Der FC Oberneuland hat die Fußballschule von Real Madrid zu Gast – einige Teilnehmer dürfen nun träumen Vom Vinnenweg ins Bernabéu-Stadion

Der FC Oberneuland hat sich neulich über hohen Besuch gefreut. Zu Gast war der Champions-League-Sieger Real Madrid – allerdings lediglich mit der „Real Madrid Foundation Clinics Germany“. Stefan Kohfahl, Entwickler der Fußballschule, wollte mit seinem Konzept die technischen Fähigkeiten der 90 Teilnehmer verbessern. Dabei war nicht nur das Talent entscheidend.
14.08.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Helge Hommers

Der FC Oberneuland hat sich neulich über hohen Besuch gefreut. Zu Gast war der Champions-League-Sieger Real Madrid – allerdings lediglich mit der „Real Madrid Foundation Clinics Germany“. Stefan Kohfahl, Entwickler der Fußballschule, wollte mit seinem Konzept die technischen Fähigkeiten der 90 Teilnehmer verbessern. Dabei war nicht nur das Talent entscheidend.

„In den kommenden fünf Tagen werdet ihr 30 Stunden lang für Real Madrid spielen.“ Die Aussage von Stefan Kohfahl sorgt für lautes Raunen auf den Tribünen des Sportparks am Vinnenweg. Es scheint, als würden die 90 jungen Nachwuchskicker im Alter von sieben bis 14 Jahren erst jetzt so richtig begreifen, welches Trikot sie sich in den nächsten Tagen überziehen werden. Und als ihnen dieses ein paar Minuten später von Kohfahl feierlich überreicht wird, werden die Augen noch einmal größer.

Einmal im gleichen Verein spielen wie Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. Dieser Traum wird für die Teilnehmer des Trainingscamps der „Real Madrid Foundation Clinics Germany“ zumindest für ein paar Tage Realität. Möglich macht dies der Hamburger Stefan Kohfahl, Direktor der „Real Madrid Foundation Clinics Germany“. Diese richtet im Namen des aktuellen Champions-League-Siegers Trainingscamps in über 60 Ländern aus. Eine dieser Fußballschulen fand von Montag bis Freitag auch in Oberneuland statt.

Gemeinsam mit seinem siebenköpfigen Trainerteam verdeutlichte Kohfahl den Teilnehmern zudem, was es bedeutet, Profifußballer zu sein. „Talent allein reicht nicht“, betont der 45-Jährige. Wichtiger sei es, stets Vollgas zu geben. Und auch die Vorbildfunktion erfährt eine immense Bedeutung: „Ältere sollen den Jüngeren helfen und sei es nur beim Zubinden der Schuhe“, schwört Kohfahl die ambitionierten Nachwuchsspieler ein. Dabei wird nicht nur auf dem Platz Wert auf Professionalität gelegt. Auch abseits des Spielgeschehens ist ihm Disziplin besonders wichtig: „Salat bildet den Schwerpunkt in der Ernährung während des Trainingscamps. Pommes wird es hier nicht geben“.

Dass der FC Oberneuland nicht für irgendeine Fußballschule seine Pforten öffnet, darauf hat deren Fußball-Abteilungsleiter Delf Ludewig geachtet: „Es gibt viele Fußballschulen, aber viele davon sind auf finanziellen Gewinn ausgelegt.“ Dass es sich bei der „Real Madrid Foundation Clinics Germany“ um ein Trainingscamp handelt, dass nicht gewinnorientiert ausgelegt ist, erkannte er schnell. Gerade nach den vielen Rückschlägen in der Vergangenheit – Stichwort Insolvenzverfahren – freute sich Ludewig über das Angebot der Madrilenen. „Es ist schön, mal wieder aus dem Fokus der Negativpresse herauszukommen“, gesteht er mit einem Lächeln.

Dass diese einmalige Möglichkeit auch von der Öffentlichkeit so positiv aufgenommen wurde, hat selbst Ludewig überrascht: „Freitag stand in der Zeitung, was wir hier veranstalten und schon Dienstag waren alle Plätze vergeben“. Dabei kommt knapp die Hälfte der Teilnehmer aus der Nachwuchsabteilung des FC. Der Rest verteilt sich aufs Bremer Umland. Auch zwei Mädchen befinden sich unter den 90 Nachwuchskickern. Nina kann aber leider nicht mitspielen. Bei der Zehnjährigen wurde vor zwei Wochen eine Entzündung im Knie diagnostiziert. Nun steht die baldige Fünftklässlerin am Spielfeldrand und wartet auf ihr Real-Trikot. „Also enttäuscht bin ich schon, aber so richtig traurig eigentlich nicht“, gesteht die F-Jugendspielern, als sie ihren Mitspieler bei den schweißtreibenden Übungen zusieht.

Diese haben sich mittlerweile in ihre Altersgruppen aufgeteilt und erhalten lautstark Instruktionen, wie sie ihr Spiel verbessern können. Immer wieder klatscht Kohfahl dabei mit den Nachwuchsspielern ab, wenn er etwas sieht, was ihm gefällt. „Wir wollen, dass die Spieler lernen, vorauszuschauen. Sie sollen lernen, intuitiv die richtige Entscheidung zu treffen“, betont der 45-Jährige und lässt seine Schützlinge nicht aus den Augen. Diese namentlich zu unterscheiden könnte allerdings zum Problem werden. Die Teilnehmer durften selber wählen, welcher Namenszug auf ihrem Trikot Platz findet. Knapp die Hälfte der Nachwuchskicker läuft nun als Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale umher.

Einige haben allerdings auch ihren richtigen Namen gewählt. Einer von ihnen ist Viktor. Der Neunjährige spielt ebenfalls in der Jugend des FC Oberneuland. Als er gefragt wird, ob er denn auch Fan von Real Madrid sei, entgegnet der Torhüter: „Ein bisschen. Aber eigentlich von Werder Bremen!“ Doch sein fußballerisches Vorbild spielt bei keinem der beiden Vereine, denn Manuel Neuer ist bekanntlich Münchner. Ob er seinem Idol nacheifern kann und irgendwann in der Champions-League spielen wird, ist ihm aber nicht so wichtig: „Für mich zählt vor allem der Spaß und nicht der Erfolg. Außerdem will ich lieber erst einmal Werder-Spieler werden.“

Viktor hat das Trainingslager in jedem Fall gefallen. Es sei zwar anstrengend gewesen, aber auch ziemlich „cool“. Froh, nun aber wieder ein Eis essen zu dürfen, sei er trotzdem, betont der Neunjährige. Auch Ludewig ist rundum zufrieden: „Negative Stimmen habe ich noch keine gehört. Alles war super durchorganisiert und die Kinder hatten Spaß.“

Wenige Tage nach dem Camp werden sechs Glückliche unter den Teilnehmern eine Einladung nach Hamburg erhalten und bekommen dort eine außergewöhnliche Möglichkeit: Sie dürfen bei extra aus Spanien eingeflogenen Real-Scouts vorspielen. Einige wenige werden von diesen eine Einladung nach Madrid erhalten, wo sie sich für die Real-Akademie empfehlen dürfen. Und wer weiß, vielleicht wird einer von ihnen eines Tages im Real-Trikot im „Estadio Santiago Bernabéu“ auflaufen. Dann möglicherweise ja auch Seite an Seite mit den leicht ergrauten Cristiano Ronaldo und Gareth Bale – und nicht nur mit deren Namen auf dem Rücken.

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