BMX-Sport Schwebezustand am Oeversberg

Den BMX-Fahrern setzt die Ungewissheit über das Sportpark-Gelände fast noch mehr zu als die Pandemie. Die Sanierung kann nicht beginnen, solange keine Klarheit über die Flächen besteht.
16.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Schwebezustand am Oeversberg
Von Olaf Dorow

Es gibt nicht nur trübe Botschaften in diesen trüben Zeiten für den Amateursport. Das ist Jens Mühlner wichtig, auch darauf hinzuweisen. Er ist der 2. Vorsitzende des Vegesacker BMX-Clubs, und wenn er zur, sagen wir mal: übersichtlich zufriedenstellenden Situation rund um seinen Sport, seinen Verein und vor allem die Bahn dort im Sportpark Oeversberg befragt wird, dann hat er eben auch diese Botschaft. Der BMX-Sport, seit 2008 olympisch, scheint keineswegs ein sterbender Sport zu sein. Mühlner kann von etlichen Anfragen für ein Schnuppertraining berichten. Auf einer Art Warteliste seien derzeit rund 30 Anmeldungen verzeichnet.

Das will etwas heißen, so mitten in einem Sportbetrieb im Standby-Modus. Auf dem Oeversberg, wo laut Mühlner vor knapp 40 Jahren die vermutlich erste BMX-Bahn Deutschlands entstand, gibt es seit Monaten nicht mehr viel zu beobachten, was nach Vereinstraining aussehen könnte. Nur maximal zwei Personen dürfen auf die Anlage, mehr gestatten die Corona-Auflagen nicht. Wenn eine Person davon ein Trainer oder eine Trainerin ist, bleibt ein Sportler oder eine Sportlerin, der oder die auf die Bahn gehen kann. 60 aktive BMX-Sportler gebe es im Club, 80 Vereinsmitglieder seien es insgesamt, sagt Mühlner. „Nur mit sich selbst zu fahren, macht auf Dauer ja keinen Spaß“, sagt er. Die Motivation der Jugendlichen leide, das sei schon zu spüren.

Kein Training in größeren Gruppen, kaum Wettkämpfe. Einige seien immerhin ein wenig international unterwegs gewesen. Ein wenig. Sebastian Nötzel, einer der Besten auf der buckligen Piste, habe 2020 gerade mal zwei Wettkämpfe bestreiten können, beide im Ausland. In Prag habe er im August in einem offenen Rennen den Gesamtsieg bei der zweitägigen Veranstaltung „King of Prague“ geholt. Und im September sei er in Verona beim einzigen Rennen des BMX European Cups ins Finale gekommen, in dem er dann Fünfter geworden sei.

Das heruntergefahrene Vereins- und Wettkampfgeschehen ist ein Problem für die BMX-er, es ist aber nicht ihr größtes. So sagt es Jens Mühlner. Die Unwägbarkeiten um den Sportpark treiben ihn und seine Vereinskollegen um. Treiben auch die anderen Vereine um, die auf der Bezirkssportanlage (BSA) Oeversberg angesiedelt sind: SV Grohn, TV Grohn, SV Kurd, TSV St. Magnus. Der Pachtvertrag der Stadt mit den Vereinen ist laut Mühlner Ende 2014 ausgelaufen, seitdem seien die Vereine auf dem Gelände quasi nur geduldet. „Aber rein formal sind wir in einem vertragslosen Zustand“, sagt er. Die Eigentumsverhältnisse erscheinen unübersichtlich. Angeblich gehört ein Teil der Jacobs University, auf einen anderen Teil soll sie eine Option bis 2025 besitzen, will diese jedoch nicht ziehen. Höchstens für ein Reststück. Will sich aber womöglich ganz aus der Fläche zurückziehen und sieht sowieso einer ungewissen Zukunft entgegen.

Im vergangenen Sommer war der Vertrag zwischen dem Senat, der University und der Jacobs Foundation aufgelöst worden. Sport- und Wissenschaftsbehörde sind involviert in die Diskussion um die sanierungsbedürftige BSA-Fläche, ein Runder Tisch wurde eingerichtet. Was fehlt, ist Klarheit. „Politisch gibt es einen Konsens, dass es weiter Sport auf dem Oeversberg geben soll und dass die Vereine dort weiterhin ihre Heimat behalten“, sagte Jan Fries, Staatsrat aus dem Sportressort, Anfang Oktober dem WESER-KURIER. Er hoffe, dass die Sportanlage komplett für den Sport erhalten bleibt und nicht auf zwei Drittel der Fläche reduziert werden muss. Und gehe davon aus, dass sich das noch 2020 klären lässt.

Im Februar 2021 ist es allerdings weiterhin ungeklärt. Eine notwendige Sanierung der Sportflächen stockt, weil weiterhin niemand verlässlich sagen kann, wie groß die Sportfläche künftig ausfällt. „Unser Interesse ist es nach wie vor, das gesamte Gelände für den Sport zu nutzen“, bestätigt Bernd Schneider, Sprecher von Sportsenatorin Anja Stahmann. Sportressort, Wissenschaftsressort und University beziehungsweise deren Träger müssten sich da mal zusammensetzen.

Dem Vegesacker BMX-Club, der 2008 letztmals eine deutsche Meisterschaft auf die Bremer Bahn geholt hatte, bleibt vorerst der Wartestand. Inzwischen sei die Bahn nicht mehr fit genug für nationale Titelkämpfe, sagt Mühlner. Die Kosten für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen würden sich mittlerweile auf eine Summe zwischen 45.000 und 55.000 Euro belaufen. Im Fall des Falles würde dann das Sportamt einen Teil der Kosten übernehmen, vielleicht sogar mehr als die Hälfte. Würde. Vor allem wegen des Schwebezustands am Oeversberg muss weiterhin der Konjunktiv ausreichen.

Info

Zur Sache

Seit 1983 in Bremen

In den 1980er-Jahren kamen auch in Europa die kleinen BMX-Räder mit ihren nur 20 Zoll großen Laufrädern in Mode. BMX steht als Abkürzung für Bicycle Motocross, wobei das X für das englische „cross“ (Kreuz) steht. Im BMX-Sport geht es grob unterteilt um Rennen über bucklige und kurvige Pisten oder um spektakuläre Tricks im Freestyle. BMX-Rennen gab es 2008 erstmals in Peking bei den Olympischen Spielen. Die Bahn des Vegesacker BMX-Clubs, gebaut 1983, gilt als eine der ersten in Deutschland und war womöglich sogar die allererste. Bahnen gibt es unter anderem auch in Erlangen, Weilheim, Weiterstadt, Bispingen, Cottbus, Hamburg, Plessa und Stuttgart.

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