Der Achterdiek-Cup soll zukünftig trotz überwältigender Resonanz in kleinerer Form ausgetragen werden

Wasserball mit Festivalcharakter

Bremen. Diese Auszeit hat sich Peter Heinsohn mehr als verdient: Direkt nach Beendigung des Achterdiek-Cups 2018 ging es für den Wasserballwart des Bremischen Schwimmvereins (BSV) direkt ins schweizerische Xanten, um dort auf einem Hausboot die Seele mal ordentlich baumeln zu lassen. „Irgendwann muss auch ich mich einmal erholen“, erzählt der 52-Jährige, der seit Beginn des renommierten Wasserball-Turniers vor rund 30 Jahren dabei ist– und in diesem Jahr die vorerst letzte Auflage organisiert hat.
19.07.2018, 00:00
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Von Christian Markwort
Wasserball mit Festivalcharakter

Packende Zweikämpfe wie hier in der Frauenkonkurrenz, gab es auch bei der jüngsten Auflage des traditionellen Wasserball-Turniers um den Achterdiek-Cups reichlich.

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Bremen. Diese Auszeit hat sich Peter Heinsohn mehr als verdient: Direkt nach Beendigung des Achterdiek-Cups 2018 ging es für den Wasserballwart des Bremischen Schwimmvereins (BSV) direkt ins schweizerische Xanten, um dort auf einem Hausboot die Seele mal ordentlich baumeln zu lassen. „Irgendwann muss auch ich mich einmal erholen“, erzählt der 52-Jährige, der seit Beginn des renommierten Wasserball-Turniers vor rund 30 Jahren dabei ist– und in diesem Jahr die vorerst letzte Auflage organisiert hat. „Wir sind personell an unsere Grenzen gelangt“, begründet Heinsohn den Entschluss, „der nicht nur uns schwergefallen ist, sondern den auch viele Sportlerinnen und Sportler extrem bedauern“, wie er betont.

Selten genug ruhte sich Peter Heinsohn während des Turniers für Teams von der Bezirks- bis zur 2. Bundesliga auf einer schmalen Liege im Saunaraum auf der BSV-Anlage aus, damit ist nun (vorerst) Schluss. „Wir können das Turnier in dieser Form nicht mehr organisieren“, erläutert Heinsohn, „weil es uns schlicht über den Kopf gewachsen ist.“ Seit mehr als drei Jahrzehnten war das zweite Juli-Wochenende für Wasserballerinnen und Wasserballer aus ganz Deutschland und manchmal sogar aus dem Ausland geblockt, um an dem Traditionsturnier mit Festivalcharakter teilnehmen zu können. Sogar die nahezu zeitgleich ausgetragene Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hielt in diesem Jahr niemanden davon ab, an den See in Oberneuland mit einer Fläche von rund 76 000 Quadratmetern zu reisen. „Die Resonanz war immer schon groß“, blickt Heinsohn beinahe schon wehmütig zurück, „aber in diesem Jahr war sie einfach überwältigend.“ Insgesamt 13 Männer-sowie vier Frauenmannschaften waren angetreten, um den riesigen Pokal mit nach Hause zu nehmen – und das im besten Wortsinn. Das Siegerteam der „Bierballer“ aus Aachen setzte sich im Finale knapp mit 5:4 gegen „Traktor“ Diesdorf durch und konnte den „Pott“ im Stile der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1970 (damals siegten Pelé und Co. mit 4:1 gegen Italien und dürften den „Coupe Jules Rimet“ nach dem dritten Triumph in Folge schließlich behalten) im Gepäckfach ihres Reisebusses verstauen.

Mehr als 30 Jahre lang war das Areal rund um den See während des Wasserballturniers geprägt von einem fröhlichen Miteinander der einzelnen Teams, viele Besucher sprachen sogar schon von einem Festival, bei dem gezeltet, gefeiert und ganz nebenbei auch noch Wasserball gespielt werden konnte. Damit soll nun Schluss sein, so Heinsohn. „Es ist einfach für unsere Möglichkeiten zu groß geworden“, erläuterte er. Gemeinsam mit seinen zahlreichen Mitstreitern vom BSV kümmerte er sich um die Einteilung der einzelnen Gruppen, stellte die Schiedsrichter und begab sich auch noch auf die „Tour de Müll“, damit die Ufer des L-förmig angelegten Natursees auch schön sauber gehalten werden und die vielen Gäste es sich so richtig gut gehen lassen konnten. Sich sportlich in Szene zu setzen, gelang den Gastgebern nicht ganz so gut. Die Gastgeber hatten sogar Mühe, bei den Männern eine eigene Mannschaft zu stellen, mehrere andere Teams halfen dem BSV mit Ersatzspielern aus. Allerdings half es ihnen nicht weiter, als 13. und damit Letzter beendeten die Hausherren das Abschiedsturnier. Sämtliche der sechs Partien gingen verloren.

Sorgen macht sich Heinsohn darüber, ob gerade dieser Spaß bei einer reduzierten Turnierauflage erhalten bleibt. „Je weniger Teilnehmer dabei sind, desto schwerer fällt es uns allen, diese tolle Event auch entsprechend zu genießen“, mutmaßt der eingefleischte Wasserballer, „es könnte eventuell nicht mehr so sein, wie es bislang immer gewesen ist.“ Besonders die Party am Sonnabendabend genossen bereits Kultstatus. „Das ist schon ziemlich schade“, findet nicht nur der Turnierorganisator selbst, „diese Kombination aus Sport und Spaß ist schon außergewöhnlich gewesen, das werden wir sehr vermissen.“

Allerdings will Heinsohn die über Jahrzehnte gewachsene Tradition nicht einfach aufgeben, deshalb arbeiten er und der Vorstand des BSV gemeinsam an einer neuen Idee. „Eine von mehreren möglichen Optionen wäre zum Beispiel ein Einladungsturnier mit sechs bis acht Mannschaften“, haben sich er und die übrigen Verantwortlichen überlegt. Allerdings würde dann auch nicht mehr auf den bisherigen sechs Spielfeldern in dem See gespielt werden und auch die Party während des Turniers am Beckenrand beziehungsweise nach dem Turnier würde wegfallen oder lediglich in verkleinerter Form veranstaltet. „Es ist schon ein komisches Gefühl“, meint Heinsohn, „und wir alle sind auch sehr traurig, weil diese Veranstaltung weit über Bremens Grenzen hinaus größten Anklang gefunden hatte.“

Achterdiek-Cup 2018:

Frauen: 1. Rostock, 10 Punkte, 34:10 Tore; 2. Waspo Hannover, 10, 25:13; 3. WSG West, 3, 13:27; 4. Horst und seine Meerjungfrau, 1, 12:34

Männer: 1. Bierballer Aachen, 2. Traktor Diesdorf, 3. SC „Dauerbrenner“ Hürth, 4. SC „Neptun“ Cuxhaven

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