Serie: Wasserspiele - Teil 1

Warum Stand-Up-Paddling noch immer ein Trendsport ist

Seit mehr als fünfzehn Jahren ist SUP im Trend. Das Interesse reißt nicht ab, Andreas Mertens erklärt, worauf es ankommt, wie gesund es ist und wann der Sport gefährlich werden kann.
15.07.2020, 09:44
Lesedauer: 5 Min
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Warum Stand-Up-Paddling noch immer ein Trendsport ist
Von Rebecca Sawicki

Wir können heute nicht auf den See“, sagt Andreas Mertens, Besitzer von Bremenfit an der Surfschule. Warum das nicht geht, liegt auf der Hand: Der Bremer Sommer macht Pause. Am Grambker Stadionsee ist es kalt und stürmisch, immer wieder nieselt es. Wellen peitschen über das Wasser. Die Windsurfer freuen sich. Stand-up-Paddling (SUP) allerdings ist bei diesem Wetter nicht spaßig. „Das ist bei so einem Wind nur etwas für Profis“, sagt ­Mertens.

SUP-Profis? Ja, genau, denn das Stand-up-Paddling, so Mertens, müsse gelernt sein, andernfalls könne es sehr gefährlich werden. „Jedes Jahr sterben viele Menschen beim SUP. Aus dem einfachen Grund, dass sie sich überschätzen“, erklärt der Wassersporttrainer. Bei ihm dürfen nur Menschen auf die Bretter, die sich selbst zutrauen, 20 Minuten im offenen Gewässer schwimmen zu können. „Das an einem Schwimmabzeichen festzumachen, halte ich nicht für sinnvoll“, sagt er.

„Vielleicht waren sie in ihrer Jugend in der Lage, das Goldzeichen zu machen, sind aber nun vollkommen aus der Übung.“ Zwar sei es nicht schwer, wieder auf das Brett zu klettern, wenn man erst einmal ins Wasser gefallen ist, dieser Sturz könne allerdings gefährlich werden. „Zum einen können Menschen einen Kälteschock erleiden, wenn sie voll aufgeheizt ins Wasser fallen, zum anderen bekommen viele auch Panik.“

Denkt man ans Stand-up-Paddling hat man automatisch entspannende Bilder im Kopf. Eine Erinnerung an warme Tage. An Wind und Sonne auf der Haut, das Schaukeln und Plätschern des Wassers. An gemütliches Paddeln in den Sonnenuntergang, zum Beispiel auf dem Werdersee. Stehende Gewässer sind besonders gut für die Sportart geeignet. Aber SUP kann nicht nur romantisch sein, sondern auch richtig sportlich betrieben werden. Es gibt sogar Wettkämpfe, sowohl als Rennen als auch als Geschicklichkeitsprüfung.

Das Paddel richtig einstellen

Wäre das Wetter besser, das Wasser ruhiger, würden auch an diesem Tag SUP-Begeisterte über den See paddeln. Dann würde Mertens Einsteigern zunächst erklären, wie sie ihr Paddel richtig einstellen und wie sie in brenzligen Situationen überall auf der Welt nach Hilfe rufen können – er nennt das Zeichen die „müde Fliege“. Der Wassersportler kniet auf seinem Brett und schlägt seitlich mit den Armen. Nach der zehnminütigen Einführung scheuche er dann seine Anfänger aufs Wasser. Erst mal kniend, damit sie Sicherheit bekommen, danach stehend.

„Ich lasse sie immer an der tiefsten Stelle des Sees aufstehen“, sagt er. Die meisten hätten am Anfang große Probleme damit, nicht zu wackeln. Doch Mertens hat Tricks, die das Schwanken verschwinden lassen. „Die Menschen sollen erst einmal auf dem Brett stehen, ihr Paddel über dem Kopf. Und dann sollen sie sich um die eigene Achse drehen, und das Paddel über ihrem Kopf in die entgegengesetzte Richtung“, erklärt er. Eineinhalb bis zwei Stunden dauert eine Übungseinheit bei ihm.

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Das Stehpaddeln ist keine Erfindung der Moderne, vielmehr wird es von verschiedenen Völkern seit Jahrhunderten betrieben. Populär wurde es allerdings das erste Mal in der Mitte des 21. Jahrhunderts auf Hawaii. In den Siebzigerjahren geriet es zunächst wieder in Vergessenheit. Der heutige Trendsport wurde im Jahr 2000 wiederentdeckt, als hawaiianische Wassersportler begannen, sich auf diese Weise an wellenarmen Tagen fit zu halten.

Seit gut 15 Jahren ist SUP auch in Deutschland im Trend. Seit 2014 gibt es sogar einen extra Stand-up-Paddling-Verband (GSUPA), der sich dafür einsetzt, die Sportart zu fördern und zu entwickeln. „In Bremen kam der Sport vor gut fünf Jahren richtig an, wir sind ja hier immer ein bisschen langsamer“, sagt Mertens. Warum SUP zur Trendsportart wurde und es noch immer ist, ist naheliegend: Zum einen wird mit dem Sport ein Lebensgefühl verbunden: Freiheit und Leichtigkeit. Zum anderen spricht die Sportart viele Menschen an, die sonst nicht wassersportaffin sind. „Die meisten wollen sich einfach ein bisschen bewegen“, sagt Andreas Mertens.

