Oft gestürzt ist halb verloren: Saisonauftakt in der neu geschaffenen Bremer Eisfußball-Liga Wenn das Fußballfeld auf Eis gelegt wird

Bremen·Walle. Ein schöner Angriff über die linke Seite, das Team 'Disco Disco' ist komplett in der gegnerischen Hälfte versammelt. Die Zuschauer klatschen, Fangesänge lassen die Halle erzittern. Ein traumhafter Pass auf den Flügel, nun die Schussmöglichkeit. Den muss er doch reinmachen! Doch wieder rutscht der Spieler aus und fällt auf das harte Eis - die Chance ist vertan, das Gelächter groß. Eisfußball macht Spaß und bereitet dem Publikum viel Freude - das wurde beim offiziellen Start der neu geschaffenen Eisfußball-Liga in der Waller Eissporthalle 'Paradice' mehr als deutlich.
22.09.2010, 21:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Marc Stubbemann

Bremen·Walle. Ein schöner Angriff über die linke Seite, das Team 'Disco Disco' ist komplett in der gegnerischen Hälfte versammelt. Die Zuschauer klatschen, Fangesänge lassen die Halle erzittern. Ein traumhafter Pass auf den Flügel, nun die Schussmöglichkeit. Den muss er doch reinmachen! Doch wieder rutscht der Spieler aus und fällt auf das harte Eis - die Chance ist vertan, das Gelächter groß. Eisfußball macht Spaß und bereitet dem Publikum viel Freude - das wurde beim offiziellen Start der neu geschaffenen Eisfußball-Liga in der Waller Eissporthalle 'Paradice' mehr als deutlich.

Die Grundregeln des Eisfußballs, der deutschlandweit durch eine TV-Sendung von Stefan Raab bekannt wurde, im süddeutschen Raum aber schon seit geraumer Zeit in Drittelpausen bei Eishockeyspielen für Unterhaltung sorgt, sind einfach. Fünf gnadenlose Minuten lang kämpfen die aus drei Spielern bestehenden Teams um Gleichgewicht und Tore. Ausgerüstet mit Schutzkleidung, Helm und Turnschuhen bewegen sich die Aktiven über das spiegelglatte Eis. Einen Torwart gibt es dabei nicht, da die Eishockeytore unter den Umständen ohnehin schwer zu treffen sind.

Eine lustige Abwechslung

Beim Auftaktspiel der Eisfußball-Saison 2010/11 werden beide Mannschaften ohne jede Vorbereitung aufs Glatteis geführt. Von den fünf Minuten Spielzeit verbringen die Spieler des 'A-Teams' und des Teams 'Disco Disco' gefühlt etwa drei Minuten auf dem Boden. Dennoch gelingen einige schöne Spielzüge und sorgen am Ende für ein spannendes Spiel. Organisator Christian Delphin ist höchst zufrieden: 'Eisfußball ist eine lustige Abwechslung, um die Fans der Weserstars in der Pause der Eishockeyspiele köstlich zu unterhalten.'

Für den Veranstalter und die Fans eine willkommene Abwechslung. Aber auch die Eis-Kicker selbst haben dabei ihren Spaß. 'Natürlich spielen wir in der Eisfußball-Liga nur just for fun, dennoch versuchen wir so professionell wie möglich aufzutreten und uns nicht allzu sehr zum Deppen zu machen', sagt Max Hölzer, der Spielführer des 'A-Teams'. Das Ziel des Trios ist dabei klar abgesteckt: 'Wir werden uns mit Ehrgeiz und Elan zur Meisterschale kämpfen.'

Bis kurz vor dem Schlusspfiff ist das Auftaktmatch völlig ausgeglichen. Doch gezieltes Grätschen und meterweites Rutschen zum Ball - darin liegt im Eisfußball der Schlüssel zum Erfolg - spielt sich das 'A-Team' einen kleinen Vorteil heraus und gleicht 60 Sekunden vor dem Ende zum 1:1 aus.

Die letzte Spielminute ist dann ein echter Augenschmaus für die Zuschauer. Beim Anstoß stehen beide Teams auf ihrer Torlinie. Der Ball wird frei gegeben, die Stürmer rennen auf die Mitte zu. Es kommt, wie es kommen muss: Beide können nicht bremsen und liegen kurz darauf ineinander verknotet auf dem Boden. Die noch stehenden Spieler stürmen ebenfalls in den Mittelkreis, ein offener Schlagabtausch entsteht. Noch 30 Sekunden. Bleibt es beim Unentschieden? 'Disco Disco' startet seinen letzten Angriff und spielt sich eine Tormöglichkeit heraus, doch wieder rutscht der Schütze weg und knallt auf den Boden. Das ist die Möglichkeit zum Konter: Ein schöner Pass in die Mitte, Andre Naumann steht frei, Schuss und Tor! Das 'A-Team' gewinnt mit 2:1 und liegt sich jubelnd in den Armen.

Das unterlegene Team, immerhin eines von 14, die sich für einen Startplatz in der Eisfußball-Liga beworben hatten, nimmt es sportlich. 'Für uns ist das Spiel eine nette Gaudi - und im Eifer des Gefechts bekommt man von den Zuschauerrängen gar nicht so viel mit', sagt Disco-Kapitän Alexander Delphin, der mit seinen Freunden Tim und Dennis Burmann sowie Thorsten Pollek - übrigens allesamt Werder-Fans - den Schritt auf das Eis gewagt hat.

'Die Mannschaften sollen hier einfach nur Spaß haben. Ich hoffe, dass die Bremer über Eisfußball reden und dadurch der Sport mehr publik gemacht wird. Denn letztlich erhoffen wir uns dadurch auch mehr Besucher für das Eishockeyspiel', erklärt Organisator Christian Delphin.

Die Premierensaison startet vorerst mit sechs Mannschaften und einer abschließenden Play-off-Runde. Die Partien finden jeweils in der ersten Drittelpause bei den Heimspielen der Bremer Weserstars statt. In der nun laufenden Saison darf übrigens auch in der Halle trainiert werden, um Taktiken und Spielverhalten auf dem kalten Boden einzustudieren. Ausrutscher und Zusammenstöße werden sich aber trotzdem nicht verhindern lassen, denn beim Eisfußball spielt der Untergrund eine große und nicht kalkulierbare Rolle. Und wenn man mal ehrlich ist: Genau das wollen Zuschauer (und Spieler) doch erleben.

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