Woltmann bleibt Eisbären-Trainer Umbruch mit Konstante

Die Eisbären Bremerhaven wollen ihren Kader umbauen. Die Baumeister selbst bleiben: Am Freitag hat der Basketball-Bundesligist den Vertrag mit trainer Arne Wltmann verlängert.
18.05.2018, 15:55
Lesedauer: 3 Min
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Umbruch mit Konstante
Von Olaf Dorow

Es war das reine Drama. Am 1. Mai, am Tag der Arbeit also, hatten sich die Eisbären, verniedlichend formuliert: sehr anstrengen müssen. In den letzten zehn Minuten ihrer Saison in der Basketball-Bundesliga drehten sie ihr Spiel gegen die Gießen 46er. Und weil parallel wie erhofft die Rockets aus Erfurt in Jena verloren, wurde in Bremerhaven der Tag der Arbeit auch noch zum Tag des Glücks. Die Saison endete doch tatsächlich noch mit dem Klassenerhalt. Und gleich in der großen Glücksparty danach kamen zwei Ansagen. Erstens: So kann es nicht weitergehen. Zweitens: Mit dem Trainer Arne Woltmann soll es möglichst weitergehen.

Für Punkt zwei folgte am Freitag die amtliche Bekanntmachung. Arne Woltmann bleibt Eisbären-Trainer, er erhält auch für die kommende Saison einen Vertrag in Bremerhaven, in seiner Geburtsstadt. Geschäftsführer Wolfgang Grube bezeichnete Woltmann, 43 Jahre alt, als ausgewiesenen Basketball-Fachmann. Als sehr engagierten wie erfahrenen Trainer. "Ich bin überzeugt, dass Arne der richtige Mann ist, um die nötigen Veränderungen und die Eisbären wieder auf Kurs zu bringen", sagte Grube.

Auf dem Weg zur Shortlist

Vom Kurs waren die Eisbären in den zurückliegenden Monaten beängstigend weit abgekommen – ein Umstand, der automatisch zu Punkt eins des Saisonfazits führt. Einen radikalen Umbruch hatte Grube inmitten der Jubelstimmung am 1. Mai angekündigt, und er ist gemeinsam mit Arne Woltmann längst dabei, ihn zu gestalten. Ziel: Ende September soll eine Mannschaft ins erste Liga-Spiel der neuen Saison gehen, die mit den Abstiegsrängen möglichst niemals in Berührung kommt. Er wolle alles daran setzen, "damit sich eine Zittersaison wie die letzte nicht wiederholt", sagt Arne Woltmann.

Das ist gut gesagt und schwer zu gestalten. Bremerhaven kann in wirtschaftlicher Hinsicht keineswegs mit den Topteams der Liga mithalten und will demnächst dennoch einen Kader haben, der eine höhere Qualität besitzt. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft, zu der nach Verbandsvorgaben mindestens sechs deutsche Spieler gehören müssen, habe man vor einem Jahr "nicht so ein glückliches Händchen" gehabt, wie Woltmann einräumt. Der Kader sei zwar breit aufgestellt gewesen, aber eben qualitativ nicht gut genug. Zu viel hing an den Spitzenspielern.

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Woltmann stand damals als neuer Geschäftsführer mit in der Verantwortung. Kurz vor Weihnachten übernahm er vom freigestellten Sebastian Machowski das Amt des Trainers. Und damit einen Job, den er seit Langem gut kennt. Der ehemalige Bundesliga-Basketballer Arne Woltmann war unter anderem Co-Trainer beim Titelsammler Brose Bamberg und der deutschen Nationalmannschaft.

Für die passende Kaderzusammenstellung gibt es nun keine Rezeptur. Konkurrent Braunschweig, erzählt Woltmann, habe zuletzt seinen Top-Spieler aus der zweiten Liga geholt, ein ziemliches Risiko. Braunschweig hatte dann mit dem Abstieg nichts zu tun. Die Erfurter Rockets setzten konsequent auf deutsche Spieler – und stiegen ab.

Sein Mailfach, sagt Woltmann, fülle sich fast stündlich mit Angeboten, darunter seien deutsche wie ausländische Spieler. Er hat gut zu tun mit Sichtung und Prüfung. Ende Mai, Anfang Juni wollen Grube und er eine sogenannte Shortlist aufstellen. Eine kurze Liste also, auf der Spieler stehen, mit denen sie sich intensiv beschäftigen werden. Bislang steht nur fest, dass Carl Baptiste, Dominique Johnson, Adrian Breitlauch und Michael Kessens auch für die kommende Saison einen Vertrag besitzen. Die anderen acht Plätze im 12er Kader sind vakant. Zudem die Position des Co-Trainers. Auch wenn es danach aussieht, dass dieser weiterhin Chris Harris sein wird. "Die Gespräche laufen", sagt Woltmann.

Top-Spieler Jordan Hulls, der sich auf der Homepage der Eisbären "als Anführer und Armverlängerung des Trainers", bezeichnet, wird laut Woltmann kaum zu halten sein. Der Klub würde nur zu gern verlängern, der Spieler fühlt sich eigentlich wohl – die Gesetze des Marktes werden den US-Amerikaner wohl dennoch wegziehen aus Bremerhaven. "Ich denke, wir werden jemanden suchen müssen, der diese Lücke füllen kann", sagt Woltmann.

Die Reißleinen-Erfahrung

Bei der Ausrichtung auf die neue Saison soll aber auch, trotz allen Personalwechsels, die alte helfen. Was den Umgang mit den Spielern betrifft, habe er eine Menge gelernt, sagt Woltmann. Er kehrte ja im Vorjahr mit einer Trainer-Vita in seine Geburtsstadt zurück, in der die Spieler wie in Bamberg von Sieg zu Sieg geeilt waren. Wenn sie dann dennoch mal verloren hätten, dann hätten sie auch harsche Kritik ertragen und verarbeiten können. "Hier war dagegen die Reißleine sehr dünn", sagt Woltmann über Eisbären im Leistungsloch, "reinprügeln wäre da der falsche Ansatz." Er hätte lernen müssen, wie das geht: Wie Spieler, die nach einer Niederlagen-Serie geknickt sind und beginnen, mit sich zu hadern, "nicht diese Verlierermentalität annehmen". Die Erfahrung werde ihm sicher helfen in der neuen Saison. Dauer-Sieger, das werden sie sicher nicht werden demnächst in Bremerhaven. Aber Verlierer-Typen, das wollen sie auch nicht werden.

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