FC Oberneuland Versprechen am Tresen

Bremen. 'In den ersten Jahren', erinnert sich Holger Micheli, 'da haben uns die Gegner schon mal angerufen, wo sie uns eigentlich finden.' Doch inzwischen hat sich in der deutschen Fußball-Szene herumgesprochen, dass der Viertligist FC Oberneuland in Bremen zuhause ist.
31.07.2010, 09:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke

Bremen. 'In den ersten Jahren', erinnert sich Holger Micheli, 'da haben uns die Gegner schon mal angerufen, wo sie uns eigentlich finden.' Doch inzwischen hat sich in der deutschen Fußball-Szene herumgesprochen, dass der Viertligist FC Oberneuland in Bremen zuhause ist, schließlich kickt er seit rund zwei Jahrzehnten auf überregionalem Niveau.

Und das liegt ausschließlich daran, dass sich der Architekt Holger Micheli seit inzwischen 24 Jahren erfolgreich um die wirtschaftlichen Voraussetzungen kümmert. Die Idee, die einst am Biertisch geboren wurde, hat inzwischen fast ein Vierteljahrhundert überdauert. Und es kann durchaus noch eine Weile so weitergehen. Denn Holger Micheli, inzwischen 66 Jahre alt, zuckt auf die Frage nach dem Ruhestand fast hilflos die Schultern: 'Ich muss doch weitermachen, sonst läuft das mit dem FCO nicht mehr.'

Er selbst hat nie Fußball gespielt. Holger Micheli war einst beim Vegesacker TV ein hoch qualifizierter Handball-Torwart, später segelte er Hochsee-Regatten, inzwischen ist er Hobby-Golfer. Doch Fußball, speziell in der beim FCO praktizierten Form, ist zu einem wesentlichen Inhalt seines Lebens geworden, und das kam so: 'Ich habe ganz zufällig damals mit dem Vorstand des FCO etliche Biere getrunken. Dann haben die erzählt, wie dringend sie Sponsoren suchen , und ich habe mich damit gebrüstet, dass das wohl zu machen wäre', erinnert er sich. Am nächsten Tag hatte er das bierselige Versprechen schon fast vergessen. Doch dann stand der FCO-Vorstand plötzlich bei ihm in der Tür. Und Holger Micheli fand, er müsse zu seinem Wort stehen.

Hilfe von guten Freunden

Er hat sein Versprechen gehalten, inzwischen 24 Jahre lang. Weil Micheli sich ums Geld kümmerte, konnten immer wieder Spieler verpflichtet werden, die dafür sorgten, dass der FC Oberneuland von der Kreisliga A fast Jahr für Jahr aufstieg. 1995 war er in der damaligen Oberliga angekommen, die inzwischen Regionalliga heißt, nur einmal stieg man zwischendurch ab. Doch vor einigen Jahren fehlten nur zwei Punkte, und der FCO wäre drittklassig gewesen. 'Auch eine Klasse höher', glaubt Micheli, hätten wir eine Chance. 'Denn in der dritten Liga gibt es einiges an Geld mehr vom DFB.'

Er mag nicht sagen, wie viel Geld der Fußballspaß beim FCO jährlich kostet. Doch wer auf rund eine dreiviertel Million Euro tippt, liegt gewiss nicht weit daneben. 'Das weitaus meiste bringen die Sponsoren auf', sagt Holger Micheli. Welche Sponsoren? 'Geschäftsfreunde, mit denen ich seit Jahren zu tun habe. Und da wäscht eine Hand schon mal die andere', erzählt er. Wozu man wissen muss: Holger Micheli betreibt ein eigenes Architektur-Büro, hat sich auf die Planung von Einkaufszentren spezialisiert.

Das Geschäft läuft offensichtlich, und dabei fallen ebenso offensichtlich alljährlich einige Sponsoren-Gelder für den FCO ab. 'Wir haben fast zwei Dutzend Sponsoren', sagt Micheli. Ansonsten kann er noch auf 115000 Euro vom DFB hoffen und auf das Erreichen der ersten DFB-Pokalhauptrunde, die für den FCO fast lebenswichtig ist. Denn die bringt noch einmal 130000 Euro an Fernsehgeldern. Zuschauer-Einnahmen sind zu vernachlässigen; die knapp 5000, die einst zum DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Köln kamen, gelten immer noch als Besucher-Rekord.

Doch immerhin: Seit einigen Jahren verfügt der FCO mit dem Stadion am Vinnenweg über eine für die Klasse geeignete Anlage, auch das hat der Verein übrigens Micheli zu verdanken. Denn dem glückte in jahrelangen Verhandlungen ein Deal mit der Stadt. Danach wurde der ursprüngliche Platz Uppe Angst als Bauland ausgewiesen, am Vinnenweg konnte gebaut werden.

Ursprünglich war er ganz ohne Amt, dann wurde er 2. Vorsitzender, seit zehn Jahren steht Holger Micheli an der Spitze des Vereins, in dem inzwischen auch 17 Jugendmannschaften dem Ball nachlaufen. 'Aber ich muss mich nicht mehr viel kümmern', sagt Holger Micheli und erklärt: 'Karen macht das alles, die kennt sich gerade im Umgang mit dem DFB viel besser aus.' Karen - das ist seine Tochter, die seit einigen Jahren als Geschäftsführerin des Vereins am Vinnenweg sitzt und alle Fäden in der Hand hält. Und die auch mit dem DFB offensichtlich besser klar kommt als der Vater, der auf die Herren in Frankfurt nicht besonders gut zu sprechen ist. 'Immer neue meist überflüssige Auflagen, immer neue Kosten. Ich habe das Gefühl, die wollen keinen Dorfverein wie uns in dieser Klasse', sagt der Mann, der fast allein dafür sorgte, dass der FC Oberneuland eigentlich kein Dorfverein mehr ist.

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