Schwachhausen-Trainer und BFV-Vize im Interview

Welche Probleme die Bremen-Liga hat

Schwachhausen-Trainer Eta und BFV-Vize Franz über die Probleme in der Bremen-Liga und mögliche Reformen.
23.07.2019, 17:36
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye
Welche Probleme die Bremen-Liga hat

Termin auf dem Fußballplatz: Holger Franz (l.) ist stellvertretender Präsident im Bremer Fußball-Verband, Benjamin Eta Coach des TuS Schwachhausen.

Christina Kuhaupt

Am Freitagabend der kommenden Woche startet die Bremen-Liga mit dem Duell zwischen der SFL Bremerhaven und der Leher TS . Ein gutes Eröffnungsspiel, Herr Eta?

Benjamin Eta: Eine tolle Sache, zumal nun auch mal alle Vereine eingeladen wurden.

Holger Franz: Wir gucken ja immer, wie wir die Bremen-Liga attraktiver machen können. Bei diesem Derby werden nun mindestens 1000 Zuschauer erwartet. Hoffentlich folgen auch viele Leute unserer Einladung.

Die Liga attraktiver machen, das ist auch Ihr Thema, Herr Eta. Woran denken Sie dabei?

Eta: Ich finde einfach, das Potenzial ist da, allein wenn ich ans Hallenturnier denke oder die Duelle zwischen Oberneuland und dem Bremer SV. Jetzt erwartet man in Bremerhaven auch wieder 1000 Leute. Die Frage ist: Wie kann man solche Highlight regelmäßig setzen? Vielleicht alle drei Wochen, mit einem Topspiel. Wir wollen doch alle eine attraktivere Liga.

Franz: Natürlich wäre es eine gute Sache, wenn wir alle drei, vier Wochen ein Highlight hätten. Das Problem ist aber: Der Spielplan wird mit dem Computer erstellt, denn es müssen alle Gegebenheiten der einzelnen Vereine berücksichtigt werden.

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Das Eröffnungsspiel wird man sicher zu den Highlights zählen, die Duelle zwischen dem FCO und dem BSV auch. Aber woher sollen denn die ganzen anderen Topspiele kommen?

Eta: Die Derbys in Bremerhaven sind nicht ohne, oft mit 500 Zuschauern.

Franz: Wenn man aber ehrlich ist, dann sind es sechs, sieben Spiele, auf die mehr Augenmerk gelegt wird. Aber es sollen natürlich mehr werden, das ist ja unser Ansatz.

Wie soll das gehen?

Eta: Ich finde erst mal wichtig, dass diese sechs, sieben Spiele nicht zeitgleich mit den ganzen anderen Spielen stattfinden. Das kann auch mal am Samstagabend sein.

Franz: Da muss man aber gucken, dass diese Idee zusammen getragen wird.

Eta: Bis auf Werder ist doch jede Mannschaft die höchste im Verein. Wenn dann eine 4. Herren an diesem Termin angesetzt ist, muss sie eben weichen.

Franz: Seitens des BFV ist das kein Problem, die Vereine müssen dann bis zehn Tage vorher den Antrag stellen.

Eta: Es wäre aber geil, wenn der Verband sagt: An diesem Freitag findet nur dieses eine Spiel statt. Klar gibt es dann einen Aufschrei. Aber wenn wir uns alle an einen Tisch setzen…

Franz: Am Verband würde es jedenfalls nicht scheitern, wir sind da flexibel. Man kann solche Ideen auch mal auf einem Staffeltag besprechen, und früher gab es ja auch mal einen Bremen-Liga-Stammtisch.

Heute nicht mehr. Warum?

Franz: Wir machen in den Kreisen ja auch Stammtische, das ist überhaupt kein Problem. Ein Problem ist es nur, wenn du so etwas anbietest und nur wenige kommen.

Ist das Bewusstsein in der Liga vielleicht gar nicht so ausgeprägt? Sagen viele Vereine: Es ist doch in Ordnung, so wie es ist?

Eta: Die Trainer, mit denen ich spreche, hätten schon Lust, etwas mehr zu machen.

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Franz: Ich bin nun seit 30 Jahren ehrenamtlich aktiv. Das Problem ist: Es gibt immer weniger Menschen, die sich in den Vereinen ehrenamtlich engagieren. Wer dreht die Wurst auf dem Grill, wer macht vielleicht eine Stadionzeitung und wer macht Ansagen? Wer macht die Internetseite, Facebook oder solche Sachen. Wir haben seit letztem Jahr mit David Dischinger einen Social-Media-Mann im Verband, der den Vereinen Hilfe in dieser Richtung anbietet. Die Resonanz ist recht überschaubar. Die Vereine haben eben keine Leute. Und dann geht es mit Sporttotal.TV weiter: Wir hatten mit dem Sportamt 20 Plätze in der Bremen-Liga und der Landesliga ausgeguckt, wo mit geringem Aufwand Kameras für die Übertragung im Internet installieren konnte. Aber auch hier gibt es zu wenig Motoren, und deshalb hängen bislang gerade acht Kameras.

