Niederlage im DFB-Pokal Tapferer Auftritt des Bremer SV

Nicht nur Werder Bremen musste am Sonnabend im DFB-Pokal spielen. Der Bremer SV traf auf den Bundesligisten Eintracht Frankfurt - und verlor 0:3.
08.08.2015, 12:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Hellmann

Fußballfans besitzen die Angewohnheit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Also haben viele der fast 2000 Anhänger von Eintracht Frankfurt die Tagesreise in den Bremer Nobelstadtteil Oberneuland einfach dazu genutzt, vor dem Pokalspiel beim zwangsweise umgesiedelten Bremer SV noch ein ausgedehntes Picknick in voller Mannstärke am Achterdieksee abzuhalten. Das Beach-Bistro befand sich trotz dichter Bewölkung und gar nicht hochsommerlichen Temperaturen von knapp über 20 Grad ebenso fest in Hand der Adlerträger wie das Beachvolleyball-Feld. Hauptsache bei Bier und Bratwurst noch ein bisschen Spaß haben.

Was dann auch für den Besuch dieses Pokalspiels galt, das indes nur ergebnistechnisch nach dem Geschmack des hessischen Bundesligisten ablief. Mit einem 3:0 (1:0) beim Bremen-Ligisten zog der Favorit nach Toren von Luc Castaignos (31.), Stefan Aigner (51.) und Gian-Luca Waldschmidt (71.) ohne jeden Glanz in die nächste Runde ein. Der Gastgeber leistete lange tapferen Widerstand und darf sich erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb verabschieden.

Ein Fußballspiel am Vinnenweg gleich neben dem Gelände des Bremer Hockey-Clubs hieß auch für den Erstligisten, sich auf ungewohntes Ambiente einzustellen: Auf dem Rasen sprießen noch Gänseblümchen, den Torraum markiert eine mehrere Quadratmeter große Mulde. Schon bei der Besichtigung des Spielfelds gingen bei Eintracht-Trainer Armin Veh die Mundwinkel nach unten. Was seine Profis dann auf dem Rasen boten, sollte die Laune des 54-Jährigen auch nicht heben. Ausgesprochen fahrig gingen seine Berufsfußballer ans Werk.

Der Fünftligist, der bekanntlich laut Eigenbeschreibung für „Fußball ohne Schickimicki“ steht, hatte wenig Mühe, seine Reihen zu schließen. Die Dreier-Abwehrkette mit Frithjof Rathjen, Maciej Kwiatkowski und Denis Nukic stand ausgezeichnet, gegen den Ball verdichteten Sebastian Kmiec und Andre Waldau das BSV-Bollwerk zur Fünfer-Formation. Torwart Christian Ahlers-Ceglarek hatte einen viel ruhigeren Nachmittag in der ersten Hälfte als gedacht.

Entscheidender Genickschlag

Auf der Gegenseite brachte sogar Simon-Joel Cakir den ersten Torschuss des Spiels an (3.). Dennoch mussten die Bremer in der besten Frankfurter Phase einen entscheidenden Genickschlag hinnehmen: Nach feinem Pass von Stefan Reinartz fackelte Angreifer Castaignos nicht lange und drosch die Kugel humorlos ins Tor (31.). Die niederländische Neuerwerbung war indes der einzige, der wirklich Torgefahr verbreitete. Sturmkollege Haris Seferovic fiel erst bei einem Lattenkopfball mit Pausenpfiff auf.

Die größte Gefahr ging nach den ersten 45 Minuten leider wieder einmal von einigen unbelehrbaren Frankfurter Fans aus: Trotz mehrfacher Warnungen des Stadionsprechers („Wenn ihr am Zaun rüttelt, kommt es zu gefährlichen Schwingungen“) ließen sie nicht locker und brachen vier Haltepfosten hinter dem Tor aus den Verankerungen. Vielleicht unter dem Sicherheitsaspekt nicht verkehrt, dass das 2:0 von Aigner – der bis dahin völlig blasse Takashi Inui hatte ihm den Ball zugestochert – die Partie bereits entschied (51.). Anschließend schaltete das Eintracht-Ensemble in den Sparmodus. Beim BSV reichte die Kraft nicht mehr – bezeichnend der matte Kopfball von Cakir (68.). Besser machte es der eingewechselte Waldschmidt, der sich auf der Gegenseite über den dritten Treffer freute (71.).

Erinnerungen an 2014

Vor einem Jahr hatte sich der in der vergangenen Saison in der Bremen-Liga ungeschlagene BSV beim 0:1 gegen Eintracht Braunschweig mehr als achtbar aus der Affäre gezogen – der Bundesliga-Absteiger tat sich auf Platz 11 am Weserstadion immens schwer. Erstaunlich, dass sich nun der ausgeglichene Spielverlauf zumindest erste Halbzeit noch einmal wiederholte. Denn die Eintracht ist ein gestandener Bundesligist, der mittlerweile sogar deutlich mehr an seinen Lizenzspielerkader steckt als Werder Bremen. Das Gehaltsbudget beim hessischen Bundesligist beträgt mittlerweile 38 Millionen Euro. Und heimlich träumt der Traditionsverein wieder von einer Europapokalteilnahme.

Allein unter diesen Gesichtspunkten überraschte es vor den 3400 Zuschauern, dass sich nicht eine einseitige Angelegenheit entwickelte. Das BSV-Trainerduo Klaus Gelsdorf und Fabrizio Muzzicato hatte die richtigen Schlüsse aus der Spionagetour nach Frankfurt in der Vorwoche gezogen und das Team bestens eingestellt. Trotzdem muss sich der Verein vor allem mit dem wirtschaftlichen Mehrwert trösten. Die 140.000 Euro, die zu je einem Drittel dem Verein, dem Budget der ersten Herren und den Spielern zufließen, garantieren eine sorgenfreie Saison, an deren Ende die erneute Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga stehen soll. Und natürlich soll der Bremer Lotto-Pokal gewonnen werden. „Der Aufstieg wäre nicht so viel wert, wenn wir nicht wieder im DFB-Pokal spielen“, erklärte der BSV-Vorsitzende Peter Warnecke am Rande. Damit auch im nächsten Jahr wieder ein namhafter Erstligist empfanden werden kann. Notfalls wieder mit einem Vorprogramm am Achterdieksee.

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