Grün-Gold-Club ist Deutscher Meister Wenn Musik und Tanz perfekt harmonieren

Es ist der zehnte Deutsche Meistertitel in Folge, der zwölfte überhaupt in der Geschichte der Grün-Gold-Lateinformationen. Doch so selbstverständlich wie sich das liest, war es am Ende in Bamberg nicht.
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Wenn Musik und Tanz perfekt harmonieren
Von Ruth Gerbracht

Es ist der zehnte Deutsche Meistertitel in Folge, der zwölfte überhaupt in der Geschichte der Grün-Gold-Lateinformationen. Doch so selbstverständlich wie sich das liest, war es am Ende eines langen Abends in Bamberg nicht.

Die Erwartungen an den Titelverteidiger, von dem man sich immer etwas Besonderes erhofft, waren hoch. Zudem gab es im Vorfeld der Titelkämpfe eine öffentliche Kampfansage der neugegründeten Formationsgemeinschaft Rot-Weiss-Silber Bochum/1. TSZ Velbert, die in diesem Jahr den Titel lautstark für sich reklamiert hat.

Dass es für die Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen mal wieder anders kam, lag an der neuen faszinierenden Choreografie „Voices, Noises, Melodies“ von Roberto Albanese, mit der der Trainer einmal mehr seine große Kreativität und Innovation unter Beweis stellte. Zusammen mit einer tänzerisch auf hohem Niveau agierenden Lateinformation ließ der amtierende Weltmeister aus Bremen erneut der nationalen Konkurrenz keine Chance. „Ich habe kein anderes Team heute tanzen sehen“, erklärt der Coach. „Wie waren ganz auf uns fokussiert.“ Und das war gut so. Hochkonzentriert von Beginn an siegte die Mannschaft am Ende mit 35, 914 von insgesamt 38 zu vergebenen Punkten deutlich vor der FG Bochum/Velbert (34).

Überraschend erfolgreich lief es für die Lateinformation des Aufsteigers aus Buchholz. Das Team von Trainerin Franziska Becker gewann mit einem hervorragenden Finaldurchgang die Bronzemedaille (32,743) vor dem B-Team des Grün-Gold-Club, das trotz zwei ansprechender Durchgänge nur auf enttäuschende 31,6 Punkte kam. Für die erfolgsverwöhnten Lateintänzer der Formationsgemeinschaft Aachen/Düsseldorf gab es nach dem Weggang von Erfolgstrainer Oliver Seefeldt in diesem Jahr nicht viel zu bestellen. Für die Mannschaft war mit ihrer Charleston/Elektropop-Choreografie nach der Zwischenrunde Schluss.

Perfektes Timung von Musik und Tanz

Dagegen durften sich die Sieger aus Bremen zu Recht vom Bamberger Publikum feiern lassen. Die Mannschaft von Trainer Roberto Albanese begeisterte mit einer hinreißenden, künstlerischen und bislang noch nie da gewesenen Choreografie. Als die Mannschaft in der Vorrunde „Voices, Noises, Melodies“ erstmals präsentierte, staunten die Zuschauer nicht schlecht. Ein Raunen, ein Wow machten die Runde in der Brose Arena. Noch nie zuvor hatten sie eine Choreografie erlebt, in der Musik, Rhythmus und Sound so präzise auf die einzelnen Tanzschritte abgestimmt ist. Ein perfektes Timung von Musik, Tanz und elegant verbundenen Bilderfolgen. Die Zuschauer begleiteten fast jede Tanzfolge mit Applaus, bewunderten eine umwerfende Galavorstellung. Es war eine Darbietung wie aus einem Guss – und das bereits in der Vorrunde. Roberto Albanese quittierte die brillante Vorstellung seines Teams entsprechend mit der Becker-Faust.

Mit seiner neuen Choreografie ist dem Bremer Coach mal wieder ein Schritt in eine neue Richtung gelungen. Albanese hat seine Mannschaft für die Zukunft aufgestellt: moderner Formationstanz, tänzerisch erstklassig, mit großer Dynamik und einem atemberaubenden Tempo. Nur so kann es gelingen, auch weiterhin junge Leute für diese publikumswirksame Tanzsportsparte zu gewinnen.