Es mangelt also auch an der Manpower. Was kann man tun?

Franz: Der erste Schritt ist, dass die Vereine auch mit Unterstützung des BFV Leute finden, die den Fußball in der fünften Liga verkaufen, also auch Präsenz in Social Media herstellen. Ein paar Fotos von neuen Spielern zu machen und mit zwei, drei Zeilen zu versehen, das kann jeder. In der Bremen-Liga machen das aber nur der FCO und die SAV.

Und was kann der Verband noch tun, um die Attraktivität der Liga zu steigern?

Franz: Flexibilisierung des Spielbetriebs, das hatten wir ja, und da sind wir nicht am Ende. Dann suchen wir nach dem Ausstieg von Stark einen neuen Sponsor. Daneben kann man vielleicht auch ein Anforderungsprofil mit den Vereinen entwickeln: Was braucht man als Bremen-Ligist, um sich in der Öffentlichkeit darzustellen.

Der Vertrag mit der Gebäudereinigung Stark hatte den Vereinen über zwei Jahre jeweils 2000 Euro pro Saison gebracht. Das hat offenbar nicht gereicht, um die öffentliche Darstellung zu verbessern. Bedarf es also mehr Geld?

Eta: Das Geld von Stark wurde mit Sicherheit in viele andere Sachen investiert. Vielleicht sollte man das gebunden machen: Der Verband behält einen Teil und gibt den Vereinen je nach Bedarf, etwa für eine mobile Sprecher-Anlage oder Mini-Anzeigetafel, das Geld. Damit es dann für Dinge um das Team herum verwendet wird. Damit findet eine Aufwertung der Mannschaft dieses Vereins und somit auch der Liga statt.

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Franz: Vielleicht macht es auch Sinn, ein Programm aufzulegen, als Unterstützung der Vereine. Wir wollen ja gemeinsam attraktiver werden und könnten auch einzelne Partner finden, etwa für einen Facebook-Auftritt. Innerhalb dieses Programms müssten wir Anreize finden.

Herr Eta, der TuS Schwachhausen ist selbst aktiv geworden und möchte das Rahmenprogramm mit Stadionsprecher und Getränkestand attraktiver machen.

Eta: Wir möchten eine Bremen-Liga-würdige Atmosphäre schaffen, deshalb sollen auch alle Spiele auf dem Hauptplatz ausgetragen werden. Die Leute sollen wissen, was sie bei uns erwartet. Stadionsprecher, Getränke kommen jetzt schon, hoffentlich zeitnah noch eine Anzeigetafel für Leute, die später kommen.

Wir haben in der Bremen-Liga ja das Problem, dass die Spiele um elf, zwölf, 13, 14 und 15 Uhr sind, Nachbarschaftsduelle zeitgleich laufen und man sich gegenseitig die paar wenigen Zuschauer nimmt.

Franz: Das geschieht aber auf Wunsch der Vereine, wir sind eben flexibel.

Eta: Aber das ist eine Katastrophe. Auf einem gewissen Niveau muss man sagen: Du darfst nur zu gewissen Zeiten spielen.

Die Vereine wollen diese Flexibilität und dann kommt etwas heraus, was Sie kritisieren.

Eta: Das funktioniert eben nur, wenn sich alle an einen Tisch setzen und etwas ausarbeiten.

Franz: Vielleicht muss man eine Arbeitsgruppe Bremen-Liga ins Leben rufen, mit allen Beteiligten. Am Ende werden dann aber nur sieben oder acht mitarbeiten…

Eta: Dann wird das einfach mal festgesetzt, beschlossen vom Verband und jenen, die mitmachen. Wir wollen das doch langfristig entwickeln. Diesen Ansatz muss jeder haben.

Die Fragen stellte Stefan Freye.

Info

Zur Person

Benjain Eta (39) ist seit 2016 der Cheftrainer des Bremen-Ligisten TuS Schwachhausen und trainierte bis zu diesem Sommer auch die Frauen des Vereins.

Holger Franz (49) ist seit 2018 Vizepräsident des Bremer Fußball-Verbandes, für den er zuvor als Vorsitzender des Kreises Bremen-Nord tätig gewesen war. Er engagiert sich zudem in der SG Aumund-Vegesack.

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