Ex-Radprofi Danny Clark ist zurück in Bremen

Volksheld in Badelatschen

Bremen. Es fühlte sich für Danny Clark ein bisschen an wie nach Hause zu kommen, als er am Donnerstagnachmittag in der ÖVB-Arena aufs Rad stieg. „Die ersten beiden Runden waren schon ein bisschen wackelig.
10.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Lenssen

Es fühlte sich für Danny Clark ein bisschen an wie nach Hause zu kommen, als er Donnerstagnachmittag in der ÖVB-Arena aufs Rad stieg. „Die ersten beiden Runden waren schon ein bisschen wackelig. Die Bahn ist eben tatsächlich unglaublich steil“, sagt der ehemalige Sixdays-Sieger. Zehn Minuten fuhr er auf der Bremer Bahn, die er bis Mitte der 1990er-Jahre so sehr beherrscht hatte.

„In Bremen war ich immer besonders motiviert“, erzählt der heute 62-Jährige. Er lebt nun in der Nähe von Brisbane – und hat nichts von seiner Leidenschaft für den Radsport verloren. „Zwischen 80 und 120 Kilometer fahre ich jeden Tag.“ Der Australier landete am Mittwochmittag in Bremen. 36 Stunden dauerte sein Trip über China und Amsterdam in die Hansestadt. Irgendwo auf dieser Reise war auch ein Teil seines Gepäcks abhandengekommen, das dann am späten Abend doch noch ins Hotel nachgeliefert wurde. „Zum Glück, denn da waren meine komplette Kleidung und die Musiktapes drin.“ Clark ist dieser Tage ein viel beschäftigter Mann: Gestern gab er den Startschuss für das Sechstagerennen, heute steigt er im Rennen der Legenden selbst aufs Rad, außerdem ist er täglich auch noch auch als Showact eingeplant.

Schon während seiner aktiven Karriere hatte Clark in den Rennpausen auf der Showbühne in Badelatschen gerne mal zum Mikro gegriffen. „Ich mag Countrymusik und Balladen. Aber ich spiele nicht gut genug Gitarre, um alleine aufzutreten. Ich brauche dazu eine Band – oder eben meine Musik.“

Danny Clark war in seiner aktiven Zeit einer der Topstars auf dem Lattenoval. Seinen ersten ganz großen Erfolg feierte er 1972 bei den Olympischen Spielen in München mit Silber im 1000-Meter-Zeitfahren. In den 1980er-Jahren sammelte er vier WM-Titel in Steher- und Keirin-Rennen. Seine größte Leidenschaft aber waren die Sechstagerennen. Und das Rennen in Bremen gefiel ihm immer ganz besonders: die steile Bahn, die vielen Rundengewinne. „Und es war jeden Tag voll. Richtig voll.“

Am Mittwochnachmittag ist Clark erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder durch die Katakomben der ÖVB-Arena gelaufen. Er findet sich sofort wieder zurecht. Als er den Innenraum der Arena betritt, sind überall noch die Handwerker im Einsatz. Es wird gesägt, gehämmert und gepinselt. Letzte Werbebanden werden angebracht, ein paar Meter weiter noch Sägemehl zusammengefegt. „Das ist der Geruch der Sixdays“, sagt Clark, während sein Blick die leeren Zuschauerränge entlangstreift. „Danny, Danny, Danny“ hätten die Zuschauer damals immer gerufen, erinnert er sich. Clark, der damals noch Schnäuzer trug, war beliebt. „Das Publikum war so nett zu mir und hat mir so viel gegeben – und ich habe es geliebt, für die Zuschauer zu fahren.“ 235 Sechstagerennen hat er in seiner 23 Jahre langen Profikarriere bestritten. Fünf Mal hat er in Bremen gewonnen, mit fünf verschiedenen Partnern.

„Von der ersten bis zur letzten Runde fand ich es spannend. Du warst so schnell unterwegs, es war so, als würde man fliegen.“ Der Höhepunkt seien dann die letzten zehn Runden gewesen. „Wenn du wusstest, dass du das Ding gewinnst, das war fantastisch“, sagt Clark. Doch der Australier war nicht nur der strahlende Held, er hatte auch eine ganz andere Seite. „Sechs Tage lang haben dir die Leute zugejubelt.“ Danach aber, kurz nach der Siegerehrung, sei plötzlich alles vorbei gewesen. „Du hast noch deinen Masseur und den Mechaniker bezahlt, dich von den Kollegen verabschiedet, und eine Stunde später warst du nachts um zwei auf der Autobahn und der einsamste Mensch der Welt.“ So fuhr er dann zum nächsten Rennen oder nach Belgien, wo Clark wegen der vielen Rennen in Europa für einige Jahre lebte.

Als sich seine Karriere dem Ende zuneigte, kehrte er 1989 zurück nach Australien. Es folgten schwere Jahre. Seine Ehe zerbrach. Erst als Clark mehr als zehn Jahre später die Italienerin Sabina kennenlernte, kehrte das Glück zu ihm zurück.

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