„Mir ging es auf den Keks, im Studio immer die gleichen Lieder, die gleichen Sounds zusammenzubringen und für die jeweiligen Tänze zu benutzen“, erklärte der Coach sein Vorgehen. Es entstand die Idee, „Geräusche, Mouth Percussion, reduzierte Instrumentalisierungen, die sich über eine gewissen Phase zu einem kompletten Song entwickeln, dem Tanzen zuzuführen“, sagt er. Hinzugefügt habe er selbst ausgedachte Elemente, die zusammen mit der Musik lateinamerikanische Tänze wie Paso Doble oder Cha Cha neu kreieren. „Ich bin glücklich, dass Zuschauer und Wertungsrichter diesen Weg mitgegangen sind“, erklärt Roberto Albanese erleichtert nach der erfolgreichen Titelverteidigung. Co-Trainer Michael Maas strahlte nach dem Sieg und meinte: „Ich war von Beginn an überzeugt, dass wir gewinnen. Ich habe ein großes Grundvertrauen in Robertos Ideen.“

„Voices, Noises, Melodies“ hat aber nicht nur am Wochenende alle überzeugt, im Vorfeld der Meisterschaft galt es, die Mannschaft mit zunehmen. Die Tänzer und Tänzerinnen mussten sich auf etwas ganz Neues einlassen und – sie taten dies mit großer Motivation und Zuneigung. Thomas Friedrich, erfahrenes Gründungsmitglied in der Grün-Gold-Formation, betonte den „unglaublichen tänzerischen Spaß, den die neue Choreografie allen bereite. Es habe sich von Beginn an so leicht angefühlt, sagte der erfolgreichste Tänzer der Formation. Und als ob der Sieg nicht schon genug Geschenk gewesen wäre, sangen Sonntagnacht Zuschauer und Formationen anlässlich seines 39. Geburtstag Happy Birthday.

Angst war nicht zu spüren

Thomas Friedrich hatte immer am Erfolg der neuen Choreografie geglaubt. Auch am Wettkampftag seien alle konzentriert und positiv motiviert gewesen, Angst ob es auch klappt, sei nicht spüren gewesen. Julia Michaels, auch sie tanzt seit Jahren erfolgreich im Team, konnte dem nur zustimmen. „Ich war zwar vor dem Finaldurchgang zwar etwas nervös, aber auf der Fläche war alles wie weggeblasen und der tänzerische Spaß war sofort wieder da.“ Immerhin gab es im Vorfeld eine Unbekannte, die den Durchmarsch zum Titel hätte möglicherweise erschweren können. Von der Weltmeister-Mannschaft des Vorjahres haben sich einige vom Leistungssport verabschiedet. Neun neue Tänzer und Tänzerinnen mussten integriert werden und geben nun der Formation ein anderes Gesicht. Auch Iris Dorland bekannte, dass sie am Anfang nicht so genau wusste, wie man sich neu zusammenfindet, ob alles so klappt, wie man es sich vorstellt. „Aber es passte sofort“, erklärte die Niederländerin im Bremer Team. Und auch der Trainer zollte seiner Mannschaft viel Respekt. „Wir hatten in der vergangenen Saison einen hohen tänzerischen Level und den haben wir heute auch wieder.“ Dementsprechend fiel die Kampfansage an die internationale Konkurrenz aus. „Jetzt haben wir noch vier Wochen bis zur WM in Bremen, um noch mal eine Schüppe draufzulegen.“ Besonders die um innovative Ideen nicht verlegenen russischen Lateinformationen werden es gerne hören.

