Sonderregelungen im Volleyball

Das Tor zur Regionalliga steht offen

Durch die Entscheidung des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes (NWVV) haben die Frauen und Männer von Bremen 1860 die Möglichkeit in die Regionalliga aufzusteigen.
02.04.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Christian Markwort und Rainer Jüttner

Bremen. Bereits seit über zwei Wochen steht fest, dass die Volleyball-Saison in allen Liegen beendet ist. Jetzt hat auch der Nordwestdeutsche Volleyballverband (NWVV) entschieden, wie die Saison in den einzelnen Ligen gewertet werden soll. Demnach sind die Ligen bei ihrem aktuellen Stand eingefroren worden, in Sachen Auf- und Abstieg greifen in diesem Jahr einige Sonderregelungen (siehe auch Zur Sache auf dieser Seite). Die haben auch für die Bremer Oberligisten Folgen.

Bremen 1860, Männer

Noch Anfang März hatte sich das Team Hoffnungen auf den Aufstieg in die Regionalliga gemacht. Vor dem finalen Doppelspieltag lag das Team von Trainerin Maike Uller-Fürst mit lediglich zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz auf dem dritten Tabellenplatz, die Bremer hätten also unter Umständen – einen zweifachen Erfolg am letzten Doppelspieltag vorausgesetzt – sogar noch am Zweiten aus Bersenbrück und auch an Tabellenführer Ammerland II vorbei ziehen und damit sogar noch direkt aufsteigen können. Dann folgte wegen der Coronakrise das sofortige Saisonende und jetzt die Sonderregelungen des NWVV.

„Das heißt, dass wir nun also die Möglichkeit haben, einen Antrag auf die Teilnahme an der Regionalliga zu stellen und am grünen Tisch aufzusteigen“, zeigte sich 1860-Abteilungsleiter Moritz Müller enttäuscht, „da wir unter Umständen sogar noch Erster hätten werden können.“

Ob sich die Bremer nun tatsächlich bis zum 15. April beim Verband um einen Startplatz in der 14 Mannschaften umfassenden Regionalliga bewerben werden, „wird in den folgenden Tagen intern besprochen“, führte Müller aus. „Wir müssen nun besprechen“, konkretisierte er, „wie eine Saison unter den neuen Voraussetzungen und diesen neuen Gegebenheiten funktionieren kann.“

Dies müsse im Gesamtzusammenhang aller Herrenmannschaften von Bremen 1860 und deren Kader betrachtet werden, verdeutlichte Müller, „ein finanzielles Problem sollte der Aufstieg für den Verein insgesamt nicht darstellen, da wir insgesamt sehr professionell aufgestellt sind und lang etablierte Strukturen, die in der Vergangenheit bestanden haben, wieder aktiviert werden könnten.“ Derzeit könne bei Bremen 1860 allerdings keine gemeinschaftliche Vorbereitung auf die neue Saison stattfinden, die Spieler seien lediglich dazu angehalten sich individuell fit zu halten, sei es durch individuelle Läufe oder Workouts zu Hause. „Wer weiß, ob eine Saison ab September überhaupt stattfinden kann?“, fragt sich Moritz Müller, „im Verein läuft die Planung jedenfalls so, als würde sie es, wir würden in jedem Fall natürlich gerne aufsteigen“.

1860-Trainerin Maike Uller-Fürst zeigte sich ebenfalls ein wenig enttäuscht vom vorzeitigen Saisonende: „Leider wäre das nur ein rechnerischer Aufstieg und kein sportlicher“, erklärte sie, „aber daran kann man nichts ändern.“ Team und Trainerstab seien „schon sehr enttäuscht, dass wir den letzten entscheidenden Spieltag nicht spielen konnten“, so Uller-Fürst, „aber die Gesundheit geht vor.“

Nun werde sie sich am 12. April telefonisch mit ihrem Kapitän Paul Bormann sowie 1860-Zuspieler und Volleyball-Abteilungsleiter Moritz Müller in Verbindung setzen und eine gemeinsame Entscheidung treffen. Bis dahin würden die Verantwortlichen der „60er“ das „Für und Wider“ eines Aufstiegs in die Regionalliga abwägen und intensiv miteinander darüber diskutieren. Dabei stehe in erster Linie die Kaderplanung im Vordergrund: „Wer bleibt, wer geht, wer kommt hinzu“, verdeutlicht die Trainerin, „das ist natürlich derzeit schwer abzuklären, ohne Training und ohne persönliche Ansprache.“

Wer von der Reglung des Verbandes letztlich profitiere oder nicht, „ist für uns völlig irrelevant“, betont die Volleyball-Trainerin. „Die festgelegten Sonderregelungen akzeptieren wir selbstverständlich auch.“

Auch die noch ungewisse Saisonvorbereitung sehe sie entspannt. „Die Hallen sind geschlossen und an ein gemeinsames Training ist noch nicht zu denken“, sagte sie, „das geht aber allen Mannschaften in den Ligen so.
Wichtig ist, dass wir alle gesund bleiben und wir uns auch in der trainingsfreien Zeit so gut wie es geht individuell fit halten.“ In welchem Umfang das sein wird, müsse allerdings jeder Spieler für sich selbst entscheiden.

Bremen 1860, Frauen

Bei den Volleyball-Frauen um 1860-Trainer Lars Thiemann fühle sich dagegen niemand benachteiligt, versichert der Coach: „Keiner kann etwas für die Krise, die über uns gekommen ist“, betonte der Vorsitzende des Bremer Volleyball-Verbandes, „und die meisten verantwortlichen Gremien – außer IOC und DFL – entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen im Interesse der Sportler und der Menschen.“ Zur sportlichen Fairness gehöre es seiner Ansicht nach zudem, „auch Entscheidungen zu akzeptieren, die für einen selbst nicht ideal sind“. Schließlich sei Volleyball „nur die schönste Nebensache der Welt“, führte Thiemann aus, „wenn Menschen sterben oder in ihrer Gesundheit oder Existenz bedroht sind, ist die Frage, Oberliga oder Regionalliga überhaupt nicht nicht wichtig.“Der Aufstieg wäre vom Verein her möglich, betonte Thiemann, „und für uns machbar, wir müssten allerdings in eine Halle mit Regionalliga-Zulassung umziehen“.

