Eisbären Bremerhaven Talentsichtung beginnt schon sehr früh

Bremerhaven. Wenn in den vergangenen Jahren in der Basketball-Bundesliga über Meisterschaft und Abstieg entschieden wurde, schauten die einheimischen Profis meist nur von der Bank aus zu. Der Dominanz der vornehmlich aus den USA stammenden Importspieler, die in unbegrenzter Zahl eingesetzt werden konnten, hatten deutsche Talente kaum etwas entgegenzusetzen.
03.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von DIETMAR ROSE

Bremerhaven. Die Basketball-Bundesliga will in Zukunft wieder mehr auf deutsche Talente setzen. Das beflügelt die Jugendarbeit bei den Klubs. So auch bei den Eisbären Bremerhaven, die jetzt schon in den Grundschulen auf Talentsuche gehen.

Doch die BBL hat umgesteuert und gemeinsam mit den Klubs beschlossen, den Anteil der Deutschen in den Kadern Stück für Stück zu erhöhen. Das beflügelt auch die Jugendarbeit der Erstligisten, wie das Beispiel der Eisbären Bremerhaven zeigt. "Wir haben in den vergangenen beiden Jahren sieben Spieler aus unserer NBBL-Mannschaft bei den Eisbären eingesetzt. Und die nächsten stehen schon vor der Tür", sagt Hamed Attarbashi.

Der Nachwuchskoordinator der Eisbären trainiert die Talentriege der Seestädter, die sich in der Nachwuchs-Bundesliga mit U19-Teams aus Hagen, Leverkusen, Oldenburg, Quakenbrück und Bonn misst. Diese Spielpraxis auf hohem Niveau, die durch Einsätze beim Eisbären-Kooperationspartner BSG Bremerhaven in der Zweiten Regionalliga ergänzt wird, beginnt Früchte zu tragen. Attarbashi ist stolz darauf, wie sich einige seiner Schützlinge entwickelt haben. So kam U20-Nationalspieler Anthony Canty in dieser Saison bereits in sieben Bundesliga-Spielen zum Einsatz, auch Maurice Pluskota steht regelmäßig im Profi-Kader.

Doch die Nachwuchsförderung setzt bei den Eisbären noch wesentlich früher an. "Wir besuchen jede Bremerhavener Grundschule einmal im Schuljahr. Die Schulen müssen sich dabei um nichts kümmern, wir gestalten den Unterricht komplett", erzählt Attarbashi. Dabei sitzen auch die Profis mit im Boot, die die Jugendtrainer - neben Attarbashi gibt es zwei weitere hauptamtliche Nachwuchscoaches und diverse Honorarkräfte - bei den so genannten "Eisbären-Wochen" unterstützen. "Das ist immer ein Remmidemmi, wenn 15 Schüler gegen zwei Profis spielen und ihren ersten Korb werfen. Die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache", sagt Attarbashi. Negative Reaktionen von Eisbären-Spielern, die für einen Schulbesuch schon mal einen freien Tag opfern müssen, hat Attarbashi noch nicht gehört: "Die Jungs ziehen da super mit, die haben ja auch ihren Spaß an solchen Aktionen."

Dass die Profis den Kontakt zum Nachwuchs pflegen, ist auch für Jan Rathjen ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. "Wir können das Thema Basketball damit in unserer Zielgruppe verankern", erklärt der Eisbären-Manager. Dabei gehe es nicht nur darum, in den Schulen Talente für die eigenen U8- bis U12-Mannschaften zu finden, räumt Rathjen ein. Wer sich mit den Eisbären-Profis in der Schulturnhalle balgen durfte, möchte mit seinen Lieblingen natürlich beim nächsten Heimspiel mitfiebern - und bringt auch die Eltern mit. Wenn die Eisbären in der Stadthalle auf Korbjagd gehen, ist der Anteil junger Familien im Publikum auffallend groß. Das ist sicher auch eine Folge des Engagements in den Schulen, das sich über Bremerhaven hinaus auch auf das Umland erstreckt.

Die Strahlkraft der Eisbären reicht im Nachwuchsbereich mittlerweile bis nach Bremen. "Wir haben in unserer U16-Mannschaft sieben Spieler, die aus Bremen kommen", betont Attarbashi. Um die Talente zum Training und zu den Punktspielen in die Seestadt zu bringen, wurde sogar ein Fahrdienst organisiert. An einem Ausbluten der Bremer Basketball-Szene haben die Eisbären aber kein Interesse. Im Gegenteil, Attarbashi fände es gut, wenn die Vereine in der Landeshauptstadt wieder mehr Jugendmannschaften in den Spielbetrieb bringen würden. "Eine U12-Liga ist in dieser Saison nicht zustande gekommen, weil sich fünf Mannschaften aus Bremerhaven angemeldet haben, aber nur eine aus Bremen", nennt Attarbashi ein Beispiel.

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