Tischtennis-Bundesliga

Ochsentour endet in Ochsenhausen

Werder-Trainer Cristian Tamas stellt sein Team ganz ungewohnt auf - und hat Pech damit. Denn ausgerechnet Spitzenspieler Mattias Falck besiegelt das 0:3 bei einem der Meisterschaftsfavoriten.
26.10.2020, 05:09
Lesedauer: 2 Min
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Ochsentour endet in Ochsenhausen
Von Jörg Niemeyer

In der vergangenen Saison hatte der SV Werder bei den TTF Ochsenhausen noch gewinnen können, am Sonntag war nach nicht einmal 100 Spielminuten das Schicksal des Tischtennis-Bundesligisten besiegelt: Das 0:3 bedeutete im siebten Spiel die bereits vierte Niederlage des letztjährigen DM-Halbfinalisten.

„Bei uns war nach den zwei wichtigen Siegen am Dienstag und Freitag dieser Woche die Müdigkeit nicht zu übersehen“, sagte Trainer Cristian Tamas in einer Mischung aus Erklärung und Enttäuschung. Gegen eines der derzeit stärksten europäischen Teams kam die Niederlage der Bremer nicht überraschend, ihre Klarheit dagegen schon. Denn auch wenn die Schwaben noch stärker besetzt sind als Werder: Mit dem amtierenden Vizeweltmeister Mattias Falck ist auch den Gästen mehr zuzutrauen als ein schnelles 0:3.

Voraussetzung für einen Erfolg ist allerdings Formstärke. Und die hat Mattias Falck trotz seiner zuletzt vier Siege in Folge gegen zwei Abstiegskandidaten in dieser Saison noch nicht unter Beweis stellen können. In Ochsenhausen wirkte der Schwede auch im Kopf nicht frei, was neben den jüngsten Strapazen auch an seinen bevorstehenden gelegen haben könnte: Von Ochsenhausen fuhr Falck mit einem Mietwagen nach München, von wo er am Montag in seine Heimat fliegt, um am Dienstag von dort aus zu zwei Turnieren nach China weiterzureisen.

So war es nicht verwunderlich, dass Werders Nummer eins einmal mehr seine wahre Stärke nicht zeigte. Im Gegenteil und eher ungewöhnlich: Mattias Falck haderte gegen den Franzosen Simon Gauzy mehrfach mit sich selbst. Ungläubig starrte er auf seinen Schläger, nachdem sein Vorhandball im dritten Satz von der Netzkante über den Tisch hinaus zum 5:8 geflogen war. Mit einem Timeout versuchten Tamas und Falck noch die Wende herbeizuführen – vergeblich. Bezeichnenderweise drosch der Schwede kurz danach eine weitere krachende Vorhand ins Netz. Mit dem 5:11 war Werders Gesamtniederlage besiegelt und die eingeschlagene Taktik nicht aufgegangen.

Werder hatte die Gastgeber mit der Aufstellung überraschen wollen. So hatte Cristian Tamas seinen Topmann ausnahmsweise an Position drei aufgestellt – in der Hoffnung und Erwartung, dass Ochsenhausen hier auf Gauzy setzt. Gegen den Franzosen hatte Falck meistens ganz gut ausgesehen, zuletzt bei seiner erfolgreichen WM 2019. Und bislang, so das Kalkül des Bremer Trainers, hatte auch Kirill Gerassimenko gegen Ochsenhausens Amerikaner Kanak Iha erfolgreich gespielt. Mit zwei Punkten aus den Einzeln hätte Werder ganz dem Doppel zum Abschluss vertraut, um erneut einen 3:2-Gesamtsieg einzufahren.

Das war die Theorie – die Praxis sorgte dann für Ernüchterung im Bremer Team. Obwohl Hunor Szöcs im ersten Einzel gegen den Weltranglisten-Sechsten Hugo Calderano (Brasilien) keineswegs enttäuschte, den zweiten Satz sogar gewann und im dritten mit 5:0 führte, war der Werderaner letztlich und wie erwartet chancenlos. Aber das Duell zwischen Iha und Gerassimenko stand entgegen der Planung völlig im Zeichen des US-Amerikaners. Er machte ständig Druck und ließ den Kasachen überhaupt nicht ins Spiel kommen. Gerassimenko verkürzte im dritten Satz nach 4:9-Rückstand zwar noch auf 8:9, doch nach zwei Netzrollern war für ihn Schluss.

Nun kam es auf Mattias Falck an, ob Werder im Spiel bleiben sollte oder nicht. Der Erfolgsdruck und die Müdigkeit bildeten dann eine verhängnisvolle Mischung. „Mattias hat heute nicht die richtigen Entscheidungen getroffen“, resümierte Trainer Tamas. Nur im zweiten Satz kam leichte Hoffnung bei den Gästen auf, als Falck einen Satzball hatte – und vergab. Spätestens jetzt übernahm Simon Gauzy das Kommando am Tisch, während sein Gegner erkennbar resigniert hatte.

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