Spieler prügeln sich Vatan-Präsident: "Bei uns gibt es mehr schwarze Schafe"

Der KSV Vatan Sport sorgt derzeit für negative Schlagzeilen. Zuletzt waren ein Spielabbruch und prügelnde Spieler der Grund. Doch der Verein werde auch weiterhin um sein Image kämpfen, sagt Vatan-Präsident Murat Orta.
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Von Stefan Freye

Murat Orta ist nun bereits seit einigen Jahren der Präsident des KSV Vatan Sport. Er macht die Aufgabe gern, eigentlich. In diesen Tagen aber macht es keinen Spaß, der Vatan-Präsident spricht von einer Momentaufnahme, die „nicht schön“ ist. Nicht schön ist, dass es vor einigen Wochen schon mal zu einem Spielabbruch unter Beteiligung der zweiten Mannschaft des Vereins gekommen war. Nicht schön ist, dass am vorletzten Wochenende das Bremen-Liga-Spiel zwischen dem Brinkumer SV und Vatan abgebrochen wurde, weil der Unparteiische dessen Austragung durch die Einflussnahme einiger Zuschauer nicht gewährleistet sah. Und schließlich ist natürlich auch nicht schön, dass zwei Vatan-Kicker im Spiel bei der BTS Neustadt aneinandergerieten und nach einer handfesten Auseinandersetzung die Rote Karte sahen.

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„Wir haben viele Jahre der harten Arbeit in vier, fünf Wochen zunichtegemacht“, sagt Murat Orta. Vor einigen Jahren hatte sich der Verein bereits ein Negativ-Image „erarbeitet“, doch dann war es ziemlich lange ziemlich ruhig geblieben. Das ist nun anders. Natürlich weiß Murat Orta, dass die Zusammenhänge erst für eine Brisanz sorgen. Der Vorfall von Sonntag für sich wäre vermutlich nicht mehr als eine Randnotiz: Zwei Spieler prügeln sich, müssen vom Platz, und dann verliert ihre Mannschaft eben mit 1:4. Aber es gab auch diesen Spielabbruch in der Bremen-Liga, das ist selten und deshalb besonders schwerwiegend.

Nun gibt es zwar Beobachter dieser Partie, die meinen, es hätte nicht zwingend der Anlass zu einem vorzeitigen Ende bestanden. Murat Orta gehört zu diesen Menschen. Aber er sagt auch: „Es gibt überall schwarze Schafe, aber bei uns ein bisschen mehr.“ Also geht die schwierige Arbeit weiter, wollen Orta und die anderen Funktionäre von Vatan wieder für ein faires Auftreten sorgen. „Wir reden viel mit den Leuten, aber du steckst eben nicht in den Köpfen drin“, sagt der Präsident.

Eines steht für Orta angesichts der jüngsten Entwicklung allerdings fest: „Es wird keine Gewinner geben, und der Fußball wird verlieren.“ Eine traurige Prognose, für die derzeit aber einiges spricht. Denn die Vatan-Kicker haben zwar für die Höhepunkte der letzten Wochen gesorgt. Aber die unerfreulichen Vorgänge lassen sich nicht auf den Verein beschränken, die Wurzel allen Übels sind die Vatanesen deshalb keinesfalls.

Orta selbst hat es erlebt, in der letzten Saison, als sein Klub noch in der Landesliga angetreten war. Damals sind die Kicker in Bremerhaven rassistisch beleidigt worden. „30 Minuten lang“, sagt Orta, „auch dieses Spiel hätte abgebrochen werden können, aber das wollten wir nicht.“ Er war damals der Meinung, man sollte diesen Zuschauern nicht so viel Macht geben. Eine Strafe gegen den SFL Bremerhaven scheiterte aus formellen Gründen. „Das ist kein Zustand, wir haben keine Handhabe gegen die Zuschauer“, sagt Jens Peters, der Spielausschussvorsitzende des Bremer Fußball-Verbandes. Er findet zudem auch, dass sich die aktuelle Lage nicht allein an Vatan festmachen lässt: „In den unteren Ligen passiert auch viel.“

Allein in den letzten zwei Monaten kam es zu mehreren Vorfällen. Zunächst war es bei einem Ü50-Spiel der 2. Kreisklasse zwischen dem AGSV und OT Bremen zu Tumulten gekommen, und dann war auch eine Bremen-Liga-Partie betroffen. Das Spiel zwischen Habenhausen und Grolland zog eine Strafanzeige wegen Körperverletzung nach sich, zudem fühlte sich der Schiedsrichter massiv von Spielern bedroht. Zuletzt war eine Zuschauergruppe im Bremen-Liga-Spiel zwischen der SG Aumund-Vegesack und der LTS Bremerhaven durch Schiedsrichterbeleidigungen aufgefallen; die Partie zwischen Eintracht Aumund und Werder Bremen IV (Kreisliga A) musste ebenso abgebrochen werden wie das Spiel zwischen Polizei SV II und OT Bremen III.

"Das ist doch traurig"

„Da hat es eine Schlägerei unter allen Beteiligten gegeben“, sagt Jens Peters. Er ist entsetzt über diese Vorgänge, zeigt sich „besorgt“ angesichts der Gewalt auf Bremer Fußballplätzen. Seine Aufgabe ist deshalb auch nicht deutlich leichter als jene von Murat Orta: „Es macht keinen Spaß mehr.“ Aber irgendetwas muss wohl passieren, wenn ihr Sport nicht nachhaltig leiden soll, das wissen die Beteiligten. Denn so kann es nicht bleiben. „Jetzt haben wir eine halbe Stunde gesprochen und dabei kein Wort über den Fußball verloren, das ist doch traurig“, sagt Murat Orta.

++ Dieser Artikel wurde zuletzt am 23.10.2017 um 21:04 Uhr aktualisiert ++

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