Triathlon mit knapp 80 Jahren Triathlon-Urgestein Manfred Hinzmann geht wieder an den Start

Manfred Hinzmann legt eine äußerst erstaunliche Triathlon-Karriere hin – auch ein EM-Titel und Ironmans gehören dazu. Die Sport-Laufbahn des inzwischen knapp 80-Jährigen beginnt, als er 55 ist.
09.08.2018, 18:32
Lesedauer: 4 Min
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Triathlon-Urgestein Manfred Hinzmann geht wieder an den Start
Von Olaf Dorow

Mit 57 war das Arbeitsleben vorbei. Mehr als drei Jahrzehnte lang war Manfred Hinzmann zur Bremer Lagerhausgesellschaft gefahren, oft mit dem Fahrrad. Nun nicht mehr. Der wohlverdiente Ruhestand sah dann so aus: ganz, ganz viel Fahrrad. Beziehungsweise Rennrad. Manchmal 180 Kilometer. Plus vier Kilometer Schwimmen, plus einen Marathon. Wenn an diesem Sonntag wieder der Gewoba-City-Triathlon in der Überseestadt steigt, über die olympische Distanz von 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern auf dem Rad und zehn auf der Laufstrecke, dann ist auch Manfred Hinzmann wieder am Start. In gewisser Weise ist er ein Star der Szene. Noch in diesem Jahr wird er 80. Er ist der Mann vom Bremer Triathlon-Club (BTC), der auf eine lange und durchaus erfolgreiche Triathlon-Karriere schauen kann, mit Wettkämpfen überall auf der Welt. Und dessen Karriere mit Mitte 50 noch keine war. Weil es bis dahin überhaupt keine Hinzmann-Wettkämpfe gegeben hatte. Nicht mal Hinzmann-Training.

Je oller, je doller, so lief das mit dem Ruheständler. Eigentlich nur so interessenshalber hat er vor einem Vierteljahrhundert mal mitgemacht beim Silbersee-Triathlon in Stuhr. Er wohnt ja gleich um die Ecke, und er hatte sich für den Volkstriathlon angemeldet. Halbe olympische Distanz, also 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen. Er wurde in der Altersklasse M 55 gleich Zweiter und wurde eine Art Silbersee-Institution. Seit 1993 gibt es die Veranstaltung, seit 1993 ist Manfred Hinzmann dabei, jedes Jahr. Nur nicht in diesem, dem Jubiläumsjahr.

Ganz heftig: 2004

In diesem Jahr wollte er sich am Silbersee-Wochenende in Hamburg noch mal für den Ironman auf Hawaii qualifizieren. Mit 66 Jahren, da war er da schon mal, und das war damals dann im wirklich krassesten Jahr in der späten Triathlon-Karriere des Manfred Hinzmann. Immer mehr hatte er sich im Lauf der Jahre zugetraut und zugemutet. War erst auf der olympischen Distanz unterwegs, dann auf der Mitteldistanz. Hatte sich gedacht, dass er auch einen ganzen Ironman schafft, wenn er jetzt einen halben geschafft hat. 1998 in Roth kam sein erster ganzer Ironman, zwei Jahre später sein zweiter. Er hatte das Training noch mal gesteigert und das führte dann dazu, dass der 62-jährige Hinzmann eine Stunde schneller unterwegs war als der 60-jährige.

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„Und dann wurde es ganz heftig“, erzählt er. Dann kam dieses krasse Jahr 2004. An zwei aufeinander folgenden Sonntagen waren die EM auf der Langstrecke (vier Kilometer Schwimmen, 136 Kilometer Rad, 30 Kilometer Laufen) sowie der Zürich-Ironman angesetzt. Zwei Extrem-Belastungen so kurz hineinander? Die Freunde rieten: Lass den Wahnsinn. Hinzmann dachte sich: Och, ich kann mich ja mal anmelden. In Immenstadt ging es auf der Radstrecke mit bis zu 15 Prozent Steigung die Berge rauf und mit bis zu 80 Sachen wieder runter. Der rüstige Rentner aus Stuhr wurde Europameister der M 65, und eine Woche später schaffte er in Zürich den sogenannten Slot für Hawaii. Von 27 Startern in seiner Altersklasse wurde er dort Zehnter. Und fühlte sich, das darf man wohl ohne Übertreibung behaupten, im Triathlon-Himmel. Später kamen gute achte Plätze bei Weltmeisterschaften in Neuseeland oder auf Madeira hinzu. Der Mythos Hawaii aber, der hatte die meisten Glückshormone ausgeschüttet, als die Schmerzen von der Ultra-Strecke wieder nachließen.

Hinzmann ist ein gutes Beispiel für jemanden, der auch als Senior aus etwas sehr Kleinem noch etwas sehr Großes macht. Natürlich wurde er vom Glück geküsst, der Körper gab her, was der Geist ihm abverlangte. Er sei fit und brauche keine Tabletten für irgendwelche Beeinträchtigungen, sagt er. Welch ein Glück. Er ist aber auch jemand, der beweist: Man kann und muss etwas tun für sein Glück.

Der Traum vom Hawaii-Ironman ist geplatzt

Und unendlich ist das Hinzmann-Glück nun auch wieder nicht. Der Traum, womöglich erster 80-jähriger Europäer zu werden, der den Hawaii-Ironman durchhält, wird sich nicht erfüllen. Bislang hatten das seines Wissens nach nur Amerikaner oder Japaner geschafft. Doch in Hamburg, wo er sich vor zwei Wochen den Slot holen wollte, lief alles gegen ihn. Er hätte für die Qualifikation nur ankommen müssen, er wäre Erster in seiner Altersklasse geworden. Der eine Mitbewerber, der später dann auch ausstieg, war doch keine Konkurrenz! Um 8 Uhr wurde morgens gestartet, bis spätestens 23 Uhr hätte man im Ziel sein müssen.

Erst dieses Hotel in Hamburg, von dem Hinzmann nicht geahnt hatte, dass es keine Klimaanlage besitzt. In dieser Hitze. Dann die Blaualgen in der Alster. Die Veranstalter mussten deswegen das Schwimmen ausfallen lassen, stattdessen sollte sechs Kilometer gelaufen werden. Laufen ist Hinzmanns schwächste Disziplin, er hatte gut und viel trainiert für die Schwimmstrecke. Es wurde nun in Dreiergruppen mit drei Sekunden Abständen losgerannt. Hinzmann kam erst um 9 Uhr auf die Strecke.

Nach gut einer Stunde per pedes und knapp sieben Stunden in praller Sonne auf dem Rennrad wurde der innere Schweinehund auf der Marathonstrecke immer lauter. Der Schweinhund, Feind jedes Ausdauersportlers, streute Zweifel: Das wird doch nix bis 23 Uhr, oder? Er erinnerte daran, dass Hawaii doch schon einmal geschafft wurde. Warum denn unbedingt noch mal? Er fragte lauter und lauter, was das alles noch soll.

Nach rund einem Viertel der Laufstrecke gab Manfred Hinzmann auf. Seine Frau, seine Kinder hatten seine Quälerei gesehen, auch das trug zum Entschluss bei: Mit den Ironman-Rennen ist nun mal Schluss. Aber halbe Ironmans? Ja, vielleicht noch. Bremer City-Triathlon? Auf jeden Fall. „Ohne Hinzmann geht das doch nicht“, sagt Hinzmann.

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