Deutschland tut sich gegen Portugal sehr schwer, aber Mario Gomez köpft die DFB-Elf zu einem 1:0-Sieg Viel Glück

Es musste sehr gezittert werden gestern Abend in Lwiw. Die deutsche Nationalmannschaft hätte beinahe noch den Ausgleich kassiert. Doch sie hatte nach einer spielerisch nicht sehr überzeugenden Vorstellung Glück. Der Ausgleich fiel nicht, es blieb beim 1:0 gegen Portugal, herbeigeköpft von Bayern-Stürmer Mario Gomez.
11.06.2012, 13:27
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Viel Glück
Von Olaf Dorow

Es musste sehr gezittert werden gestern Abend in Lwiw. Die deutsche Nationalmannschaft hätte beinahe noch den Ausgleich kassiert. Doch sie hatte nach einer spielerisch nicht sehr überzeugenden Vorstellung Glück. Der Ausgleich fiel nicht, es blieb beim 1:0 gegen Portugal, herbeigeköpft von Bayern-Stürmer Mario Gomez.

UND MARC HAGEDORN

Lwiw. Er freue sich sehr, dass es nun endlich losgeht. Bundestrainer Joachim Löw hatte das oft genug gesagt in den letzten Tagen. Er sei sehr entspannt. Weil er ja wisse, wie gut und weit seine Mannschaft sei. Weiter jedenfalls als vor zwei Jahren, als sie WM-Dritter wurde. 20 Minuten vor dem Anpfiff des ersten EM-Spiels gegen Portugal setzte sich Löw am Spielfeldrand auf ein Fotografen-Podest und schlürfte an einem Becher Kaffee. Als es dann losging, war es mit der Entspannung nicht mehr weit her. Zunehmend regte sich Löw auf. Am Ende der ersten Halbzeit wirkte er ähnlich verkrampft wie seine Spieler.

Seine Spieler hatten nämlich eine erste Hälfte abgeliefert, die vielleicht nicht das genaue Gegenteil von dem Fußball war, der Löw vorschwebt. Aber weit davon entfernt war es auch nicht. Zu oft wurde quer gespielt, zu selten mit Tempo und fast nie mit Pfiff. Nur ein Kopfball von Mario Gomez (2.) sprang heraus bis zur Halbzeitpause, und noch zwei Halb-Chancen von Lukas Podolski. Der Ertrag von Gegner Portugal: so gut wie nichts bis zur 45. Minute und in dieser aber fast das 1:0 für den selbsterklärten Außenseiter. Verteidiger Pepe hatte nach einem Eckball die Unterkante der Latte erwischt. Von dort prallte der Ball auf die Linie.

Die Portugiesen um Weltstar Cristiano Ronaldo hatte sich auf eine einfache, aber wirkungsvolle Taktik verlegt. Sie ließen die Deutschen spielen. Aber die Deutschen spielten nicht. Sie zeigten nicht jenen schwungvollen Stil, den die Fußball-Welt seit einigen Jahren an Deutschland so mag. Löws Elf sah gestern in Lwiw erst einmal so aus wie eine DFB-Elf aus längst vergessenen Zeiten: zu statisch, zu umständlich, zu langsam. Nur ein schwungvoller Auftakt bis zu jenem Gomez-Kopfball war ihr geglückt. Gomez war von Löw etwas überraschend aufgestellt worden anstelle von Miroslav Klose.

In der Innenverteidigung hatte sich der Bundestrainer für den Dortmunder Mats Hummels entschieden und gegen den Ex-Werderaner Per Mertesacker. Löw begründete das später mit der langen Verletzungspause von Per Mertesacker. Ein etwas zu kurz berechneter Rückpass von Hummels sorgte für den ersten großen Aufreger im Spiel. Portugal-Stürmer Postiga sprintete dazwischen. Er kam zwar nicht mehr an den Ball, aber um ein Haar hätte er bei seiner Attacke den DFB-Torwart Manuel Neuer außer Gefecht gesetzt. Mit der Gelben Karte durfte Postiga sehr zufrieden sein (13.).

Die zweite Halbzeit kam zunächst wie eine Kopie der ersten daher. Der deutsche Schwung ebbte nach wenigen Minuten ab. Das Spiel bekam wieder weitgehend adrenalinfreie Strecken. Mitunter verstummte fast die gesamte Arena. Es passierte fast nichts bis zur 73. Minute. Dann passierte es, dass Deutschland quasi aus dem Nichts das 1:0 erzielte.

Eine lange Flanke von Sami Khedira, abgesandt aus dem Irgendwo des Mittelfelds, erreichte irgendwie den Kopf des Stürmers Mario Gomez. Für Gomez war es gleich in mehrfacher Hinsicht höchste Eisenbahn, etwas zu machen. An der Seitenlinie stand Klose zur Auswechslung bereit. Gomez zielte perfekt und traf. Löw ließ ihn zum Dank noch knapp zehn Minuten weiterspielen, erst dann kam der Wechsel mit Klose. „Ich habe gedacht, eine Chance kriegst Du noch“, sagte Gomez hinterher in einem ersten Fernsehinterview.

Portugal versuchte sich zu wehren. Cristiano Ronaldo, von Jerome Boateng zumeist aufmerksam bewacht, donnerte auf Neuers Tor (83.), aber Neuer hatte damit keine Probleme. Nani flankte scharf und erwischte diesmal die Oberkante der Latte. Und drei Minuten vor dem Schluss lag der Ausgleich in der Luft, und zwar sehr. Über zahlreiche Stationen gelangte der Ball zu Varela. Der stand komplett frei, sein Schuss hatte nur wenige Meter zu überbrücken. Neuer und Verteidiger Badstuber warfen sich dazwischen, es wurde doch nicht das 1:1.

Auch einen Nani-Schuss und einen Alves-Kopfball überstanden die Deutschen noch. Sie hatten zwar lange das Spiel gemacht und sich ihr Tor deswegen irgendwie auch verdient. Aber sie haben sehr großes Glück gehabt dabei. „Wir sind dran geblieben und waren aufsässig. Und wir haben gewonnen. Das ist das Wichtigste“, sagte Löw, als er sich in einen Fernsehsessel fallen ließ. Jetzt war er entspannter.

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