Kindern fehlt noch die Kraft

Das Alter der Sportler spiele keine Rolle, solange sie in der Lage seien, sich auf dem Wasser fortzubewegen. „Kinderkurse biete ich nicht an. Da fehlt noch die Kraft“, erklärt Mertens. Die älteste Teilnehmerin, die er in einem Kurs hatte, sei eine 82-jährige Frau gewesen. „Nach ihrem Kurs war sie den ganzen Sommer einmal in der Woche zum Paddeln da“, sagt er. Am Anfang sei er besorgt gewesen, dann aber stellte er fest, dass sie zwar ein bisschen langsamer, aber sehr sicher war. Das Altersspektrum der SUP-Sportler bei Bremenfit liege zwischen Mitte 20 und Ende 60. „Zur Mitte hin konzentriert es sich“, erklärt er.

Mittlerweile gibt es SUP-Bretter in den verschiedensten Ausführungen: zum Aufpusten, zum Schnellfahren, für den raffinierten Geschicklichkeitsparcours. Längst hat die Industrie erkannt, dass sich mit dem Sport, mit dem Lebensgefühl, Geld verdienen lässt. „Sagen wir es so, es gibt sehr günstige Bretter, von denen würde ich die Finger lassen“, sagt Mertens. Ein gutes Brett koste im höheren dreistelligen Bereich. Aber auch gebrauchte Bretter seien zu empfehlen, wenn sie gut gepflegt sind. „Man muss auf die maximale Belastung des Brettes achten.“

Neben Brett und Paddel sei auch die richtige Schutzkleidung unverzichtbar: Bei Sonne und heißen Temperaturen Leggins oder Shorts und T-Shirts, bei Wolken und Kälte ein Neoprenanzug. „Gerade die Sonne darf man nicht unterschätzen“, sagt Mertens. Durch das Wasser bekomme man sehr schnell Hautverbrennungen.

Mertens kann nicht verstehen, dass Krankenkassen die Sportart nicht schon längst für sich entdeckt haben. „Wir haben hier alles, was man braucht: Sowohl Rehabilitation als auch Sturzprophylaxe“, sagt er. Das SUP habe viele positive Effekte auf die Gesundheit. Sowohl für die Psyche, durch die frische Luft, als auch für den Körper. „Es werden alle Muskeln beansprucht. Koordination, Gleichgewicht, Rumpfstabilität, das alles wird beim SUP trainiert“, erklärt der Wassersporttrainer. Wie er von einem befreundeten Arzt erfahren habe, helfe das Paddeln sogar dabei, die Fußmuskulatur, die bei den meisten Menschen hin zu einem Spreizfuß verkümmert ist, aufzubauen. „Deshalb tun so vielen Menschen die Füße nach den ersten Stunden auf dem Brett weh“, sagt Mertens.

Info

Zur Sache

Stehpaddeln in der Region

Wie im Rest der Republik gibt es auch in Bremen und Niedersachsen Möglichkeiten, sich Bretter und Stichpaddel auszuleihen.

In Bremen bietet unter anderem Bremenfit SUP-Kurse und den Verleih von Boards an. Genaue Kursbeschreibungen und Informationen zur Buchung gibt es auf der Homepage oder telefonisch unter der Nummer 01 52 / 01 76 17 14.

„Ins Blaue“ bietet SUP-Kurse, Events und Verleih direkt auf der Werderinsel. Telefonisch erreichbar ist das Team unter 01 57 / 71 41 21 70 oder per Mail info@ins-blaue.com. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage.

Auch das niedersächsische Umland bietet solche Möglichkeiten, so zum Beispiel der Wakegarden am Oyter See in Oyten. Anfragen werden unter der Telefonnummer 04 21 / 98 97 47 51 entgegengenommen. Auch Neoprenanzüge werden dort verliehen. Nähere Informationen gibt es auf der Webseite.

Der Beachclub Nethen bei Lemden bietet ebenfalls SUP-Kurse an. Termine können online oder per Telefon unter der Rufnummer 044 02 / 69 62 50 vereinbart werden. Auf der Homepage gibt es nähere Informationen.

Die WSM Windsurfschule am Zwischenahner Meer bietet sowohl SUP-Kurse als auch freien Verleih an. Termine können unter Telefonnummer 04 41 / 560 11 32 vereinbart werden.

Auch bei den Stand-up-Paddlern Oldenburg können Kurse gebucht oder auch einfach Equipment geliehen werden. Der Verleih erfolgt aktuell kontaktlos. Anfragen werden unter der 0441 936 575 63 oder per E-Mail info@stand-up-paddler.de entgegengenommen. Nähere Informationen zum Verleih gibt es auf der Homepage.

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