, aber Eishockey sieht Hasselbring dann auch ganz gerne. Und das am besten in Kombination mit dem unerschütterlichen Pinguins-Rückhalt, der so verlässlich ist wie der Tidenhub der Weser: den Fans. "Schön, dass ihr hier seid – schön, euch zu sehen", sagte Hassselbring also am Sonntagmittag auf dem Platz vor dem Mediterraneo. Bremerhaven feierte seine Pinguins, die Pinguins feierten Fischtown – beim "Tag der Fans".

Rund 1500 von ihnen waren gekommen, um sich das Ergebnis jener vier Monate Büroarbeit von Hasselbring und Prey anzusehen. Gemeinsam mit Trainer Thomas Popiesch hatten die Pinguins-Macher am Kader für die neue Saison geschraubt, die nun schon die dritte im Eishockey-Oberhaus sein wird. "Man sagt, die zweite DEL-Saison wird die schwerste – und die haben wir gemeistert", blickte Hasselbring zurück. Und sie hatten sie ja nicht nur irgendwie gemeistert.

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Sondern ihr DEL-Märchen von der Waterkant, das sie 2016/17 als Neuling mit dem prompten Einzug in die Play-offs begonnen hatten, dann in der Spielzeit 2017/2018 gleich mal fortgesetzt. Dass der EHC München dabei im März zum Stolperstein wurde – geschenkt. "Selbst gegen den späteren Meister waren wir nicht so weit vom zweiten Sieg entfernt", erinnerte Coach Popiesch an das 1:4 in der Viertelfinalserie. Und so lautet seine Zielsetzung für die neue Saison dann auch: "Wir wollen uns ranarbeiten, Stück für Stück, Spiel für Spiel. Wenn bei uns alles passt, dann ist vieles möglich."

Popiesch bemühte es vor den Fans noch oft an diesem Tag, dieses eine Wort: Arbeit. In der Pinguins-DNA nimmt sie – genau wie die Leidenschaft – einen wichtigen Stellenwert ein, im Spiel auf dem Eis, aber eben auch abseits davon. In Bremerhaven wird Eishockey leidenschaftlich gearbeitet, nur so funktioniert das, wenn aus wenig viel werden soll. Und nur so hat es der Klub vom krassen Außenseiter zu einer verlässlichen DEL-Größe geschafft, die aus dem sicheren Mittelfeld Tuchfühlung nach oben hat und in der Lage ist, die etablierten und wesentlich finanzstärkeren Vereine der Liga zu ärgern. Und dafür lieben sie ihre Pinguins in Bremerhaven, dieser Stadt, die es schon viel zu lange viel zu wenig gut hat. So gibt Popiesch seinen Spielern immer wieder diesen einen Rat mit auf den Weg: "Identifiziere dich mit Fischtown – und du bist bei den Fans ganz weit vorne."

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Und das waren sie am Sonntag, sämtliche 24 Profis, die sich auf der Bühne ihren Fans präsentierten. So wie Kapitän Mike Moore, der den Gedanken, für immer bei den Pinguins zu spielen, als "awesome", also großartig, bezeichnete – und dafür lautstark gefeiert wurde. So wie Kevin Lavallée, der Pinguins-Spieler mit der größten DEL-Erfahrung, der bekräftigte, es der Liga ein weiteres Mal beweisen zu wollen, dass Fischtown mithalten kann – und dafür nicht weniger begeistert abgefeiert wurde.

So wie der in der Vorsaison bockstarke Stürmer Jan Urbas, der trotz etlicher Angebote in Bremerhaven blieb und nun ankündigte, das Jahr 2017/2018 noch toppen zu wollen. Oder so wie Andrew McPherson, einer der Helden aus den DEL2-Zeiten der Pinguins, der seine aktive Laufbahn bei den Bietigheim Steelers nun beendet hat und als Co-Trainer nach Fischtown zurückgekehrt ist. "Eine super Geschichte, dass er wieder da ist", sagte Chefcoach Popiesch, "wir brauchen hier harte Arbeiter wie Andrew – das wird uns helfen."

Da war er also wieder: der Faktor Arbeit. Er bewirkt, dass die Fans hinter ihrem Team stehen – auch wenn es mal nicht läuft. "Hauptsache, sie geben ihr Bestes", beschrieb Thomas Schriewer, der mit seiner Frau Heike aus Hagen zur Saisoneröffnung gekommen war, dieses spezielle Fischtown-Gefühl, das sich nicht nur nach Sieg oder Niederlage richtet. Seit fünf Jahren sind sie bei den Pinguins dabei, bei allen Heimspielen in der Eisarena sowieso, wenn es sich einrichten lässt, auch bei den großen Auswärtstouren.

Irgendwann wollen sie auch mal alle DEL-Stadien gesehen haben, das Nahziel ist der Saisonauftakt am 14. September in Krefeld. Und das Fernziel in dieser Saison? Die Play-offs, was sonst. "Natürlich erreichen wir die", sagte Heike Schriewer. "Realistisch" fand es auch ihr Mann. "Platz acht schaffen wir", sagte er.

Dafür, dass es Alfred Prey an den prächtigen Schnauzer geht, müsste allerdings schon der ganz große Wurf her. Den Bart, seinen Einsatz bei der Saisonwette, würde Prey allenfalls bei der Meisterschaft opfern. Und so zuversichtlich sind dann nicht einmal die eingefleischtesten Fans. Geschäftsführer Hauke Hasselbring wird bei der Büroarbeit wohl noch länger den gewohnten Anblick der vergangenen Monate haben.

Info

Zur Sache

Der "Tag der Fans" bei den Fischtown Pinguins hat am Sonntagnachmittag in der Eisarena seinen Abschluss gefunden – und dem Team von Trainer Thomas Popiesch im ersten Testspiel der Vorbereitung auf die Saison 2018/19 auch den ersten Erfolg eingebracht. Gegen die Löwen Frankfurt, einen alten Bekannten aus vergangenen gemeinsamen DEL2-Zeiten, siegten die Bremerhavener standesgemäß mit 4:0.

Für den ersten Treffer nach der langen eishockeylosen Zeit durfte sich dabei Justin Feser von den 2518 Zuschauern bejubeln lassen: Er lenkte einen Schuss von Chris Rumble zur frühen 1:0-Führung der Hausherren ins Tor (6. Minute). Auch wenn es bis zum zweiten Treffer der Pinguins durch Jan Urbas bis ins zweite Drittel hinein (24.) dauern sollte – es änderte nichts daran, dass der DEL-Klub die spielbestimmende Mannschaft war.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Treffer fallen sollten. Beide Male profitierten die Pinguins dabei vom Powerplay. Denn sowohl der zweite Urbas-Treffer zum 3:0 (44.) wie auch der 4:0-Endstand durch Miha Verlic (49.) fielen in Bremerhavener Überzahl. Als Vorbereiter machte dabei jeweils Alex Friesen auf sich aufmerksam.

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