TTC Neu-Ulm top besetzt Tischtennis-Bundesliga präsentiert weitere Weltstars

Letztlich ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine schuld, dass die TTBL noch stärker wird als jemals zuvor. Auch Dimitrij Ovtcharov kehrt zurück. Für Werder dürfte die Spielzeit damit noch schwieriger werden.
07.08.2022, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Tischtennis-Bundesliga präsentiert weitere Weltstars
Von Jörg Niemeyer

Die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) wird in der Saison 2022/23 noch attraktiver sein als bisher. Das Aus der russischen Teams für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben wegen des Krieges gegen die Ukraine hat dazu geführt, dass einige Weltklassespieler nach Deutschland gewechselt sind. So wird Dimitrij Ovtcharov, in der aktuellen Weltrangliste (WRL) als bester Deutscher auf Position neun geführt, künftig für den TTC Neu-Ulm aufschlagen, den der SV Werder im Pokal-Achtelfinale, so die Planung, am 23. September in Bremen empfängt.

TTC Neu-Ulm plötzlich Favorit

Mit Ovtcharov, dem schwedischen Vize-Weltmeister Truls Moregard (WRL-5.) und dem Taiwanesen Lin Yun-Ju (WRL-7.) werden künftig drei Spieler aus den Top Ten der Weltrangliste für die Neu-Ulmer auflaufen. "So stark war die Liga noch nie", sagt Werder-Trainer Cristian Tamas. "Vier oder fünf Mannschaften können die Meisterschaft gewinnen", glaubt Sascha Greber. Neben Rekordmeister Borussia Düsseldorf und dem 1. FC Saarbrücken traut der Bremer Teammanager auch den TTF Ochsenhausen und dem TSV Bad Königshofen einiges zu. So hat der jetzige Klub der langjährigen Werder-Nummer eins, Bastian Steger, den neuen japanischen Meister Yukiya Uda (WRL-22.) verpflichtet.

Nominell ist der TTC Neu-Ulm der Favorit der Liga, doch Düsseldorf mit den deutschen Assen Timo Boll (WRL-14.), Dang Qiu (WRL-13.) und dem großen Talent Kay Stumper sowie dem Schweden Anton Källberg (WRL-18.) ist kaum schwächer besetzt. Saarbrücken mit dem Slowenen Darko Jorgic (WRL-8.) und dem deutschen Nationalspieler Patrick Franziska (WRL-11.) ist an der Spitze sogar stärker aufgestellt als Düsseldorf. "Von den aktuell zehn besten Teams in Europa dürften künftig sieben in der TTBL spielen", sagt Sascha Greber. Die Meisterschaft verspricht also sehr viel Spannung.

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Da sich jedoch auch der TTC Fulda-Maberzell, der ASV Grünwettersbach und der Post SV Mühlhausen personell verstärkt haben, spricht im Lager der Bremer derzeit kein Verantwortlicher vom Erreichen der Play-off-Runde. "Unser Ziel ist erst einmal der Klassenerhalt", sagt Trainer Tamas. Der war, obwohl Werder durchaus mit einem Platz unter den besten Vier geliebäugelt hatte, in der Vorsaison in Gefahr geraten, weil das Team unter Verletzungen und Krankheit (bei Mattias Falck und Kirill Gerassimenko) sowie unter Formschwäche (bei Marcelo Aguirre und Hunor Szöcs) litt.

In der kommenden Saison soll es an der Weser besser laufen. Vieles wird davon abhängen, ob vor allem die Topspieler Mattias Falck (WRL-36.) und Kirill Gerassimenko (WRL-27.) gesund bleiben. Marcelo Aguirre (WRL-66.) hat sich zum Ende der vergangenen Spielzeit wieder steigern können – an guten Tagen kann der Paraguayer mit italienischem Zweitpass gegen fast jeden Gegner punkten. Cristian Pletea, für seinen rumänischen Landsmann Hunor Szöcs nach Bremen gewechselt, wird dagegen eher als "Verstärkung für die Zukunft" angesehen, wie Cristian Tamas sagt. "Er ist mit 22 Jahren noch jung – man muss Geduld haben mit ihm." Angesichts der Tatsache, dass der nach Metz gewechselte Szöcs in der vergangenen Saison sieglos geblieben war, kann es für Werder aber nur besser werden.

Neuer Streamingdienst, neue Zeiten

Auf die Tischtennis-Fans wartet allerdings nicht nur eine stärkere Liga, sondern auch ein erweitertes Übertragungsangebot von Bewegtbildern. Der ehemalige Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, hat zusammen mit dem Springer-Konzern den Streamingdienst S-Nation-Media gegründet und als ersten Partner die TTBL gewonnen. In den Spielhallen, so skizziert Sascha Greber, sei der Sport-Streamingdienst künftig mit mehreren Kameras und Mikrofonen und stets mit zwei Kommentatoren im Einsatz. Es sei sogar geplant, in den Spielpausen die Gespräche zwischen Trainer und Spieler zu übertragen.

Das neue Übertragungsangebot, das perspektivisch wohl nicht mehr kostenlos sein wird wie die bisherige Übertragung durch die TTBL beziehungsweise Sportdeutschland.TV, hat für Zuschauer und Mannschaften aber auch einen Preis: Der Spielplan wird ab der kommenden Saison nicht mehr weitgehend einheitliche Zeiten haben. "Sonntag um 15 Uhr: Das ist Vergangenheit", sagt Sascha Greber. Die Partien werden zwischen Freitag und Montag angesetzt, jeder Verein werde mal zu jeder Zeit antreten. Auf längere Sicht erhoffen sich die Klubs durch den neuen Streamingdienst natürlich erhöhte Einnahmen. Noch sind allerdings nicht alle Details der Zusammenarbeit geklärt.

Werder startet am Sonntag, 28. August, um 16 Uhr in die neue Saison, nachdem es ab 13 Uhr bereits zwei andere Begegnungen gegeben haben wird. Werders erstes Heimspiel ist am Sonntag, 4. September, um 16 Uhr gegen Mühlhausen. Es folgen die Auftritte in Düsseldorf am Freitag, 9. September (19 Uhr) und gegen Fulda am Montag, 19. September (19.30 Uhr). Die weiteren Partien sind noch nicht angesetzt.

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