BTS Neustadt, Frauen

Die Volleyball-Frauen der BTS Neustadt können dagegen aufatmen – das zuletzt abstiegsgefährdete Team um BTS-Trainer Björn Panteleit muss nun doch nicht in der Relegation um den Klassenerhalt antreten. „Aktuell habe ich nicht das Gefühl, bevorteilt zu sein“, erklärt Pateleit, „zumal ich sehr optimistisch gewesen wäre, die Relegation zu gewinnen.“ Einen Vorteil hätten seiner Einschätzung nach die Teams, „die jetzt nicht direkt absteigen, obwohl sie dies wahrscheinlich gemusst hätten oder ohne Relegation aufsteigen können“. Sportlich sei die getroffene Lösung in seinen Augen aber fair, „die Relegation wurde quasi in die nächste Saison integriert“. Leiden würden Panteleit zufolge letztlich allerdings „alle mit dem, trotz der guten Lösung sicher unbefriedigenden Saisonende – und in der kommenden Saison vermutlich durch den vollen Spielplan“. Aktuell hätten die BTS-Spielerinnen einen Trainigsplan erhalten, um sich individuell fit zu halten, „und wir führen Telefongespräche über das Engagement in der kommenden Saison“, erläutert Panteleit. Wie sich Team und Trainerstab auf diese vorbereite, „hängt aber natürlich auch ganz entscheidend davon ab, wann ein gemeinsamer Sport überhaupt wieder möglich ist“, schloss er etwas unsicher. „Eine kleine Volleyballpause nach dieser intensiven Saison tut sicher allen gut“, meint er, „und haben wir auch sonst immer gemacht, es bedrückt schon alle sehr, dass wir im Augenblick nicht als Team zusammen sein können und irgendwann möchten wir natürlich auch wieder an den Ball“.

TV Eiche Horn II, Frauen

Für Matthias Gilch, Trainer der Horner Frauen, ist de Entscheidung des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes nachvollziehbar. „Aufgrund der Lage ist das eine gute Lösung. Natürlich ist das aber ein Kompromiss“, sagt er. Seine Mannschaft war bei Saisonabbruch einen Punkt vom Relegationsplatz zur Verbandsliga entfernt, hätte aber bei zwei noch ausstehenden Spielen aus eigener Kraft den eindeutigen Klassenerhalt schaffen können. Nach der Sonderregelung blieben die Hornerinnen somit in der Oberliga. „Das hat natürlich schon einen faden Beigeschmack, wir hätten das lieber auf sportlichem Weg entschieden“, sagt Gilch. Allein aus dem Grund, zu beobachten, wie sich seine Mannschaft in Drucksituationen verhält. Das müsste folglich auf die nächste Saison verschoben werden, wobei noch nicht feststeht, in welcher Spielklasse die Eiche-Reserve dann aufschlagen wird.

„Zurzeit haben wir schon mal bei einer Skype-Konferenz erste Gespräche geführt, wer denn überhaupt in der kommenden Serie zur Verfügung steht. So richtig klare Aussagen gab es da von den Spielerinnen teilweise noch nicht. Da gibt es Abiturienten beziehungsweise Studenten, die noch nicht wissen, wohin die Reise geht. Dass die Zusammensetzung des Kaders zu diesem Zeitpunkt des Jahres noch nicht festesteht, ist aber auch völlig normal und liegt nicht an den Maßnahmen gegen die Coronakrise“, sagt Matthias Gilch. Er wüsste schon, welchen Vorschlag er seiner Mannschaft geben würde. „Wir haben uns noch nicht abschließend darüber unterhalten und das obligatorische Trainertreffern zum Saisonabschluss konnte noch nicht stattfinden, aber ich persönlich wpürde mich klar für die Oberliag entscheiden“, so Gilch. Seine Mannschaft sei stark genug, die Klasse zu halten, während der Gang in die Verbandsliga schon mit dem Risiko verbunden wäre, im kommenden Jahr die erhoffte Rückkehr in die Oberliga zu verpassen.

„Für die Gesamtstruktur der Abteilung wäre es schon wichtig, in der Oberliga anzutreten. Dafür plane ich auch erst einmal. Alles Weitere wird man dann sehen.“ Bis zum 15. April muss die Entscheidung stehen. Auf jeden Fall will Gilch eine ähnlich schlechte Saisonvorbereitung wie die im vergangenen Jahr vermeiden. „Da haben sich einige Spielerinnen tatsächlich erst am ersten Spieltag das erste Mal gesehen.“

Info

Zur Sache

Sonderregelungen des NWVV

Die Qualifikations- und Relegationsspiele werden gestrichen. Mannschaften, die rechnerisch einen Nicht-Abstiegsplatz erreichen könnten, erhalten das Angebot in dieser Spielklasse zu bleiben. Mannschaften, die rechnerisch aufsteigen könnten, erhalten das Angebot in die höhere Spielklasse aufzusteigen. Dies gilt nur, wenn die Staffelstärke von neun Mannschaften in allen Staffeln der Spielklasse nicht überschritten wird. Der Verbandsspielausschuss entscheidet über die Zulassung. Der Rückmeldetermin zum Auf- und Abstieg wird auf den 15. April verschoben. Es gibt keinen Meister der Saison 2019/20

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