Chinese Eight-Ball

Uneinigkeiten beim Billard-Turnier im Weserpark

So schwer wie die Billard-Variante Chinese-8-Ball ist, so verworren wirkt der Streit zwischen Verband und Veranstalter. 32 Spieler sind im Weserpark dennoch zum viertägigen Turnier angetreten.
20.11.2019, 19:37
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Uneinigkeiten beim Billard-Turnier im Weserpark
Von Olaf Dorow
Uneinigkeiten beim Billard-Turnier im Weserpark

Fitim Haradinaj, Mitglied der Billardfreunde Bremen, konzentriert bei seinem nächsten Zug.

Christina Kuhaupt

Draußen ganz schön neblig. Drinnen ganz schön gefährlich. So, stellt man sich vor, könnte es sich angefühlt haben an diesem Mittwoch beim Gang in den Weserpark. Zumindest für Billardspieler. Der nationale Verband, die Deutsche Billard-Union (DBU), hatte denjenigen deutschen Spielern mit einer Sperre gedroht, die an diesem Turnier teilnehmen: dem Bremer Chinese-8-Ball-Turnier. Welches wiederum Bestandteil der „Joy Chinese Pool Event Tour“ durch Europa ist.

Der Veranstalter, die International Chinese 8-Ball-Association Germany (ICEA), will diese in China sehr beliebte Billard-Variante in Deutschland bekannt machen. Der Verband sieht seine Hoheit gefährdet. Er betrachtet das Bremer Turnier als nicht genehmigte und kommerziell orientierte Konkurrenz-Veranstaltung. Folge: verhärtete Fronten. Verband und Veranstalter ineinander verkeilt.

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Ein Betreten-auf-eigene-Gefahr-Schild ist dann aber nicht zu sehen, als das viertägige Turnier am Mittwoch losgeht. Spieler, die sich in Gefahr sehen, trifft man auch nicht. „Wenn ich gesperrt werde, ist das halt so“, sagt Fitim Haradinaj von den Billardfreunden Bremen. Der Verein wollte das Turnier ursprünglich ausrichten, ehe vorsichtshalber die ICEA Germany gegründet wurde. Haradinaj ist einer von drei Billardfreunde-Spielern aus der Oberliga, die mitmachen. Sie sind aktuell Tabellenführer in der vierthöchsten Spielklasse. Sollte der DBU-Bann greifen, hätte der Tabellenführer quasi keine Mannschaft mehr.

Von den 32 Spielern, die in Bremen antreten, kommen zehn aus Deutschland. Ob sie wirklich gesperrt werden, ist die Frage. Je tiefer man in die Materie eindringt, umso unübersichtlicher wird die Lage. Nils Johanning, der sowohl für den Veranstalter ICEA Germany als auch als mitspielender Billardfreund agiert, sagt: Die Einstweilige Verfügung gegen den Verband habe man zurückgezogen. Weil nicht klar sei, welche Rechtsebene gilt. Sportrecht? Zivilrecht? Seiner Meinung nach dürfe eine DBU-Sperre nur für Bundesliga-Spieler gelten. Bundesliga-Spieler haben – wohl aus Vorsicht – für Bremen nicht gemeldet.

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Außerdem verstoße die DBU gegen die eigene Satzung. In der stehe, dass bei Teilnahme an einem nicht genehmigten Turnier eine Geldstrafe von 500 Euro erhoben werde. Erst im Wiederholungsfalle greife eine Sperre. Laut Thomas Bolten, Vizepräsident des niedersächsischen Landesverbandes, habe die DBU bislang eine Sanktion nur empfohlen. Nicht aber angeordnet. „Sollte die Vorgabe kommen, müssen wir das prüfen“, sagt er. Sein Landesverband sehe bei Teilnahme an einem nicht genehmigten Turnier eine 50-Euro-Strafe vor. Ansonsten passiere nix. Aktueller Stand: warten, ob wirklich Sperren vollzogen werden sollen.

Dass man die Eight-Ball-Sache so oder so sehen kann, lässt sich im Weserpark auf mehrere Ebenen übertragen. Es gibt Passanten im Shoppingcenter, die das Niveau nicht so doll finden. Es gibt Hobby-Spieler unter den Passanten, die das Niveau bewundern. Die 32 Spieler, die statt der erhofften 200 antreten, sind grob aufgeteilt in ausländische Profis und überwiegend vereinslose Amateurspieler. Agush Ahmeti aus Hannover ist so einer. Er will das mal ausprobieren. Weil quasi Pool auf einem verkleinerten Snooker-Tisch gespielt werde, müsse sehr präzise und strategisch gespielt werden. Die Kugeln würden für den Gegner oft geradezu versteckt. Es sei „ein bisschen wie Schach“. Funktionär Bolten findet 8-Ball „langweilig“. Das Spiel laufe viel zu schleppend.

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Markus Freyburg, der mit drei Freunden aus Köln angereist ist, sagt: „Bälle, die beim Pool reingehen, gehen hier nicht rein.“ Er spiele seit 25 Jahren Pool. Die Pool-Gewohnheiten müsse man aber über Bord werfen in dieser Disziplin. Mit seinen Freunden habe er schon überlegt, einen der 8-Ball-Tische anzuschaffen. Damit wäre das vom DBU-Präsidenten Helmut Biermann gegeißelte kommerzielle Motiv bedient. Der chinesische Tische-Hersteller Joy ist Hauptsponsor der Veranstaltung, für die die Billardfreunde Bremen laut Johanning mit 15 Vereinsmitgliedern beziehungsweise Freiwilligen drei Tage und Nächte im Weserpark alles hergerichtet haben.

Während DBU-Präsident Biermann argumentiert, man müsse den Amateursport schützen, sagt Amateurspieler David Elahi von den Billardfreunden: „Man muss doch auch mal die Amateursportler verstehen.“ Sie würden doch sonst vorwiegend in irgendwelchen Vereinsräumen ohne Publikum spielen. Hier aber könnten sie sich mal einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Könnten eine interessante neue Disziplin im Duell mit Super-Könnern ausprobieren – und vielleicht sogar ein Preisgeld anpeilen. Agush Ahmeti sagt über den Streit rund um die grünen Tische: „Ich finde, die sollten sich mal am grünen Tisch zusammensetzen.“

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