Trainer sitzen fest im Sattel

Kein Wackelkandidat

Wie entscheiden die Vorstände der Bremen-Ligisten über die Zukunft ihrer Trainer, wenn wegen der vielen coronabedingten Unterbrechungen gar kein echter Leistungsnachweis erbracht wird? Wir haben nachgefragt.
06.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Kein Wackelkandidat
Jens Pillnick

Bremen. Die Verantwortung trägt mal wieder Corona: Weil der Spielbetrieb im Bremer Fußball angesichts der Pandemie geprägt wird von Unterbrechungen und ungewissen Perspektiven, häufen sich die Fragezeichen. So ist es eigentlich üblich, im Verlauf einer Saison die Arbeit eines Trainers zu bewerten und spätestens im Frühjahr über die kommende Spielzeit zu sprechen. Nachdem bislang gerade acht Spieltage in der Bremen-Liga absolviert wurden, tappen aber sowohl die Verantwortlichen als auch die Trainer selbst noch im Dunkeln – bewerten lässt sich derzeit nur sehr wenig.

Also entschied sich Christof Frankowski, Abteilungsleiter des TuS Schwachhausen, vor einigen Tagen, den Vertrag mit Denis Spitzer vorzeitig bis 2022 zu verlängern. Der Trainer war erst im Sommer zum TuS gewechselt und hatte seitdem mit den coronabedingten Unsicherheiten arbeiten müssen. Sie betrafen zunächst die Umstände der ersten gemeinsamen Trainingseinheiten, setzten sich fort mit positiven Testergebnissen und Quarantäne und mündeten vor einigen Wochen schließlich in der Unterbrechung des gesamten Spielbetriebs. „Denis hat es schwer gehabt in den letzten Monaten und soll so die nötige Zeit kriegen“, begründet Frankowski die vorgezogene Entscheidung. Unter normalen Umständen spricht man in Schwachhausen nämlich nicht vor der eigentlichen Winterpause über die Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Beim Blumenthaler SV ist es dagegen üblich, sich auf der Weihnachtsfeier über das Engagement des Trainers zu verständigen. Wenn Peter Moussalli, der Vorsitzende des Vereins, und der Coach sich unterm Tannenbaum die Hand reichen, dann wird auch über den Sommer hinaus zusammengearbeitet. „Aber die Weihnachtsfeier fällt diesmal ja aus“, sagt Moussalli mit einem Augenzwinkern. Dabei ist die Situation in Blumenthal durchaus vergleichbar mit jener in Schwachhausen: Erst im Sommer war Trainer Steffen Dieckermann angetreten, als Nachfolger von Denis Spitzer. Wie gut es passt zwischen dem Blumenthaler SV und seinem Coach, ließ sich angesichts der schwierigen Umstände bislang also nicht so genau ermitteln. „Nachhaltig ist diese Saison nicht zu bewerten“, bestätigt Peter Moussalli. Er hat allerdings ein positives Gefühl: „Mir gefällt es richtig gut mit Steffen Dieckermann.“ Die Frage nach einer vorzeitigen Verlängerung der Zusammenarbeit würde sich auch angesichts der ursprünglichen Absicht nicht stellen. „Wir sind nie von einem kurzfristigen Engagement ausgegangen, sondern planen zwei, drei Jahre mit ihm“, betont Moussalli.

Auf der anderen Seite gibt es ja diese Blumenthaler Tradition, nämlich die symbolische Verlängerung auf der Weihnachtsfeier. „Deshalb bringt mich die Frage nach einer Verlängerung auch auf eine Idee“, sagt Peter Moussalli. Er will nun das Gespräch mit Steffen Dieckermann suchen, um sich über die kommende Saison zu verständigen. Gut möglich, dass der Blumenthaler SV schon bald auch offiziell eine weitere Zusammenarbeit verkündet. Das könnte auch in Borgfeld der Fall sein, wenn auch mit einem etwas anderen zeitlichen Ablauf. Denn eigentlich verspüren sie am Wümmedeich keinen besonderen Anlass, sich mit der Zukunft von Trainer Lutz Repschläger zu beschäftigen. „Unsere Themen sind derzeit der Trainings- und Spielbetrieb sowie der neue Kunstrasen“, sagt Dirk Beckmann, 2. Vorsitzender des SCB. Man sei ja auch nicht unter Druck. Zudem ließe sich die Saison angesichts von nur acht Saisonspielen gar nicht bewerten.