So groß die Freude beim A-Team des Grün-Gold-Club Bremen war, so enttäuscht standen die Tänzerinnen und Tänzer des B-Teams in der Kiss&Cry-Ecke beim Blick auf die Wertung. Die Mannschaft von Trainerin Uta Albanese zeigte sich in der Vorrunde möglicherweise ein wenig zu verhalten, doch die Trainerin wollte kein Risiko eingehen. „Du kannst nicht bei einem jungen neuen Team mit einer neuen Choreografie sofort Vollgas geben“, erklärte sie, warum das Team mit gebremstem Schaum die Meisterschaft begann. Doch in der Zwischenrunde und im Finale konnten sie mit ihrem Thema „Rocky 2106“ steigern. Zu einer Medaille reichte es an diesem Abend aber leider nicht mehr.

Bronze für Buchholz

Die Mannschaft der Formationsgemeinschaft Bochum/Velbert war aufgrund ihrer tänzerischen Leistung und großen Präsenz auf der Fläche an diesem Abend fürs B-Team unerreichbar. Und die Konkurrenz aus dem norddeutschen Buchholz überraschte im Finale mit ihrem ersten fehlerfreien Durchgang an diesem Abend. Den Wertungsrichtern gefiel die ansprechenden Choreografie „The Team“, die die Mannschaft im Finale mit großer Leidenschaft präsentierte und belohnte die Buchholzer mit der Bronzemedaille. Franziska Becker, ehemalige Grün-Gold-Tänzerin, war selbst überrascht und suchte nach Worten. „Nach den Fehlern in der Zwischenrunde war ich noch so enttäuscht, und jetzt haben wir eine Medaille, das ist unfassbar“, meinte sie mit Tränen in den Augen.

Jens Steinmann, Vorsitzender des Grün-Gold-Club konnte mit dem Ergebnis leben. „Minimalziel Finale erreicht“, erklärte er. Auch Co-Trainer Raimund Meyer nahm den vierten Platz gelassen, auch wenn er die Note für die Choreografie für zu niedrig hielt. „Immerhin ist Rocky eine Weltmeisterchoreografie, die kann man doch nicht so runterwerten. Aber jetzt heißt es, nach vorne gucken. Wir sind eine Nachwuchstruppe, da gibt es noch Einiges zu tun. Wir werden in der Bundesliga wieder angreifen, erklärt er zuversichtlich.“ Und dann ist auch für das B-Team wieder alles möglich.

DM der Lateinformation: 1. Grün-Gold-Club Bremen A 35,914 2. FG Rot-Weiss-Silber Bochum/1. TSZ Velbert 34,000 3. Blau-Weiss Buchholz 32,743 4. Grün-Gold-Club Bremen B 31,671 5. FG TSZ Aachen/Boston Club Düsseldorf 6. 1. TC Ludwigsburg 7. TSG Backnang 8. TSC Residenz Ludwigsburg
Unverständliche Maßnahme
Etwas ungläubig nahm die Mannschaft des Grün-Gold-Club Bremen zur Kenntnis, dass seitens des Deutschen Tanzsportverbandes die Höchstpunktzahl 10 in der Kategorie „Technische Qualität“ auf maximal acht Punkte herabgesetzt worden war. Immerhin müssten sich die nationalen Formationen mit dem Weltmeister aus Bremen vergleichen lassen, und bei zehn Punkten könnte da aus nationaler Sicht die Spanne zu weit auseinandergehen, begründete der Verband seine Deckelung. Logisch klingt das nicht. Schließlich hat man sich auf internationaler Ebene darauf verständigt, dass es vier Wertungskriterien gibt, in der jeweils 10 Punkte zu erringen sind. Dass nun bei deutschen Meisterschaften die Punktezahl vom Verband heruntergesetzt wird, nur weil der Weltmeister aus Deutschland kommt, erschließt sich weder den Aktiven noch den Zuschauern. Zumal es bei der DM in Bamberg Wertungsrichter gab, an denen diese Regelung völlig vorbeigegangen war. So drückte einer beim Grün-Gold-Club munter die 9,5, obwohl bei acht hätte Schluss sein müssen. Selbst die Technik weigert sich, solch unsinnige Regelungen mitzumachen.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+