Hygienekonzepte bei Bremer Sportvereinen

Vereinsmitglieder müssen mitziehen

Im Landkreis Oldenburg hat ein Sportler gegen die Corona-Auflagen verstoßen und damit seine ganze Mannschaft in Quarantäne befördert. Bremer Klubs versuchen vorzubauen, dass so etwas nicht passiert.
19.08.2020, 05:13
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Vereinsmitglieder müssen mitziehen
Von Jörg Niemeyer
Vereinsmitglieder müssen mitziehen

Der ATS Buntentor war einer der ersten Vereine in Bremen, der schon im Mai den Übungsbetrieb unter freiem Himmel wieder aufnahm. Die Sportvereine haben sich im Verlauf der Corona-Krise bislang nicht zu Infektionsherden entwickelt.

Frank Koch

Landrat Carsten Harings zeigte sich entsetzt. Weil ein Sportler nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet die Quarantäne-Regeln missachtet hatte, musste das Gesundheitsamt im Landkreis Oldenburg eine komplette Mannschaft für zwei Wochen aus dem Verkehr ziehen. In der kommenden Woche enden in Bremen und Niedersachsen die Sommerferien. Sind dann ebenfalls derartige Szenarien zu befürchten?

Ausschließen will und kann das niemand im organisierten Sport. „Aber mir ist bislang nicht zu Ohren gekommen, dass es in bremischen Vereinsgruppen zu größeren Infektionsherden gekommen ist“, sagt die Geschäftsführerin des Landessportbundes Bremen (LSB), Karoline Müller. Der LSB hatte Verbände und Vereine in den vergangenen Monaten stets eng durch die Corona-Krise begleitet. „Kein Klub möchte, dass eine seiner Gruppen oder gleich der ganze Verein geschlossen werden“, sagt Müller. Sie vertraut darauf, dass sich die Sportler wie bisher verantwortungsbewusst verhalten. Und sie appelliert an Klubverantwortliche und Übungsleiter. „Sie sollten in den Gruppen noch kritischer nachfragen, wo jemand in Urlaub gewesen ist.“

Lesen Sie auch

Auch Fred Siegert beobachtet natürlich die Entwicklung der Pandemie. „Wir machen weiter das Bestmögliche“, sagt der Geschäftsführer des Großvereins TV Eiche Horn, „aber hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben.“ Die Reiserückkehrer seien in seinem Verein jedoch kein Thema, das jetzt zusätzliche Befürchtungen auslöst. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Rückkehrer aus Risikogebieten sich nicht in die Öffentlichkeit begeben“, sagt er und setzt ebenfalls auf die Vernunft der Mitglieder. „Da muss jeder Verantwortung übernehmen, wir können schließlich nicht alles kontrollieren.“

Fred Siegert glaubt, dass der TV Eiche Horn die Regularien für den Umgang mit Corona grundsätzlich streng gehandhabt habe. „In unserem Sportzentrum sollten die Mitglieder Maske tragen, auch wenn es nicht zwingend vorgeschrieben war“, sagt Siegert, „und wenn etwas nicht richtig zu laufen schien, haben wir die Personen auch angesprochen.“ Die Klubverantwortlichen wiesen ihre Mitglieder weiter darauf hin, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. Aber Sorgen vor einem möglichen Hotspot im Verein gebe es nicht.

Lesen Sie auch

Deshalb wolle der TV Eiche Horn auch immer mehr Übungsstunden wieder stattfinden lassen – in dem Rahmen, den die Corona-Verordnung gerade zulasse. „Die Freiluft-Angebote sind gut angenommen worden“, sagt Siegert mit Blick auf die vergangenen Monate. Auch in den kommenden Wochen wird sich in Horn vieles draußen abspielen – zum einen, weil es mit weniger Ansteckungsrisiko verbunden ist, zum anderen aber auch, weil dem Klub aktuell gleich mehrere Hallen nicht zur Verfügung stünden.

Ähnlich wie der TV Eiche Horn, hat der ATS Buntentor aus der Not eine Tugend gemacht. Für den Verein aus der Neustadt hat die Corona-Pandemie in gewisser Weise sogar eine positive Seite. „Mit der jetzt gemachten Erfahrung werden wir im kommenden Jahr mit vielen Gruppen wieder draußen trainieren“, sagt der Vereinsvorsitzende Jürgen Maly. Dafür seien bereits in diesem Sommer zahlreiche mobile Sportgeräte und auch Musikanlagen angeschafft worden. Sport unter freiem Himmel komme bei den Mitgliedern sehr gut an. Mit den entwickelten Hygienekonzepten sehe sich der Verein auch gut aufgestellt.

Lesen Sie auch

Angst vor erhöhten Infektionszahlen mit Ende der Schulferien hat Jürgen Maly nicht – zumindest nicht wegen der Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Die seien beim ATS Buntentor kein Thema – im Gegensatz allerdings zu den Schulkindern. Für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in der nächsten Woche interessiere er sich mit seinen Vereinskollegen dagegen sehr. Denn erkrankte Kinder könnten einen Sportverein schnell zu einem Hotspot werden lassen. Maly rechnet vor, dass in einer Übungsgruppe durchaus Kinder aus zehn oder zwölf verschiedenen Schulklassen zusammentreffen könnten. Diese Zahl multipliziert mit der Anzahl ihrer jeweiligen Mitschüler, ergebe schnell eine dreistellige Anzahl von Kontaktpersonen.

„Deshalb bemühen wir uns mit unseren Hygienekonzepten, potenzielle Kontakte so gering wie möglich zu halten“, sagt Maly. Einerseits. Andererseits sagt er auch, wie unbefriedigend es sei, dass beim ATS Buntentor der Übungsbetrieb für Kinder im Alter bis zehn Jahren seit Wochen ruht. Abstandsregeln mit kleinen Kindern seien eben schwer umzusetzen. „Du kannst die Kinder ja nicht festbinden“, sagt der Vereinschef. Und trotzdem hat der Vorstand in der vergangenen Woche beschlossen, dass ab dem 31. August auch die Kleinen und Kleinsten (Eltern-und-Kind-Turnen) wieder zu ihrem Recht kommen sollen. Bis zu den Herbstferien zwar noch nicht in der Halle, aber unter freiem Himmel. Während Maly den Umgang mit Reiserückkehrern als „staatliche Aufgabe“ betrachtet, hält er daran fest, Übungsleiter des Vereins für die Corona-Problematik zu sensibilisieren. Sie sollen Kinder oder Erwachsene bei Symptomen einer Krankheit bitten, zum Arzt zu gehen – aktuell eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Info

Zur Sache

Island-Reise fällt Corona zum Opfer

Es war alles bis ins Detail geplant – und nun macht Corona der Bremer Schachgruppe doch einen dicken Strich durch die Rechnung. Eine neunköpfige Delegation aus Bremen unter Führung von Jochen Windheuser hatte sich vorgenommen, Anfang September auf Island auf den Spuren des ehemaligen, 2008 gestorbenen Schach-Weltmeisters Bobby Fischer (USA) zu wandeln. „Die isländische Regierung hat eine Verschärfung der Einreisebestimmungen wegen steigender Corona-Zahlen angekündigt“, sagt Windheuser. Das hätte zwei Tests pro Person und eine vier- bis fünftägige Quarantäne bedeutet – zu viel für eine Gruppe, die nur elf Tage vor Ort sein möchte. „Deshalb haben wir uns entschlossen, die Reise um ein Jahr zu verschieben.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+