Im Fall von Lutz Repschläger wiegt das ähnlich schwer wie bei den Kollegen in Schwachhausen und Blumenthal: Zwar war der aktuelle Trainer bereits zu Beginn dieses Jahres auf die Borgfelder Bank gerückt. Vorm ersten Lockdown waren ihm aber auch nur drei Partien geblieben. „Wenn wir keine Spiele haben, haben wir auch nichts Messbares“, so Beckmann. Er betont auf der anderen Seite aber auch, dass der SC Borgfeld schon immer auf Konstanz gesetzt habe. Insofern werde man Anfang des Jahres für Klarheit sorgen. „Und ganz spontan sehe ich kein Problem, den Vertrag mit Lutz Repschläger zu verlängern“, sagt Dirk Beckmann.

Ralf Voigt sagt, dass der Bremer SV „nichts von kurzfristigen Geschichten“ hat. Soll heißen: Es stellt sich gar nicht die Frage, ob der Sportliche Leiter die Zusammenarbeit mit dem erst im Sommer aus Schwachhausen gewechselten Benjamin Eta verlängern wird – sie wurde sowieso längerfristig fixiert und mindestens auf zwei Jahre ausgelegt. „Das ist besser, denn so hat jeder seine Ruhe“, so Voigt. Beim BSV denkt man ja auch in etwas anderen Kategorien: Der Klub will nach diversen vergeblichen Anläufen endlich in die Regionalliga aufsteigen. Da ist es sinnvoll, einem Trainer die nötige Zeit zu geben. Denn unter Druck lassen sich große Ziele eben leichter verwirklichen. Voigt: „Das hat all die Jahre nicht funktioniert; wichtig ist, dass es passiert und nicht, wann es passiert.“

In der Neustadt wird sich hinsichtlich des Trainers vermutlich auch nichts tun – es ist ebenfalls nicht notwendig. „Wir arbeiten unbefristet“, sagt Abteilungsleiter Thomas
Voigt. Das bedeutet: Volker Fahlbusch, seit 2006 auf der Bank der BTS-Kicker, wird auch in der kommenden Saison dort sitzen. „Es sei denn, eine Seite sieht Gesprächsbedarf, dann setzen wir uns rund um den Februar zusammen“, so Voigt. Er sieht diesen Gesprächsbedarf nicht und glaubt auch nicht an einen Vorstoß von Fahlbusch.

Dafür hat Christof Frankowski noch einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag: Man sollte angesichts von Saisonabbrüchen und Unterbrechungen nicht mehr über eine komplette Spielzeit mit einem Trainer sprechen: „Am besten verständigen wir uns nur noch über eine bestimmte Anzahl von Pflichtspielen.“

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Zur Sache

Weichen gestellt

Beim ESC Geestemünde wurden die Weichen bereits gestellt: Trainer Stefan Schlie wird sein Engagement im Sommer beenden und durch den bisherigen Cotrainer Andree Wölm ersetzt. „Die Erkenntnis ist länger gereift“, sagt Schlie. Er stelle sein Amt nicht aus „Müdigkeit“ zur Verfügung, aber man „verbrenne“ eben schneller in der heutigen Zeit. Zudem habe er mit einer Amtszeit von bald vier Jahren bereits eine „lange Verweildauer“ vorzuweisen. Stefan Schlie wird den ESC auch nicht verlassen, sondern zukünftig neben Bernd Sager als Teil der Sportlichen Leitung in Geestemünde arbeiten. „Ich kümmere mich um Dinge wie die Kaderplanung, die Team-Entwicklung und das Scouting“, so der scheidende Trainer.

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